Thiem im Achtelfinale von Melbourne gescheitert

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Thiems Kampf blieb unbelohnt
Thiems Kampf blieb unbelohnt - © APA (AFP)
Damit hatte kaum jemand gerechnet: Dominic Thiem musste sich einem groß aufspielenden Tennys Sandgren, der vor diesen Australian Open nur Insidern bekannt war, beugen. Thiem unterlag der Nummer 97 der Welt am Montag im Achtelfinale nach 3:54 Stunden mit 2:6,6:4,6:7(4),7:6(7),3:6. Der US-Amerikaner trifft nun auf den Südkoreaner Chung Hyeon, der den Serben Novak Djokovic niederrang.

Für Thiem war es zwar eine bittere Niederlage, allerdings zeigte der Weltranglisten-Fünfte in Melbourne über weite Strecken weit besseres Tennis als etwa im vergangenen Herbst. Der 26-jährige Sandgren, der erst sein drittes Grand-Slam-Turnier im Hauptbewerb spielt, war aber an diesem Tag der Stärkere. Thiem bleibt damit weiterhin sein erstes Viertelfinale bei einem Major abseits der French Open versagt. Der zweifache Roland-Garros-Halbfinalist hatte zuletzt auch in Wimbledon (gegen Tomas Berdych) und bei den US Open (nach 2:0-Satzführung gegen Juan Martin Del Potro) jeweils im fünften Satz des Achtelfinales verloren.

Sandgren zeigte von Beginn an, dass er nicht zufällig in dieses Achtelfinale gekommen ist. Der 1,88-m-Mann aus Tennessee begann extrem stark und nahm dem Favoriten aus Niederösterreich gleich im zweiten Game den Aufschlag ab. Thiem musste gegen den äußerst aggressiv spielenden Sandgren bis ins siebente Spiel auf seine ersten Breakchancen warten, allerdings konnte Thiem von seinen vier Möglichkeiten keine verwerten. Sandgren hingegen nutzte bei 5:2 seine insgesamt zweite Breakchance zum 6:2 nach 37 Minuten.

Wer erwartet hatte, dass der Weltranglisten-97. sein Niveau nicht halten könne, wurde eines Besseren belehrt. Thiem steigerte sich aber vor allem auch mit dem Aufschlag-Percentage. Er schaffte seinerseits ein frühes Break zum 2:1, wehrte zwei Breakbälle im darauffolgenden Game ab und fixierte nach weiteren 44 Minuten mit 6:4 den Ausgleich. Sandgren ließ sich von dem Satzverlust jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

Der US-Amerikaner, der in der zweiten Runde den Schweizer Topstar Stan Wawrinka glatt in drei Sätzen geschlagen hatte, ging mit einem Break 3:1 in Führung, Thiem erkämpfte sich das 3:3 und in der Folge ging es nach 2:15 Stunden ins Tiebreak. In diesem erarbeitete sich Sandgren drei Satzbälle beim 6:3 und verwandelte den zweiten zur 2:1-Satzführung.

Im vierten Satz sollte sich die Dramatik weiter steigern. Thiem verbesserte seine Aufschlagleistung weiter, servierte allein in diesem Durchgang sieben Asse, aber auch Sandgren, der immer wieder auch ans Netz stürmte, ließ einfach nicht nach. Die Zuschauer in der Hisense-Arena von Melbourne bekamen das nächste Tiebreak, diesmal ohne Serviceverlust davor, zu sehen. In diesem ging Thiem zwar 4:1 in Führung, musste aber bei 5:6 einen Matchball abwehren. Und wie er das tat: mit einem krachenden Rückhandwinner entlang der Linie. Gleiches gelang ihm auch bei 7:7 zum zweiten Satzball, den Thiem dann auch nutzte. Thiem reckte die rechte Faust in die Luft – zum zweiten Mal hatte er in diesem Turnier den fünften Satz erreicht.

Aber das Happy End blieb dem Lichtenwörther, im Gegensatz zur zweiten Runde, versagt. Während Sandgren immer mehr auch Thiems zweiten Aufschlag attackierte und den achtfachen Turniersieger unter Druck setzte, blieb der US-Amerikaner bei eigenem Aufschlag unantastbar. Zum 4:2 gelang dem Außenseiter dann das entscheidende Break – Sandgren, der wie übrigens auch Thiem 20 Asse schlug, ließ sich den Sensationssieg nicht mehr nehmen.

“Ich glaube das nicht. Ich weiß nicht, ob das wahr ist, aber ich stehe hier nicht in meiner Unterwäsche, also habe ich es wohl nicht geträumt”, meinte Sandgren lachend noch auf dem Platz. Der US-Amerikaner, der nun in die Top 60 klettern wird, lobte Thiem. “Er hat wirklich großartiges Tennis gespielt. Er ist schon weg, aber er hat eine Runde Applaus für dieses Tiebreak im vierten Satz verdient.” Sandgren sah seine Unbekanntheit als einen Vorteil, “weil die Leute nicht wissen, was sie von mir erwarten sollen”. Spätestens im Viertelfinale wird sein Gegner wohl noch besser informiert sein. Thiem, der auch im Vorjahr das Achtelfinale erreicht hatte, wird damit im Ranking zumindest eine Position verlieren.

Nach der Niederlage im Fünf-Satz-Fight zeigte sich der Niederösterreicher gefasst. “Die Enttäuschung ist schon groß, aber es hat viel schmerzhaftere und schlechtere Niederlagen in letzter Zeit gegeben”, erklärte der 24-Jährige. “Er hat wirklich gut gespielt und das fünf Sätze lang”, lobte Thiem US-Überraschungsmann Sandgren.

Nicht nur Sandgren sorgt bei den Australien Open für offene Münder, auch Chung Hyeon wird in Melbourne immer mehr zum Sensationsmann. Der Südkoreaner rang im Achtelfinale den sechsfachen Melbourne-Sieger Novak Djokovic (SRB-14) nach 3:21 Stunden mit 7:6(4),7:5,7:6(3) nieder. Chung trifft nun auf Thiem-Bezwinger Tennys Sandgren (USA) im Kampf um das Halbfinale beim ersten Grand-Slam-Event des Jahres.

Chung ist der erste Koreaner überhaupt – bei Herren und Damen – der im Viertelfinale eines Major-Turniers steht. Für Djokovic, der in Melbourne sein Comeback nach einem halben Jahr Pause feierte, hätte mit einem siebenten Titel zum alleinigen Rekordsieger der Australian Open werden können.

Titelverteidiger Roger Federer präsentiert sich weiter souverän und auch in seinem vierten Melbourne-Match in diesem Jahr keinen Satz ab. Der 36-jährige Schweizer besiegte den Ungarn Marton Fucsovics mit 6:4,7:6(3),6:2 und setzt nun im Viertelfinale gegen den Tchechen Tomas Berdych seinen Marsch in Richtung Grand-Slam-Titel Nummer 20 fort. Federer und Rafael Nadal, der am Dienstag im Viertelfinale auf Marin Cilic (CRO-6) trifft, steuern also weiter auf eine Neuauflage des Vorjahres-Endspiels zu.

Ein ÖTV-Erfolgserlebnis gab es im Doppel. Oliver Marach und Mate Pavic setzten am Montag ihre Erfolgsserie fort und erreichten das Viertelfinale. Das als Nummer sieben gesetzte Duo besiegte die indisch-französische Paarung Rohan Bopanna/Edouard Roger-Vasselin in der dritten Runde mit 6:4,6:7(5),6:3.

Nach den Titeln in Doha und Auckland sind der Steirer und der Kroate nun schon elf Matches en suite ungeschlagen. Im Viertelfinale sind Marach/Pavic gegen die ungesetzten Marcus Daniell/Dominic Inglot (NZL/GBR) Favoriten, im Halbfinale wäre ein Duell mit den topgesetzten Lukasz Kubot/Marcelo Melo (POL/BRA-1) möglich.

Bei den Damen hatte die topgesetzte Rumänin Simona Halep beim 6:3,6:2 über Naomi Osaka (JPN) keine Mühe, Angelique Kerber kämpfte sich hingegen in die Runde der letzten acht. Die Deutsche, die 2016 die Australian Open gewonnen hatte, musste gegen die Taiwanesin Hsieh Su-wei über die volle Distanz gehen. Nach dem glatten Sieg über Maria Scharapowa in der Runde davor siegte Kerber mit 4:6,7:5,6:2. Jetzt geht es am Mittwoch gegen die US-Amerikanerin Madison Keys, die rechtzeitig wieder ihre Form gefunden hat. Keys überraschte die französische Nummer acht der Welt, Caroline Garcia, mit einem glatten 6:3,6:2.

Kerber ist nach einem verpatzten Jahr 2017 wieder auf dem Weg nach oben. Beim Hopman Cup in Perth hat Kerber alle ihre Einzelpartien gewonnen, beim Vorbereitungsturnier in Sydney ihren ersten Titel seit den US Open 2016 geholt. Und schon jetzt ist klar: Sollte Kerber im achten Vergleich mit Keys ihren siebenten Erfolg feiern, kehrt sie in einer Woche in den illustren Kreis der Top Ten der Weltrangliste zurück.

(APA)

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