Gottfried von Einems Kinderoper “Tulifant” im MuTh

1984 wurde mit der Besetzung der Hainburger Au der Grundstein für die österreichische Öko-Bewegung gelegt. 1984 entstand auch Gottfried von Einems Kinderoper “Tulifant”, die von Librettistin Lotte Ingrisch gerne als “erste grüne Oper” bezeichnet wird. Aus dieser Zeit scheint auch die Ästhetik zu stammen, an der sich eine Neuproduktion orientiert, die am Samstagnachmittag im MuTh Premiere feierte.

Mit der Produktion, die im Juni auch im Schloss Esterhazy gezeigt wird, wird der Veranstaltungsreigen rund um den 100. Geburtstag des Komponisten, der bereits im Theater an der Wien mit “Der Besuch der alten Dame” und in der Staatsoper mit “Dantons Tod” gefeiert wurde, fortgesetzt. Im Sängerknaben-Konzertsaal am Augartenspitz ist neben dem “Backstage-Chor der Wiener Sängerknaben” ein einziger Sängerknabe mit dabei. In der Hauptrolle des kleinen Fridolin, der sich aus Mutterliebe zur Rettung der ausgebeuteten und unterdrückten Erde aufmacht, wirkt der Sängerknabe David ziemlich verloren zwischen einer reichlich komplizierten Handlung und einer Tondichtung, die ebenfalls ordentlich Ansprüche an Sänger und Zuhörer stellt.

Ausstatterin Elisabeth Binder-Neururer variiert im Bühnenbild der drei Akte der Oper eine Grundidee, als gelte es, “Die Blechtrommel” von Günter Grass auf die Bühne zu bringen. Zwischen Trommeln in jeder Größe herrscht ein dauertelefonierender, despotischer Wüterich (David Jagodic), dessen Motto im Umgang mit der Erde vulgo Prinzessin Smaragda (Irena Weber) “Herrschen sollst Du, nicht lieben!” lautet, und der die Umfärbung propagiert: “Aus grün mach ich grau!”

Das “Märchenspiel über Verzauberung und Erlösung unseres Planeten Erde” kommt in der Inszenierung von Beverly und Rebecca Blankenship mehr betulich als mitreißend über die Rampe. Witz bringt lediglich Ricardo Bojorquez als verschnupfter Drache Müff Müff in Spiel, gesanglich überzeugt neben Irena Weber am ehesten noch Sreten Manoljovic als Tulifant, der von seinem Sohn Fridolin gerettet wird. Dirigent Caspar Richter, der bereits 1990 die “Tulifant”-Uraufführung im damals noch nicht umgebauten Ronacher dirigiert hatte, zieht sich mit der Schubert-Akademie noch am besten aus der Affäre.

Die Botschaft der Oper, die vor der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen warnt, ist hoch aktuell. Dass sie sich im MuTh als verstaubt wirkendes Öko-Märchen präsentiert, dürfte die Kids aber eher nicht von ihren Smartphone-Displays aufschauen lassen. Schade.

(S E R V I C E – “Tulifant”, Kinderoper in drei Akten. Musik: Gottfried von Einem, Libretto: Lotte Ingrisch, Regie: Beverly und Rebecca Blankenship, Ausstattung: Elisabeth Binder-Neururer, Musikalische Leitung: Caspar Richter, Orchester: Schubert-Akademie. MuTh, Wien 2, Am Augartenspitz 1. Weitere Aufführungen: 14., 15., 16. Mai, Tickets und Infos: 01 / 347 80 80, , ; Aufführungen im Schloss Esterhazy, Haydnsaal: 17.-19., 23., 24. Juni. Gottfried von Einem Fest am 9. Juni, 17 Uhr, in der Kirche zur Heiligen Katharina in Maissau – Oberdürnbach, Karten: 02958 / 82 27 10. )

(APA)

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