Wohnungssuche: So haben sich die Ansprüche der Österreicher verändert

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Die Ansprüche der Wohnungssuchenden haben sich während der letzten beiden Jahrzehnte verändert.
Die Ansprüche der Wohnungssuchenden haben sich während der letzten beiden Jahrzehnte verändert. - © APA/Georg Hochmuth
Das Immobilienportal FindMyHome.at analysiert über 16 Jahre Immobiliensuche. Die Preisentwicklung des Marktes, das Internetnutzungsverhalten und die veränderten Wünsche der Suchenden prägten die Anfragen über die letzten zwei Jahrzehnte.

Über 320.000 User nutzen monatlich FindMyHome.at für die Suche nach dem neuen Zuhause. Die Ansprüche an die Immobiliensuche haben sich dabei seit der Gründung des Portals im Jahr 2001 signifikant geändert, verraten die Experten der Plattform.

“2001 zog es Immobiliensuchende am häufigsten nach Döbling, auf den Alsergrund oder nach Hietzing. Heute zählen Favoriten, Rudolfsheim-Fünfhaus und Ottakring zu den beliebtesten Bezirken in Wien. Die Kombination aus günstigem Mietpreis, gutem Anschluss an die Innenstadt und hippen Trendgegenden, wie etwa dem Brunnenmarkt, bedingen die Beliebtheit der Bezirke”, so Bernd Gabel-Hlawa, Gründer und Geschäftsführer von FindMyHome.at.

“Dabei gab man 2001 noch rund 30 Prozent des Einkommens für das Wohnen aus. Heute liegen Wohnausgaben meist schon bei 50 Prozent und mehr.”

Wohnungssuche: Neue Ansprüche an die Immobilie

Vor allem Grundrisse, Komfort und Technologien der Immobilien haben im Vergleich zum Jahr 2001 einen Wandel erlebt. Benedikt Gabriel, ebenfalls FindMyHome.at-Geschäftsführer und Gründer dazu: “Früher war Wohnen viel zweckmäßiger. Heute ist die eigene Wohnung ein Rückzugsort, der Freizeitschwerpunkt und oftmals auch Arbeitsplatz. Im gehobenen Segment dient sie als zum Beispiel als Wellnessoase und Fünf-Sterne-Restaurant in der eigenen, gut ausgestatteten Küche.”

Egal in welcher Preisklasse, “immer mehr Individualität wird in der eigenen Wohnung zum Ausdruck gebracht”. Waren früher noch Wohneinheiten mit vielen, kleineren Zimmern beliebt, seien in den letzten Jahren große, freie Räume immer gängiger geworden.  Zum Beispiel stehe der Laptop nun auch im Wohnraum oder auf der Terrasse, ein eigenes Arbeitszimmer sei oft nicht mehr nötig.

Vom Eigentum hin zur Miete

73 Prozent der User auf FindMyHome.at suchten 2001 nach Eigentumsimmobilien, deren Wohnfläche im Durchschnitt eine Größe von 120 bis 160 Quadratmeter hatte. Ein Drittel der Suchenden fragte nach einem Haus für Familien mit durchschnittlich vier Bewohnern an.

“Heutzutage stehen jedem Wiener und jeder Wienerin durchschnittlich 38 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, im Schnitt leben zwei Personen in einer Wohnung”, nennt Gabel-Hlawa Zahlen zur Wandlung.

Luxus Eigentumsimmobilie, schrumpfendes Mittelsegment beim Mieten

Mit einer Preissteigerung von knapp 120 Prozent in den letzten zehn Jahren werden Eigentumsimmobilien immer mehr zum Luxusgut. 2007 etwa betrug der durchschnittliche Angebotspreis von Eigentumsimmobilien auf FindMyHome.at in Wien noch knapp 2.625 Euro pro Quadratmeter. Heute hat sich dieser Durchschnitt mit 5.772 Euro/m² mehr als verdoppelt. Die teuersten Angebote waren 2007 noch in der Inneren Stadt (5.586 Euro/m²), Döbling (4.016 Euro/m²) und Neubau (3.523 Euro/m²) zu finden, 2017 klettern die Josefstadt (9.242 Euro/m²) und Wieden (8.191 Euro/m²) auf den zweiten und dritten Stockerlplatz nach der Inneren Stadt (14.295 Euro/m²).

Auch die Mietpreise erlebten in den letzten zehn Jahren einen rasanten Anstieg. Kostete eine Wiener Mietwohnung auf FindMyHome.at 2007 noch durchschnittlich 10,75 Euro/m², so sind es 2017 schon um knapp 50 Prozent mehr, nämlich 16,11 Euro/m². Betroffen sind alle Bezirke, wobei die Erhöhung über die Jahre unterschiedlich ausfiel. So sind seit 2007 einerseits die Mieten in fast allen Bezirken innerhalb des Gürtels stark angestiegen. Aber auch im 17. und 18. Bezirk sowie im 21. und 22. Bezirk war der Anstieg überproportional hoch. Das ist unter anderem auf das immer kleiner werdende Mittelsegment des Wiener Immobilienmarktes zurückzuführen.

So veränderte sich die Immobiliensuche

Wollte man 2001 umziehen, so wurden vorrangig Printmedien für die Recherche gewählt. Die Online-Suche wurde in vielen Fällen nur als Ergänzung genutzt. “2001 nutzten weniger als jeder Fünfte das Internet für Kleinanzeigen, eine Zukunft als Massenmedium wurde dem Internet von Trendforschern abgesprochen”, erklärt Gabriel. Heute ist das Gegenteil der Fall: Über 90 Prozent nutzen Onlineportale für die Suche nach Immobilien, mobile Nutzung auf Smartphone, Tablet und Co. spielt dabei eine immer wichtigere Rolle.

“Die kommenden Trends der Immobiliensuche: Personalisierung, Simplifizierung und Gamifizierung. Suchende möchten Immobilien einfach, schnell und ohne große Mühe finden. Nicht mehr die klassische Suche a la Postleitzahl und Quadratmeter wird im Vordergrund stehen, sondern die Lebenssituation. Immobilien-Plattformen werden sozusagen zum Tinder für die Eigenheim-Suche. Ein intelligenter Algorithmus, der das ‘Perfect Match’ in Sachen Wohnen vorschlägt.”

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