“Kein Fallobst dabei”: Rapid in der engsten EL-Gruppe weiter auf Kurs

Giorgi Kvilitaia erzielte für Rapid den Ausgleichstreffer.
Giorgi Kvilitaia erzielte für Rapid den Ausgleichstreffer. - © APA/Herbert Pfarrhofer
Rapid holte mit dem 2:2 bei Sassuolo nicht nur einen wichtigen Punkt in der Europa League, sondern gewinnt damit auch das direkte Duell mit den Italienern.

Ein Superfinish hat Österreichs Rekordmeister Rapid am Donnerstag in Italien gerettet. Nach 85 Minuten und einem 0:2-Rückstand bei Sassuolo sah es im Aufstiegsrennen in der Europa-League-Gruppe-F für die Hütteldorfer schlecht aus, dank eines Doppelschlags zum 2:2 haben sie aber weiter gute Karten. Vor allem da der direkte Vergleich mit dem Serie-A-Klub nach dem 1:1 in Wien gewonnen werden konnte.

“Die Gruppe ist wahnsinnig eng, es ist kein Fallobst dabei, man muss sich jeden Punkt sehr hart erarbeiten. Das Remis gibt uns noch alle Möglichkeiten”, analysierte Rapid-Trainer Mike Büskens. Die Gruppe F ist die ausgeglichenste im gesamten Bewerb. Genk und Athletic Bilbao (je 6), das gegen die Belgier zu Hause dank fünf Aduriz-Treffer 5:3 siegte, haben vorerst die Nase vorne. Rapid und Sassuolo liegen nur einen Zähler dahinter.

“Wir haben weiter alles in unserer Hand, und es ist gut so, dass wir es zu Hause vielleicht entscheiden können, das wäre umso schöner”, sagte Ersatzkapitän Maximilian Hofmann. Vor dem abschließenden Duell mit Bilbao am 8. Dezember (19:00 Uhr, live auf Sky und im VIENNA.at-Liveticker) müssen die Wiener erst einmal am 24. November in Genk bestehen, wo die Devise “verlieren verboten” gilt. An eine Niederlage in Belgien will im Rapid-Lager aber ohnehin niemand denken. “Wir schlagen Genk, gewinnen dann gegen Bilbao und ab in die K.o.-Phase”, gab Rapid-Präsident Michael Krammer die Marschroute vor.

Rapid vs. Sassuolo: Wenige Höhepunkte in spannendem Spiel

Auch er ist sich aber bewusst, dass noch ein harter Weg bevorsteht. “Man muss in der einen wie auch der anderen Situation die Kirche im Dorf lassen. Es ist nicht immer alles schlecht und eine große Krise und jetzt auch nicht alles himmelhochjauchzend”, erklärte der 56-Jährige. Sein Team habe in Reggio Emilia ein gutes Spiel und großen Kampfgeist in der Rapid-Viertelstunde gezeigt. Beachtlich sei auch die Fan-Unterstützung von den Rängen gewesen. “Das ist Rapid, auch wenn es nicht so läuft, unterstützt der Block. Das war mitentscheidend”, lobte Krammer den Anhang, der vor allem im Finish für eine Heimspiel-Atmosphäre gesorgt hatte.

Im Gegensatz zum Hinspiel in Wien hatte sich Rapid extrem schwergetan, sich Chancen herauszuarbeiten. Ein Joelinton-Kopfball (12.), der die Führung bedeuten hätte können, war bis zum Doppelschlag die einzige Ausbeute. Die Italiener gingen aber auch kein allzu großes Risiko ein, weshalb es über 90 Minuten gesehen allgemein nur wenige Höhepunkte gab.

Einer davon war die schön herausgespielte Führung durch Grégoire Defrel (34.). “Wir haben uns in der Anfangsphase sehr gut präsentiert. Beim 0:1 haben wir ihnen dann durch einen kurzen Moment der Passivität den Platz gegeben, den sie gebraucht haben”, meinte Büskens. Das 0:2 unmittelbar vor dem Pausenpfiff war doppelt bitter, zumal Lorenzo Pellegrinis Freistoß von Antonino Ragusa unhaltbar abgefälscht wurde.

Systemumstellung rettet einen Punkt

Gleich nach Wiederbeginn vereitelte Richard Strebinger eine Doppelchance der Hausherren (51.), hielt seine ersatzgeschwächte Truppe damit im Spiel. Das Ende der Geschichte ist bekannt, nach der Umstellung auf eine 4-4-2-Formation stachen die beiden “Joker” Matej Jelić (86.) und Giorgi Kvilitaia (90.).

“Die Zuschauer haben einen interessanten Vergleich gesehen. Wir haben uns mit dem Ausgleich dafür belohnt, dass wir den Kopf immer oben gehalten haben”, sagte Büskens. Und der starke Abwehr-Routinier Mario Sonnleitner ergänzte: “Die Einwechselspieler waren sofort da, haben versucht, das Spiel nach vorne zu tragen. Das war sehr wichtig.”

Besonders beachtlich ist, dass die Wende bei einem italienischen Klub herbeigeführt werden konnte. “Mit der jungen Mannschaft in Italien noch einmal zurückzukommen, das spricht für die Jungs und die Moral”, lobte Büskens seine Truppe. Die nahm sich anscheinend ein Beispiel am Lokalrivalen Austria, der vor zwei Wochen bei der AS Roma aus einem 1:3 noch ein 3:3 gemacht hatte.

Bundesliga “nach wie vor der wichtigste Bewerb”

Das Thema Europa League wurde bei den Wienern aber schnell in den Hintergrund gedrängt, der volle Fokus ist auf das Spiel gegen den WAC am Sonntag (14:00 Uhr, live auf Sky und im VIENNA.at-Liveticker) gerichtet. Mit dem zweiten Ligasieg in Folge soll der Aufwärtstrend vor der Länderspielpause fortgesetzt werden. “Es war ein verrücktes Spiel, ein richtiger Europacup-Fight. Im Großen und Ganzen können wir auf dem Spiel aufbauen, es war ganz wichtig für das Selbstvertrauen”, blickte Maximilian Hofmann optimistisch voraus.

Bei schon neun Punkten Rückstand auf Leader Sturm Graz und nur Platz fünf wäre alles andere als ein voller Erfolg fatal. “Die Liga ist nach wie vor der wichtigste Bewerb, wir müssen zusehen, dass wir da performen. Das Spiel gegen den WAC ist enorm wichtig”, sprach Sport-Geschäftsführer Andreas Müller Klartext.

(APA, Red.)

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