Rapid-Remis gegen Sassuolo: Der Matchplan gibt eigentlich was anderes vor

Von David Mayr
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Für Rapid wäre im Heimspiel gegen Sassuolo mehr drin gewesen.
Für Rapid wäre im Heimspiel gegen Sassuolo mehr drin gewesen. - © APA/Hans Punz
Rapid zeigt in der Europa League gegen Sassuolo in zwei Hälften zwei unterschiedliche Gesichter. Die Erklärungsversuche, wie es dazu kommen konnte.

Keine zwölf Minuten waren am späten Donnerstagabend bei nebelkaltem Winterwetter im Allianz-Stadion im Westen Wiens gespielt, als den 22.000 Rapid-Fans nach Wochen unterkühlter Leistungen ihrer Mannschaft endlich wieder warm ums Herz wurde.

Nach vier sieglosen Pflichtspielen in Serie legten die Grün-Weißen im Europa-League-Heimspiel gegen Sassuolo los wie die Feuerwehr und hätten nach nicht einmal einer Viertelstunde gut und gerne mit 3:0 in Führung liegen können. Immerhin hatte Louis Schaub seinen ersten Hochkaräter genutzt und Rapid in Front geschossen.

Bei einer weiteren Topchance verpasste er das Abspiel auf den besser postierten Arnór Ingvi Traustason, kurz darauf scheiterte Thomas Murg nach Schaub-Vorarbeit an Sassuolo-Torhüter Andrea Consigli.

Rapid-Tormann Strebinger: “Irgendwann musst du dich zurückziehen”

Nach der Pause änderte sich das Geschehen auf dem Rasen allerdings, als der Gegner aus Italien immer öfter weitgehend unbedrängt in Richtung Sechzehner der Gastgeben drängen konnte. “Sassuolo war am Anfang sehr überrascht, dass wir so ein Pressing spielen, aber das kannst du nicht 90 Minuten durchhalten”, gab Rapid-Goalie Richard Strebinger nach Abpfiff gegenüber VIENNA.at zu bedenken. “Irgendwann musst du dich weiter zurückziehen, aber da hätten wir besser in die Zweikämpfe kommen müssen.”

In der 66. Minute rächten sich die vergebenen Chancen der Anfangsphase der ersten Hälfte sowie die Nachlässigkeit in der zweiten. Linksverteidiger Thomas Schrammel köpfte eine Flanke von links in kurioser Manier gegen die Laufrichtung Strebingers ins eigene Tor. “Da hatte er vielleicht zwei Gedanken gleichzeitig im Kopf. So etwas passiert im Fußball, da kann man ihm keinen Vorwurf machen. Er hat sich auch nicht hängen lassen und danach weiter eine super Partie abgeliefert”, nahm Strebinger, der ein paar Minuten zuvor noch mit einer spektakulären Parade gegen Sassuolos Toptorschützen Grégoire Defrel gerettet hatte, seinen Vordermann in Schutz.

Schaub: “Der Matchplan gibt vor, dass wir 90 Minuten so spielen”

In den letzten 25 Minuten der Partie konnte keine der beiden Mannschaften mehr wirklich gefährlich werden. “Der Matchplan gibt eigentlich vor, dass wir 90 Minuten so spielen”, trauerte Europacup-Spezialist Schaub am Ende zwei Punkten nach. Der 21-jährige Offensivgeist hält nun in 27 Spielen auf europäischer Bühne bei 16 Treffern.

Zur Rapid-Viertelstunde brachte Trainer Mike Büskens mit Matej Jelić zum bemühten Joelinton noch einen zusätzlichen Stürmer, beorderte den Kroaten bei seinem Comeback nach dreimonatiger Verletzungspause allerdings auf den linken Flügel, wo er wirkungslos blieb. Das 4-2-3-1-System wollte der deutsche Coach nicht abändern.

Große Unzufriedenheit mit dem Unentschieden ließ Strebinger aber nicht aufkommen: “Es war trotzdem sehr okay. Sassuolo ist eine gute Mannschaft, nicht umsonst sind sie letzte Saison Sechster in Italien geworden.”

“Derby? Wir werden als Sieger vom Platz gehen”

Stehen blieb eine Punkteteilung, die Rapid im Rennen um den Aufstieg ins Sechzehntelfinale etwas zurückwirft, zumal in der zweiten Hälfte der Gruppenphase zwei Auswärts- und nur ein Heimspiel warten. Die Chancen auf die K.o.-Phase sind jedoch nach wie vor intakt. Hinter Genk, das am Donnerstag einen 2:0-Heimsieg über Bilbao feierte und bei sechs Punkten hält, liegen die Wiener mit vier Zählern gleichauf mit Sassuolo und knapp vor den favorisierten Spaniern (3).

Weiter geht es in der Europa League am 3. November (19:00 Uhr, live auf Sky) mit dem Rückspiel in Italien, schon am Sonntag (16:30 Uhr, live auf ORF eins, Sky und im VIENNA.at-Liveticker) steht das 319. große Wiener Derby gegen die Austria auf dem Programm. Nach nun bereits fünf Spielen ohne Sieg wäre ein voller Erfolg für Mannschaft, Trainer und Fans in Hütteldorf umso wichtiger.

“Wir werden sehen, wie die Austria spielt, müssen aber auf uns schauen. Wir werden am Sonntag als bessere Mannschaft als Sieger vom Platz gehen”. An Richard Strebingers Selbstvertrauen hat die grün-weiße Durststrecke jedenfalls nicht gekratzt.

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