Roma gewinnt in Wien: Eine Niederlage, mit der die Austria gut leben kann

Von David Mayr
Akt.:
Torschützen unter sich: Alex Grünwald und Larry Kayode.
Torschützen unter sich: Alex Grünwald und Larry Kayode. - © APA/Georg Hochmuth
Die AS Roma hat aus dem Hinspiel gelernt und fügt der Austria in Wien eine verdiente 2:4-Niederlage zu. Dass diese für die “Veilchen” verschmerzbar ist, zeigen die Aussagen der violetten Protagonisten.

Trainer Thorsten Fink ahnte es. Noch einmal würde seine Austria die Roma wohl kaum so indisponiert erwischen, wie in der Schlussphase der Partie vor zwei Wochen im Stadio Olimpico, als die Wiener durch zwei späte Tore noch einen Punkt aus Italiens Hauptstadt entführten.

“Das wird eine ganz, ganz schwere Partie”, hatte der Coach vor dem Rückspiel im Happel-Stadion eindringlich gewarnt – und er sollte recht behalten. Zwar gelang der Austria gegen den Tabellenzweiten der Serie A erneut die frühe Führung – diesmal durch den stets aufgezuckerten Larry Kayode – doch die Gäste aus Rom ließen sofort ihre Klasse aufblitzen und kontrollierten das Match problemlos, nachdem sie es nach 17 Minuten gedreht hatten.

“Roma hat uns, anders als im Hinspiel, nicht unterschätzt, Džeko am Ende den Unterschied ausgemacht”, erklärte Fink auf der Pressekonferenz nach der Partie ohne Umschweife.

Europa League: Roma-Stürmer Džeko zerlegt die Austria

Mit Edin Džeko bot Roma-Trainer Luciano Spalletti in Abwesenheit des verletzten Altstars Francesco Totti seine schärfste Waffe im Sturmzentrum auf. Die Torschützenliste der italienischen Meisterschaft führt der Bosnier mit zehn Treffern an, in der Europa League netzte er am Donnerstag zum ersten Mal, dafür gleich doppelt.

Wie von Fink angedeutet, war der 30-Jährige an diesem Abend Sinnbild des Klasseunterschieds zwischen dem Dritten aus Österreich und dem Dritten aus Italien in der vergangenen Saison, auch wenn sich Austria-Innenverteidiger Lukas Rotpuller in den Privatduellen mit dem Ex-Wolfsburg- und ManCity-Torjäger nach Bemühen wehrte.

Džeko ist ein Typ Angreifer, den man in Österreich kaum zu sehen bekommt, weil er so viele wichtige Faktoren für einen Stürmer vereint: Körperlich ist der 1,92-Meter-Mann eine Macht, seine Ballbehandlung bleibt auch bei hohem Tempo blitzsauber und lässt er sich zurückfallen, um sich die Bälle weiter hinten zu holen, weiß er seine Mitspieler mit gutem Passspiel in Szene zu setzen.

Austria unisono: “Haben uns gut verkauft”

Am Ende sahen die 32.751 Zuschauer im Praterstadion – darunter Austria-Ikone und Ex-Roma-Legionär Herbert Prohaska – einen verdienten 4:2-Sieg der Gäste, die auf überraschend zahlreiche Unterstützung auf den Rängen zählen konnten. Damit wurden zwei Serien fortgesetzt: Die “Giallorossi” sind nun bereits seit acht Pflichtspielen ungeschlagen, die Austria muss weiter auf einen Sieg gegen einen Gegner aus Italien warten. Ihr bisher einziger datiert vom 23. November 1983 – ein 2:1 im UEFA-Cup gegen Inter Mailand.

“Ich glaube, wir sind ganz gut aufgetreten, haben zwei Tore erzielt und uns ganz gut verkauft”, befand Alexander Grünwald, dem kurz vor Abpfiff mit seinem Treffer noch die Ergebniskosmetik gelungen war. “Wir sind gut ins Spiel gekommen mit dem frühen Tor, vielleicht ist es sogar zu früh gefallen”, sagte Raphael Holzhauser. “Dann hat man die enorme Qualität der Roma gesehen, mit Džeko, der vor dem Tor eiskalt ist und die Bälle vorne unglaublich gut hält.”

Auch Holzhauser fand, man könne im Großen und Ganzen zufrieden sein, er, Grünwald und Trainer Fink bedauerten allerdings die zwei Gegentore aus Standardsituationen. “Die dürfen so nicht passieren, das ist das Einzige, was mich ärgert”, erklärte der Trainer.

Appell des Stadionsprechers: “Kommt auch in der Meisterschaft!”

An der guten Ausgangsposition für den Kampf ums Überwintern auf europäischer Ebene hat sich für die Austria durch die Niederlage wenig geändert. Da sich Astra Giurgiu und Viktoria Pilsen 1:1 trennten, könnten die “Veilchen” mit einem Heimsieg gegen die Rumänen in zwei Wochen den vorzeitigen Aufstieg ins Sechzehntelfinale fixieren, wenn Pilsen im Parallelspiel in Rom nicht gewinnt.

Zunächst geht es für die Wiener allerdings in der Cashpoint-Arena in Altach weiter. Dort soll am Sonntag (16:30 Uhr, live auf ORF eins, Sky und im VIENNA.at-Liveticker) die Erfolgsserie in der Liga fortgesetzt werden. Nach der Länderspielpause ist dann die SV Ried im Happel-Stadion zu Gast.

Für dieses und andere Heimspiele in der Meisterschaft richtete Austrias Stadionsprecher Donnerstagabend einen Appell an den violetten Anhang, der zum Schlager gegen die Roma so zahlreich erschienen war: “Kommt bitte auch in der Meisterschaft! Ihr nehmt der Austria durch eure Abwesenheit den so wichtigen Heimvorteil.”

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen
Werbung