Francesco Totti: Austria Wiens Audienz beim Kaiser von Rom

Von David Mayr
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Francesco Totti, die noch aktive Legende der AS Roma.
Francesco Totti, die noch aktive Legende der AS Roma. - © AFP Photo/Filippo Monteforte
Donnerstagabend gastiert die Wiener Austria in der Europa League bei der AS Roma. Bei einem Klub, in einer Stadt, wo der Fußball Vor- und Nachnamen hat: Francesco Totti.

Sportlich ist seine Rolle in der Mannschaft nach insgesamt 27 Jahren beim Verein überschaubar geworden. In dieser Saison stehen sechs Pflichtspieleinsätze zu Buche, in denen ihm immerhin zwei Tore und vier Assists gelungen sind.

Doch diese Nummern sind eigentlich nur nebensächlich. Zu groß ist der Mythos Francesco Totti geworden, als dass nackte Zahlen ihm etwas anhaben könnten. Mit 40 Jahren steht der Ur-Römer nach wie vor seinen Mann für seinen Herzensklub, seine wahre “amore”, die AS Roma, die er trotz unmoralischer Angebote nie verlassen hat.

Als Francesco Totti auf sein Herz hörte

Francesco Totti ist einer der letzten seiner Art, einer, dem “sein” Klub mehr bedeutet, als noch ein paar Millionen mehr auf dem Bankkonto oder noch größerer Ruhm bei einem prestigeträchtigeren Klub. “2004 war ich bereit, zu Real Madrid zu gehen. Dort hätte ich dreimal die Champions League gewonnen und wäre zweimal Weltfußballer geworden”, verriet Totti vor dreieinhalb Jahren. “Eine Unterhaltung mit meiner Familie erinnerte mich aber daran, worum es im Leben wirklich geht. Am Ende traf mein Herz die richtige Entscheidung – zum Glück.”

Worte, die – in abgeschwächter Form – auch andere aussprechen, nur um beim nächstbesten Angebot doch die Farben zu wechseln. Totti nimmt man jede Zeile ab, schließlich hat er auch Taten folgen lassen. Selbst in sportlich schwierigen Phasen oder wenn er einmal eine Zeitlang zum Reservisten degradiert wurde, blieb er und biss sich durch. Totti will das Beste für seine Roma, daran gibt es keinen Zweifel. Sein Ego stellt er mit der Ruhe eines Routiniers, der schon alles im Fußball erlebt hat, zurück.

Dass sich Tottis Erfolge auf Vereinsebene mit einem Meistertitel und jeweils zwei Cup- und Supercupsiegen so mager lesen, schmerzt zwar jeden Fußballliebhaber. Doch Totti hat durch seine Treue zur Roma etwas Größeres, Dauerhaftes erreicht. Die Tifosi der “Giallorossi” verehren ihn abgöttisch, ihren Kaiser von Rom.

“Mamma” sagte “No” zum AC Milan

Tottis Geschichte bei der Roma begann 1989, als der kleine Francesco zwölf Jahre alt war. Irgendwann klopfte es an der Wohnungstür der Tottis, seine Mutter Fiorella öffnete. Funktionäre des AC Milan waren extra von Mailand nach Rom gereist, um sich den blonden Burschen mit dem goldenen Fuß unter den Nagel zu reißen. “Aber meine Mutter war die Chefin, das ist sie heute noch. Sie ist wie alle italienischen ‘Mammas’ – sie verteidigen ihre Kinder und die Tatsache, dass mir so weit weg etwas passieren könnte, machte ihre Angst”, erinnert sich Francesco.

Die Mailänder bekamen also ein entschiedenes “No” von signora Totti zu hören, und Francesco ging in die Jugendabteilung der Roma. Der Rest ist Geschichte. Den 28. März 1993, als er beim 2:0-Sieg über Brescia Calcio sein Profidebüt feierte, beschreibt er als “geprägt vom Stolz, meine Stadt repräsentieren zu dürfen”. Ein Gefühl, dass sich in all den Jahren nie geändert habe, wie Totti versichert.

Am Donnerstag, dem dritten Spieltag der aktuellen Europa-League-Gruppenphase, wird er gegen die Austria zu seinem 765. Pflichtspieleinsatz für die Roma kommen. Den Einsatz des Altstars bestätigte Trainer Luciano Spalletti bei einem Pressetermin im Vorfeld der Partie. Dass “Il capitano” längst Rekordspieler seines Vereins ist, versteht sich von selbst. In der ewigen Rangliste der Serie A liegt Totti mit 605 Partien hinter Paolo Maldini (647) und Javier Zanetti (615) an dritter Stelle, mehr Tore als der Römer hat im italienischen Oberhaus nur der von 1929 bis 1954 aktive Silvio Piola (274) erzielt. Totti hält aktuell bei 250 Treffern.

Ein neues Kolosseum für die Roma

Einen Meilenstein in der Klubgeschichte der Roma wird Totti als Profi wohl nicht mehr erleben. Anfang des kommenden Jahres soll im Süden der “Ewigen Stadt” endlich mit dem Bau eines neuen, eigenen Stadions für den Klub begonnen werden. Seit 63 Jahren teilt man sich das Stadio Olimpico mit dem Erzrivalen Lazio.

Das Stadio della Roma soll zwischen 52.000 und 60.000 Zuschauern Platz bieten und an das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt, das Kolosseum, angelehnt sein. “Das wird unser aller Zuhause werden”, freut sich Totti auf die neue Arena. Einen gebührenden Auftritt – in welcher Form auch immer – wird die lebende Roma-Legende dort mit Sicherheit bekommen.

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