EURO 2016 als Herausforderung für Sicherheitsbehörden

Das Sicherheitsthema steht bei der EURO 2016 im Fokus.
Das Sicherheitsthema steht bei der EURO 2016 im Fokus. - © AFP
Ein gewaltiges Fan-Aufkommen, Terrorangst und möglicher Hooliganismus stellen Behörden und Sicherheitskräfte in Frankreich auf die Probe.

Die EURO 2016 stellt die Sicherheitskräfte auch hierzulande vor zahlreiche Herausforderungen. Österreich hat sich das erste Mal sportlich für eine Fußball-EM qualifiziert. Die Mannschaft wird viele Fans ins Veranstalterland Frankreich locken. Doch nicht nur das: Vor allem für die Teilnehmerstaaten vom Balkan und unsere östlichen Nachbarn Ungarn und Slowakei wird Österreich auch Transitland sein.

Es gilt viele Aspekte zu bedenken, sagte Alexander Marakovits vom Innenministerium im Gespräch mit der APA. So haben knapp 44.000 heimische Fußballfans Tickets für die drei Vorrundenspiele der Nationalmannschaft gegen Ungarn, Portugal und Island in Bordeaux beziehungsweise den beiden Pariser Austragungsorten bekommen.

EM zwischen Euphorie und Terrorangst

Die Behörden rechnen allerdings mit einem deutlich größeren Fan-Strom: Tickettauschbörsen der UEFA, Karten aus dem Verkauf für neutrale Tribünen und Begeisterte, die einfach ohne Tickets für Spiele in das Veranstalterland reisen, sollten das Reiseaufkommen deutlich steigern. Wie viele es letztlich sein werden, ist bisher aber äußerst schwer abzuschätzen. Auf der einen Seite steht die Euphorie, auf der anderen die Angst vor Anschlägen. Schließlich findet die EURO heuer in einem Land statt, das 2015 gleich zweimal zum Ziel von Attentaten geworden ist, die der jihadistischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugerechnet werden.

Klar ist auch noch nicht, wie die vor allem individuell reisenden Fans Frankreich ansteuern werden. Das Innenministerium rechnet sowohl per Flugzeug als auch per Bahn und auf der Straße mit zahlreichen Anhängern der österreichischen Nationalmannschaft. “Mit der AUA und den ÖBB stehen wir in engem Kontakt”, sagte Marakovits. Die Fluglinie wird unter anderem größere Maschinen einsetzen und hat in Frankreich um Genehmigungen für zusätzliche Flüge angesucht. Bei den ÖBB sind Aktivitäten an den Bahnhöfen in Planung. Außerdem soll es während der EM spezielle Angebote für Bahnfahrten innerhalb Österreichs geben.

Geduld an den Grenzen ist gefragt

Wie immer die Fans nach Frankreich reisen, sie werden sich an den Grenzübergängen wohl in Geduld üben müssen. Die Experten des Innenministeriums rechnen fix damit, dass die französischen Behörden Schengen für die Dauer der EM aussetzen werden. “Das haben schon wir 2008 gemacht, und da war die Terrorgefahr zwar mitgeplant, aber von der realen Bedrohung her eher unter ferner liefen”, erläuterte Marakovits.

Dazu kommen die Fan-Ströme, die sich aus anderen Teilnehmerstaaten durch Österreich nach Frankreich bewegen könnten. Sehr wahrscheinlich ist dies für den österreichischen Gruppengegner Ungarn. Außerdem rechnen die Behörden mit Fans aus der Slowakei, Rumänien, eventuell auch aus Kroatien und Albanien. Informationen – wie viele, ob und wie gewaltbereit etc. – wollen sich die heimischen Sicherheitskräfte über Verbindungsbeamte holen, die in den jeweiligen Ländern stationiert sind. “Terror ist ein Aspekt, aber der Hooliganismus ist nicht tot”, so der Innenministeriumssprecher.

Polizei-Zusammenarbeit zwischen Österreich und Frankreich

Österreichische Polizisten mit Hoheitsbefugnis werden aller Voraussicht nach nicht in Frankreich tätig sein. Verbindungsbeamte, die für den Informationsaustausch zwischen französischer Polizei und österreichischem Innenministerium sorgen, und fanszenekundige Polizisten werden vermutlich der einzige Beitrag der heimischen Exekutive im Veranstalterland sein. “Bisher hat es keine Anforderung seitens der französischen Behörde gegeben”, betonte Marakovits. Auch um die Sicherheit des österreichischen Teams werden sich vermutlich ausschließlich französische Exekutivbeamte kümmern.

Doch hierzulande wird die Polizei ebenfalls gefordert sein. Die Cobra will den mitreisenden Fans über die Internetplattformen der Polizei und des Innenministeriums Tipps für das Verhalten im Fall eines Anschlags liefern. Dazu kommen aktuelle Informationen über konkrete Gefährdungslagen, was über Facebook verbreitet werden soll. Ob auch andere Plattformen dazu kommen, ist Marakovits zufolge noch offen.

Und nicht zuletzt gilt es, die zahlreichen Public Viewings in Österreich zu betreuen. Wie viele Beamte dafür eingesetzt werden und welche Maßnahmen dazu im Bereich der Landespolizeidirektionen notwendig sind, ist aber noch offen. “Das ist auch eine Frage der Gefährdungseinschätzung”, sagte Marakovits. Eine gute Nachricht für die Polizisten: An Urlaubssperren scheint zumindest derzeit hierzulande nicht gedacht.

(APA, Red.)

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