Sicherheit bei EM erneut im Fokus: “Es wird alles getan, um Spieler und Fans zu schützen”

Wie sicher wird die Fußball-EM 2016 in Frankreich?
Wie sicher wird die Fußball-EM 2016 in Frankreich? - © AFP PHOTO / VALERY HACHE
Nach den Terroranschlägen in Brüssel steht erneut die Sicherheit bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankriech im Fokus. Das Fußballfest wird auf jeden Fall stattfinden und “es wird alles getan, um Spieler und Fans zu schützen”.

Frankreichs Behörden wollen jedem Zweifel entgegentreten: Die EM findet statt – und es wird alles getan, um Spieler und Fans zu beschützen. Sportminister Patrick Kanner wiederholt wie ein Mantra, dass kein Sportereignis dieser Größenordnung in Frankreich jemals so stark geschützt worden sei.Paris. Steht die EM jetzt infrage?

Die Gastgeber sagen Nein. “Das wäre eine Niederlage, damit würde man den Terroristen einen Sieg geben”, sagte Premierminister Manuel Valls dem Radiosender Europe 1. Frankreich habe mit der UN-Klimakonferenz wenige Tage nach den Pariser Anschlägen bewiesen, dass es solche Großereignisse stemmen könne. “Wir wiederholen es seit mehreren Monaten, die terroristische Bedrohung war von Anfang an Teil unserer Überlegungen”, erklärte Sport-Staatssekretär Thierry Braillard der Zeitung “L’Equipe”.

EM-Spiele vor leeren Rängen?

Immer wieder wird allerdings darüber gesprochen, ob Spiele notfalls vor leeren Rängen stattfinden könnten. EM-Chef Jacques Lambert hatte Anfang März gesagt, diese Option werde nicht in Erwägung gezogen. Nun fachte UEFA-Vizepräsident Giancarlo Abete die Debatte neu an. “Das Risiko von Partien hinter verschlossenen Türen existiert immer, weil es um einen Wettbewerb geht, der um jeden Preis stattfinden soll”, sagte er nach den Brüsseler Anschlägen dem italienischen Sender Radio 24. “Man kann keine Spiele auf andere Tage verschieben, weil in einem Turnier alles davon abhängt, dass festgelegte Daten eingehalten werden.”

Sicherheitslage in Frankreich

Das Land steht noch immer unter dem Eindruck der blutigen Terroranschläge des vergangenen Jahres. Die Behörden warnen, dass die Bedrohung noch nie so hoch gewesen sei. Nach wie vor gilt der Ausnahmezustand, der den Behörden Sonderrechte verleiht. Im Alltag zeigt sich die Alarmstufe vor allem durch mehr Polizeipräsenz zum Beispiel in Bahnhöfen, in Paris auch durch die Militärpatrouillen an gefährdeten Orten wie dem Eiffelturm und strengere Kontrollen an öffentlichen Gebäuden. Ansonsten herrscht aber Normalität.

Werden die EM-Stadien zur Festung?

In jedem Fall müssen Fans Geduld mitbringen. Jeder Zuschauer soll – wie davor bereits üblich – durchsucht werden. Die Stadien sollen konsequent abgeriegelt werden. Laut einem Bericht von “L’Equipe” könnten Metalldetektoren und Drohnen genutzt werden. Die Polizei habe demnach Urlaubssperre. Die UEFA will 10.000 private Sicherheitsleute engagieren.

Einen Vorgeschmack in Sachen Sicherheit gab es beim Rugby-Spiel Anfang Februar zwischen Frankreich und Italien. Es war die erste Sportveranstaltung im Stade de France, seitdem sich am 13. November während des Fußball-Länderspiels zwischen Frankreich und Deutschland drei Selbstmordattentäter nahe des Stadions in die Luft gesprengt hatten. Fans sollten frühzeitig zum Stadion kommen, die Zahl der Polizisten wurde verdreifacht, beim Sicherheitsdienst standen statt sonst 750 etwa 900 Mitarbeiter bereit. Spürhunde und Scharfschützen wachten am Stadion.

Wie sieht es außerhalb der Stadien aus?

Dies ist nach Ansicht von Kritikern der eigentliche schwache Punkt. Sie warnen, dass vor allem die Fanmeilen, die nur schwer zu sichern sind, mögliche Anschlagsziele seien. Zu den 51 Spielen werden rund 2,5 Millionen Zuschauer in den Stadien erwartet. In den zehn Fanzonen könnten es weitere 7 Millionen sein. Die Behörden haben angekündigt, auch hier strenge Vorkehrungen zu treffen. Zugänge werden gesichert, Besucher durchsucht, die Gelände per Video überwacht. Und Innenminister Bernard Cazeneuve schließt nicht aus, Fanzonen bei Gefahr zu schließen.

In Dutzenden Übungen trainieren Sicherheitskräfte im ganzen Land für den Ernstfall – vergangene Woche simulierten sie beispielsweise in Nimes ein Attentat mit einer “schmutzigen Bombe” in einer Fanzone. “Nicht, weil es ein reales Risiko eines solchen Anschlags gibt, sondern weil wir uns aus Vorsicht auf alle Hypothesen vorbereiten müssen”, sagte Cazeneuve.

(APA/Red)

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