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Prozess um angebliche Entführung: Bulgare zu Bewährungsstrafe verurteilt

Angeklagter Bulgare wurde größtenteils entlastet
Angeklagter Bulgare wurde größtenteils entlastet ©APA
Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit von U-Haft hat ein Schwurprozess aufgeworfen, der am Dienstagabend im Wiener Straflandesgericht zu Ende gegangen ist.
Vorbericht: Prozess vertagt
"Entführung": Details zum Fall
In Wohnung gefangen gehalten

Einem 24-jährigen Bulgaren war angelastet worden, im vergangenen Herbst in der Bundeshauptstadt eine gleichaltrige Landsfrau und ihr zweijähriges Kind entführt und über mehrere Stunden in einer Wiener Wohnung festgehalten zu haben, um vom Bruder der Frau Geld zu erpressen.

Von ursprünglicher Anklage blieb nicht viel

Der Angeklagte wurde am Ende wegen Urkundenunterdrückung zu drei Monaten bedingt verurteilt. Er war seit 17. Oktober 2012 und damit fast neun Monate in U-Haft gesessen. Im Falle einer Verurteilung hätten ihm zehn bis zwanzig Jahre Haft gedroht.

Noch am Dienstagabend enthaftet

Die Anklage hatte unter anderem auf erpresserische Entführung und Vergewaltigung der Frau gelautet. Für die Mehrheit der Geschworenen hatte das Beweisverfahren das nicht bewiesen. Sie sprachen den Mann lediglich schuldig, die Reisepässe von Mutter und Tochter für sich behalten zu haben. Das Urteil ist bereits rechtskräftig, der Mann wurde noch am Dienstagabend enthaftet.

Beim Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte der Ankläger von “schrecklichen Dingen” gesprochen, die in der Wohnung passiert seien.

Was im Vorfeld des Prozesses geschah

Der Angeklagte hatte die Frau und ihren Bruder im Vorfeld der Tat am Wiener Brunnenmarkt kennengelernt und sich ihr als Chauffeur angeboten. Der 24-Jährige brachte die Mutter und ihr Kleinkind von Wien nach Bulgarien und retour. In Wien angekommen, verlangte er angeblich plötzlich mehr Geld als bei der Abfahrt vereinbart worden war, und behielt die Pässe ein. Die Frau machte mit dem Mann aus, sich am nächsten Tag in Ottakring zu treffen und dort die verlangten zusätzlichen 100 Euro gegen die Pässe einzutauschen.

Dort habe der Angeklagte jedoch die Höhe des angebotenen Geldes wieder nicht akzeptieren wollen, so der Staatsanwalt zu Beginn der Verhandlung. Er habe Mutter und Kind in seine Wohnung gebracht, die Frau geschlagen, sie vergewaltigt und ihr gedroht, sie zur Prostitution zu zwingen. Ihr Kind soll er mit dem Umbringen bedroht haben. Dem Bruder der Frau teilte er laut Anklagebehörde am Telefon mit, dass er binnen einer Stunde mehr Geld – nämlich 1.000 Euro – haben wolle.

Zweifel an Angaben des mutmaßlichen Opfers

Die Geschworenen schlossen sich mehrheitlich dem Verteidiger an, der massive Zweifel an den Angaben der Frau genährt hatte, die im Vorfeld der Hauptverhandlung im Rahmen einer kontradiktorischen Einvernahme befragt worden war. Die DVD mit dieser Einvernahme sowie die ebenfalls mitgefilmte kontradiktorische Befragung des Bruders der Frau – Filmmaterial von insgesamt fast sieben Stunden – war den Laienrichtern am Dienstag zur Gänze vorgespielt worden. (APA; red.)

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