Silvester-Mord: "War angesteuert von der Wut"

Der 21-jährige Installateur-Lehrling, der am 31. Dezember 2009 den Profi-Billardspieler Harald W. in Wien-Floridsdorf erschossen hatte, hat am Freitag in seinem Mordprozess im Straflandesgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt.
17-Jährige verurteilt
Verlobte vor Gericht
Prozessauftakt
Der nur 1,63 Meter große und schmächtige Alexander W., der in seinem Sakko recht verloren wirkte, schilderte ohne merkbare emotionelle Bewegung die Planung und Umsetzung der inkriminierten Bluttat: “Bei mir hat sich der Verstand nach hinten verabschiedet. Ich war nur mehr angesteuert von der Wut.”

Ausgangspunkt des Silvestermordes: Angebliche Vergewaltigung

Ausgangspunkt des “fast perfekten Verbrechens”  war eine Nacht im Mai 2009, die die 20-jährige Verlobte des Burschen nicht in der gemeinsamen Wohnung verbracht hatte. Sie schlief nach einem längeren Lokalbesuch in der Wohnung eines Bekannten, wobei in dieser mit Harald W. ein zweiter Mann übernachtete.

Am nächsten Tag erklärte das Mädchen ihrem Lebensgefährten auf seinen Vorhalt, ob sie ihn “betrogen” habe, sie könne sich an nichts mehr erinnern. Alexander W. ging daraufhin davon aus, dass die älteren Männer seiner Partnerin K.o.-Tropfen in ein Getränk gegeben und sich an ihr vergangen hatten. “Sie hat mir erzählt, dass ihr Tanga nass gewesen ist“, berichtete der 21-Jährige nun dem Schwurgericht.

Angeklagter glaubte an Vergewaltigung

Obwohl das Mädchen keine rechtlichen Schritte gegen die beiden Männer einleiten wollte, bestand Alexander W. auf einer behördlichen Verfolgung. Für ihn war erwiesen, dass seine Freundin Opfer einer Vergewaltigung geworden war.

Möglicherweise hatte das mehr mit seiner angstbesetzten Fantasie als der Realität zu tun. Denn Alexander W. hatte der 20-Jährigen etwa verboten, ins Freibad zu gehen, weil andere Männer sie nicht im Bikini sehen sollten. Auch tätowieren durfte sie sich nicht lassen, weil kein Mann ihrer nackten Haut nahe kommen sollte.

Strafverfahren gegen Harald W. wurde eingestellt

Als die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen Harald W. und den zweiten Verdächtigen endgültig einstellte, weil das angebliche Opfer widersprüchliche Angaben lieferte bzw. Erinnerungslücken geltend machte und sich kein einziger Sachbeweis fand, “hatte mein Mandant das Gefühl, ich als Kleiner kann mich nicht wehren und hab’ meine Freundin nicht beschützen können“, führte nun Verteidiger Rudolf Mayer ins Treffen. In “affenartiger Liebe” zu seiner Verlobten habe sich Alexander W. daher entschlossen, “das Recht in seine Hand zu nehmen“.

Dabei kam ihm zu Hilfe, dass auf dem staatsanwaltschaftlichen Einstellungsbeschluss Name, Anschrift und Telefonnummer des Billard-Spielers angegeben waren, der von der Justiz als Erstbeschuldigter geführt worden war.

Monatelange Planung des Silvester-Mordes

Am Anfang war die Idee, ihm etwas anzutun, dass er auch Schmerzen erleidet“, erklärte Alexander W., weshalb er die angebliche Vergewaltigung seiner Freundin rächen wollte. “Es gibt nichts Schlimmeres, was man einer Frau antun kann. Das ist wie Mord an der Seele einer Frau“, sagte der 21-Jährige. Die Idee, Harald W. umzubringen, sei “über Monate hinweg entstanden“. ”Man sitzt da und denkt sich, das kann nicht sein, dass die so einfach davonkommen.” Die Gedanken hätten “eine Eigendynamik bekommen“, stellte der Angeklagte fest: “Ich wollt’ eine Pistole, weil es kurz und schmerzlos ist.”

 

Opfer auf Veterinärmedizinische Uni-Klinik obduziert

Die Amtsärztin, die als erste die Leiche zu sehen bekam, vermutete, im Mund des Mannes wäre ein Feuerwerkskörper explodiert. Da es Ende 2009 in Wien kein gerichtsmedizinisches Institut mehr gab, konnte nicht umgehend eine Obduktion durchgeführt werden. Das Spital, in den die Leiche gebracht wurde, weigerte sich nämlich, ein Röntgen durchzuführen.
Der Tote musste somit auf die Veterinärmedizinische Uni-Klinik gebracht werden, wo die Leichenöffnung durchgeführt werden konnte. Dabei fand sich im Dünndarm das tödliche Projektil. Dass Harald W. von fremder Hand getötet worden war, wurde klar, als an seinen Händen keine Schmauchspuren festgestellt werden konnten.
 

Opfer starb schmerzhaft

Das Projektil war dem Mann in den Mund gedrungen, gegen die Wirbelsäule geprallt und vom Opfer verschluckt worden. Dem nur mit einem Frotteebademantel Bekleideten gelang es noch, auf die Straße zu wanken, wo er mit seiner klaffenden Wunde von außen gegen eine Lokalscheibe klopfte und verzweifelt versuchte, sich zu artikulieren.

Da das Projektil aber nicht nur sieben Zähne zerschmettert, sondern auch Zunge und Kehlkopf zerfetzt hatte, konnte sich Harald W. nicht mehr verständlich machen. Er erlag schließlich im Notarztwagen seinem massiven Blutverlust. Wie Missliwetz darlegte, dürften von der Schussabgabe bis zum Todeseintritt zehn bis 15 Minuten verstrichen sein.

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