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Nationalratswahl 2019: Die Spitzenkandidaten im Kurzporträt

Die Spitzenkandidaten der Nationalratswahl 2019 im Kurzporträt.
Die Spitzenkandidaten der Nationalratswahl 2019 im Kurzporträt. ©APA
Nach der letzten Nationalratswahl werden rund zwei Jahre später im Herbst 2019 neue Spitzenkandidaten an den Start gehen. Die Spitzenkandidaten der Parteien im Kurzporträt.
Norbert Hofer (FPÖ) im Porträt
Beate Meinl-Reisinger (NEOS) im Porträt
Werner Kogler (Grüne) im Porträt
Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) im Porträt
Sebastian Kurz (ÖVP) im Porträt

Nur Sebastian Kurz (ÖVP) und Peter Pilz (JETZT) waren schon bei der Nationalratswahl 2017 dabei. SPÖ, NEOS und Grüne haben ihre Parteichefs ausgetauscht, die FPÖ musste nach "Ibizagate" einen neuen küren. Auch die KPÖ hat einen neuen Listenersten und "Wandel" ist erstmals dabei.

Die Spitzenkandidaten der Nationalratswahl 2019 im Kurzporträt:

ÖVP: SEBASTIAN KURZ

APA/HANS PUNZ

Sebastian Kurz (32) zieht in die Wahl, um den 2017 eroberten ersten Platz der ÖVP zu verteidigen. Die Neuwahl hat (wie schon 2017) er selbst ausgerufen, diesmal nach nur eineinhalb Jahren angesichts des "Ibiza-Videos" mit FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Den Kanzlerposten verlor er durch den ersten erfolgreichen Misstrauensantrag der Zweiten Republik. Seine Popularität schmälerte dies nicht, die Umfragewerte der ÖVP blieben hoch - und so kann Kurz hoffen, die Karriere als jüngster Kanzler fortzusetzen und vielleicht auch die türkis-blaue Koalition. Unter den Spitzenkandidaten ist er wieder der mit Abstand jüngste.

Dennoch hat der am 27. August 1986 geborene Wiener bereits eine steile Polit-Karriere hingelegt: Schon als Schüler zeigte er Interesse an der Mitarbeit in der Jungen Volkspartei, 2008 wurde er Obmann der Wiener JVP, 2009 der Bundes-JVP. Gefördert von Johannes Hahn kam er 2010 in den Wiener Landtag. Schon ein Jahr später holte ihn Neo-ÖVP-Chef Michael Spindelegger ins neue Integrationsstaatssekretariat. Nach der nächsten Wahl stieg er zum Außenminister auf. Im Mai 2017 löste er Reinhold Mitterlehner als ÖVP-Chef ab, kündigte die Koalition mit der SPÖ auf, rief die Wahl aus und bescherte der von ihm türkis eingefärbten ÖVP einen strahlenden Sieg. Mit einem satten Plus landete die ÖVP weit vor der SPÖ - und es reichte locker für die von Kurz angestrebte Koalition mit der FPÖ. Auch die "Ibizagate"-Wahl dürfte der ÖVP wieder Zuwachs bringen. Eine Messlatte liegt jedoch recht hoch: Schwarz-Blau-Kanzler Wolfgang Schüssel schaffte bei der Neuwahl 2002 42,30 Prozent.

SPÖ: PAMELA RENDI-WAGNER

APA/LUKAS HUTER

Die SPÖ geht erstmals mit einer Frau, Pamela Rendi-Wagner (48), an der Spitze in eine Nationalratswahl - und zwar eine der schwierigsten. Die Sozialdemokraten müssen sich darauf einstellen, erstmals nach 53 Jahren zum zweiten Mal hintereinander nur Zweite zu werden. So war denn auch Rendi-Wagners Kür im vergangenen Dezember eher aus der Not geboren. Parteichef Christian Kern schmiss damals seinen Posten - zu diesem Zeitpunkt, mehr als ein Jahr nach der Wahlschlappe 2017 - überraschend hin. Alle anderen Kandidaten wollten nicht, also blieb nur Rendi-Wagner über, die kaum der Partei beigetreten war, aber nach Meinung der Sozialdemokraten in ihrer kurzen Zeit als Gesundheitsministerin Potenzial für Höheres erkennen hat lassen.

Die 48-jährige Wienerin stammt eigentlich aus eher finanzschwachen Verhältnissen, hat aber eine Muster-Karriere hingelegt. Nach flott absolviertem Medizinstudium arbeitete die Impfexpertin unter anderem an der Med-Uni Wien sowie an der Universität Tel Aviv. Ab 2011 war die Mutter von zwei Töchtern Sektionschefin und Generaldirektorin für die öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium. Im März 2017 stieg sie zur Ressortchefin auf. Mit der Bildung der türkis-blauen Regierung wechselte sie in den Nationalrat, seit September des Vorjahres war Rendi-Wagner zunächst geschäftsführend und ist seit Dezember gewählt Vorsitzende der SPÖ.

FPÖ: NORBERT HOFER

APA/HANS PUNZ

Ziemlich sicher ein Minus wird Norbert Hofer (48) in seiner ersten Wahl als FPÖ-Chef und Spitzenkandidat einfahren. Verantworten wird er es freilich nicht müssen: Denn die Neuwahl wurde durch das "Ibizagate" seines Vorgängers Heinz-Christian Strache ausgelöst. Dieser hatte 2017 noch fast 26 Prozent geschafft. Aber angesichts des politischen Erdbebens, das die korruptions-geneigten Äußerungen Straches in dem im Mai aufgetauchten Lockvogel-Video auslösten, scheint selbst Hofers Wahlziel von "deutlich mehr als 20 Prozent" recht ehrgeizig. Und der neue Parteichef will jedenfalls die Koalition mit der ÖVP fortsetzen. Da könnte die "Good guy-Bad guy"-Strategie der FPÖ - der bei der ÖVP in Ungnade gefallene Herbert Kickl ist Listenzweiter und will unbedingt wieder Innenminister werden - freilich zum Problem werden. Aber Hofer gibt sich unbeeindruckt von den aufbrechenden türkis-blauen Querelen weiter als das verbindlich-freundliche Gesicht der FPÖ. Dies brachte den seriös-bieder auftretenden Burgenländer 2016 schon in die Bundespräsidenten-Stichwahl. Kandidiert hatte er auf Wunsch Straches, dem er stets treu gefolgt war - und dessen logischer Nachfolger der Kurzzeit-Infrastrukturminister dank der damals gewonnenen Popularität war.

Von Beruf ist der am 2. März 1971 geborene Hofer Flugzeugtechniker, großes Hobby des in zweiter Ehe verheirateten vierfachen Vaters ist bis heute das Fliegen. Politisch startete er im Burgenland - wo er vom Stadtparteiobmann von Eisenstadt (1995) zum Landesparteisekretär (1996) aufstieg, 1997 wurde er Gemeinderat in Eisenstadt. Bei der Abspaltung des BZÖ blieb der burgenländische Hoffnungsträger bei der FPÖ und half führend bei deren Wiederauferstehung mit. Er wurde 2005 stelllvertretender Parteichef neben Strache, 2006 zog er in den Nationalrat ein - und war dort, selbst nach einem Unfall beeinträchtigt, Behindertensprecher der FPÖ. Im Oktober 2013 avancierte er zum Dritten Nationalratspräsidenten. 2017 wurde er Infrastrukturminister der türkis-blauen Regierung - und hielt als Regierungskoordinator gute Kontakte zur ÖVP aufrecht.

NEOS: BEATE MEINL-REISINGER

APA/HANS PUNZ

Die pinke Chefin Beate Meinl-Reisinger muss bei der Nationalratswahl 2019 zeigen, dass die NEOS auch ohne Matthias Strolz überlebensfähig sind. Das hinter den Erwartungen gebliebene Ergebnis bei der EU-Wahl von 8,4 Prozent konnte noch nicht ganz überzeugen. Dass sie bei Wahlen reüssieren kann, hat die Mutter von drei Töchtern schon bewiesen. Trotz einer für die NEOS ungünstigen Stimmungslage führte sie die Partei 2015 sicher in den Wiener Landtag. Das Ergebnis bei der vergangenen Nationalratswahl, als sie die Landesliste anführte, war freilich eher durchwachsen.

An ihrem Selbstbewusstsein geknabbert hat das nicht. Die 41-jährige studierte Juristin gilt als forsch und ist mittlerweile für ihre kämpferischen Auftritte bekannt. Das politische Geschäft lernte sie wie viele Pinke bei der ÖVP. Unter anderem assistierte sie Othmar Karas im EU-Parlament und war Mitglied des Kabinetts von Familienstaatssekretärin Christine Marek (ÖVP). Doch die Volkspartei wurde Meinl-Reisinger wie eben auch Strolz zu eng. Meinl-Reisinger war an der Seite von Strolz eine der Mitbegründerinnen von NEOS. So verwunderte es auch nicht, dass sie im Mai 2018 das Ruder übernahm, als sich Strolz überraschend zurückzog. Dass sie wenig später ungeplant schwanger wurde und sich nach der Geburt nur wenige Wochen Auszeit nahm, um laut wie je und eh zurückzukehren, passt nur zu gut ins Bild der streitbaren Wienerin.

GRÜNE: WERNER KOGLER

APA/HERBERT NEUBAUER

Kaum hat er die EU-Wahl geschlagen, findet sich Werner Kogler (57) erneut in der Rolle des Spitzenkandidaten wieder. Denn die Wahl im Mai absolvierte der nach dem Desaster 2017 als Parteichef eingesprungene Steirer höchst erfolgreich: Die Grünen konnten das Rekordergebnis aus 2014 halten - und somit war ihr Comeback eingeläutet. Die Latte für die Nationalratswahl 2019 legte Kogler mit dem Wiedereinzug (für den vier Prozent reichen) bescheiden niedrig. Dabei kann er laut den Umfragen durchaus hoffen, nach dem 2017er-Minus von 8,6 Punkten jetzt wieder in Nähe der 12,4 Prozent zu landen, die die Grünen 2013 geschafft hatten - zumal das hochaktuelle Thema Klimaschutz Kernkompetenz der Ökopartei ist.

Der am 20. November 1961 in Hartberg geborene Kogler - ein Magister der Volkswirtschaft - ist Grünes Urgestein. In den 1980er-Jahren war er Gründungsmitglied der steirischen Partei, bis 2014 ihr Landessprecher - und saß zuvor schon von 1985 bis 1988 im Grazer Gemeinderat. 1999 zog er in den Nationalrat ein, war Leiter des Rechnungshofausschusses, Budget- und Finanzsprecher, stellvertretender Klubchef unter Eva Glawischnig - und fiel nicht nur mit langen Reden (2010 filibusterte er fast 13 Stunden lang) und Sachkenntnis, sondern auch als Aufdecker u.a. in der Causa Hypo auf. Nach dem Debakel 2017 sanierte er die grüne Bundespartei, seit November 2018 ist er Bundessprecher.

JETZT: PETER PILZ

APA/HELMUT FOHRINGER

Peter Pilz (65), ebenfalls Grünes Urgestein, macht mit seiner Liste JETZT seiner Ex-Partei auch heuer wieder Konkurrenz. Den Umfragen nach allerdings nicht so erfolgreich wie 2017, wo es die ganz neu gegründete Partei in den Nationalrat schaffte, während die Grünen rausflogen. Mit denen hatte sich Pilz im Zuge der Listenwahl überworfen. Bekannt als "der Aufdecker" schaffte er es, mit seiner neuen Partei im Nationalrat zu bleiben - dem der am 22. Jänner 1954 in Kapfenberg geborene Steirer seit 1986 angehört hatte, unterbrochen nur durch seine "Wiener Jahre" von 1991 bis 1999. Gleich nach dem Erfolg mit seiner neuen Partei bekam Pilz' Image jedoch einen Kratzer - durch Anschuldigungen bezüglich sexueller Belästigung. Auch sein Nationalrats-Comeback nach Einstellung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft brachte nicht mehr den alten Glanz zurück, auch wenn sich der 65-jährige Kapfenberger in den U-Ausschüssen erneut publikumswirksam ins Rampenlicht spielen konnte.

Dem Doktor der Wirtschaftswissenschaften liegt die Politik jedenfalls im Blut. Begonnen hatte alles bei den SP-Studenten, wo er rausgeschmissen wurde, sowie bei der Gruppe Revolutionärer Marxisten. Danach gehörte er zur Gründer-Generation der Grünen. Jetzige Bemühungen des verheirateten Pilz um eine Annäherung mit seiner Ex-Partei scheiterten. Ein Wiedereinzug seiner Bewegung gilt als äußerst fraglich, in den Umfragen liegt die Liste eher am unteren Bereich der Wahrnehmungsschwelle.

KPÖ: IVO HAJNAL

APA/ROLAND SCHLAGER

Der Sprachwissenschafter Ivo Hajnal (58), der die KPÖ heuer in die Wahl führt, hat sich früher ebenfalls in der SPÖ politisch engagiert. 2017 gründete er die "links-progressive" Alternative Liste Innsbruck (ALI) - jetzt Teil der KPÖ PLUS-Wahlplattform "Wir können". Beruflich lehrt und forscht der am 11. Mai 1961 in Zürich geborene Hajnal an der Uni Innsbruck. Zuvor an den Unis in Berlin und Münster tätig, zog der Professor 2001 nach Tirol. Seit 2005 ist er auch Vorsitzender des Senats der Uni Innsbruck. Der Sprachwissenschafter befasst sich u.a. mit vorderasiatischen und ägäischen Sprachen der Bronzezeit - aber auch mit dem Sprachgebrauch in der Unternehmenskommunikation und im Corporate Publishing.

WANDEL: FAYAD MULLA

Sieben Jahre nach der Gründung des "Wandels" haben es Parteichef Fayad Mulla und seine Mitstreiter heuer erstmals geschafft: Ihre "Alternative zum neoliberalen Wahn" steht österreichweit auf den Stimmzetteln bei der Nationalratswahl 2019. Mulla (38), Sohn einer Steirerin und eines Syrers, wurde am 19. Dezember 1980 in St. Veit an der Glan geboren. Er studierte Internationalen Entwicklung und war in einer Reihe von Hilfsorganisationen tätig: Im Österreichischen Komitee für Kurdenhilfe, dann bei der Wiener Tafel, als IT-Projektmanager bei SOS-Kinderdorf und zuletzt als Regionalleiter bei der Caritas Wien für Notunterkünfte für Menschen auf der Flucht zuständig. 2012 gründete er die links-progressive Partei WANDEL. 2013 holte sie bei der Nationalratswahl in Oberösterreich und Wien 3.051 Stimmen bzw. 0,07 Prozent. Bei der EU-Wahl 2014 ging WANDEL u.a. mit KPÖ und Piraten die - mit 2,14 Prozent recht erfolgreiche - Wahlallianz "Europa Anders" ein.

Alle Infos zur Nationalratswahl 2019

(APA/Red)

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