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Nahost-Experte: Anschlag in Wien vielleicht nur mit IS-Label

Der Attentäter war als IS-Sympatisant bereits polizeibekannt.
Der Attentäter war als IS-Sympatisant bereits polizeibekannt. ©APA/HANS PUNZ
Laut Politologe und Nahost-Experte Thomas Schmidinger könnte es sich in Wien um eine selbstorganisierte Tat unter IS-Label gehandelt haben. Die Namensnennung durch die Behörden hält er für einen Fehler.
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Der gestern bei der Ausübung eines Terroranschlages in Wien getötete Attentäter habe den Anschlag möglicherweise nur unter einem "IS-Label", also im Namen des Islamischen Staats begangen, aber selbst organisiert und durchgeführt. Darauf deute nach dem ihm bisher bekannten Ermittlungsstand einiges hin, etwa die Bewaffnung, sagte der Nahost-Experte und Politologe Thomas Schmidinger am Dienstag zur APA.

Der Attentäter sei mit einem Gewehr und der Attrappe eines Sprengstoffgürtels ausgestattet gewesen. Ein Gewehr könne man sich in Wien durchaus illegal beschaffen. "Wenn das ein Einzeltäter war, dann bräuchte er für so einen Angriff nicht notwendigerweise die logistische Unterstützung einer Organisation", meint Schmidinger. Es könne daher durchaus sein, dass der Täter ideologisch mit dem IS übereinstimme und die Tat von ihm selber ausgegangen sei.

IS-Label für selbstorganisierte Anschläge genutzt

Natürlich gebe es eine Organisation des IS, die immer noch existiere, obwohl der Staatsbildungsprozess im Nahen Osten gescheitert sei. Aber es gebe eben auch Personen, die mit der Ideologie übereinstimmen und nun das IS-Label nutzen für selbstorganisierte Anschläge, und in diesem Fall spreche einiges dafür. "Es deutet einiges darauf hin, dass das nicht in der Zentrale des IS beschlossen wurde, sondern der Grund, dass Wien das Angriffsziel war, darin begründet ist, dass der Attentäter in Wien gelebt hat und ein in Wien sozialisierter Jihadist ist." Es könnte aber auch eine Mischform gewesen sein, nämlich dass der Attentäter über die sozialen Medien mit dem IS in Kontakt stand. Für eine endgültige Beurteilung sei es aber noch zu früh.

Überrascht, dass in Wien nun ein Terroranschlag verübt worden sei, ist Schmidinger nicht. Er habe immer gesagt, selbstverständlich könne auch in Wien ein jihadistischer Anschlag geschehen, genauso wie in allen anderen Großstädten, es müsse aber nicht zwangsläufig so sein. "Wir hatten bisher Glück, weil alle bisherigen Anschlagspläne in einem sehr frühen Stadium vereitelt worden sind." In diesem Fall sei offenbar etwas "übersehen" worden, denn der Täter sei schon einschlägig aufgefallen und sogar schon wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt worden. Der Mann sei also den Behörden schon bekannt gewesen.

Namensnennung laut Schmidinger "Fehler"

Dass die österreichischen Behörden heute den vollen Namen des Attentäters genannt haben, halte er für einen "Fehler", sagte Schmidinger. Er selber nenne den Namen bewusst nicht in der breiteren Öffentlichkeit. "Ich würde den Namen in den Medien nicht nennen, weil es der Selbstinszenierung des Mörders dient. Daher würde ich den Namen nicht verbreiten."

"Terrorismus ist immer auch eine Kommunikationsstrategie", erläutert Schmidinger, und über den politischen Erfolg dieser Kommunikationsstrategie entscheide ganz stark der Resonanzraum, die Gesellschaft, die Politik, die Medien, die Öffentlichkeit, letztlich die Gesamtgesellschaft. Ziel des Terrorismus sei es, Angst und Schrecken zu verursachen und eine Gegenreaktion hervorzurufen. "Wenn man dieses Ansinnen vereiteln will, dann muss man in Ruhe, Entschiedenheit, aber ohne selbst wiederum Ressentiments zu streuen, die bestehende demokratische pluralistische Gesellschaft verteidigen."

Keine Panik und Angst zulassen

Und man müsse versuchen, den jetzt verängstigten Menschen Angebote zu machen, diese Angst zu bearbeiten und darüber auch zu reden. "Das schlimmste wäre, wenn wir jetzt in Panik und Angst und Schrecken verfallen würden, und wenn wir in Hetze gegen Muslime an sich verfallen würden. Das wäre genau das, was dem Jihadismus des Islamischen Staats am meisten nützen würde, wenn sich das zwischen antimuslimischem Rassismus und Jihadismus gegenseitig aufschaukelt." Denn der IS und andere islamistische und jihadistische Gruppen arbeiten sehr stark mit den antimuslimischen Ressentiments in der Gesellschaft, und mobilisieren damit die eigene Anhängerschaft, warnt Schmidinger.

(APA/red)

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