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Anschlag in Wien: Was man bisher weiß

Die Wiener Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tätern.
Die Wiener Polizei fahndet mit Hochdruck nach den Tätern. ©APA/ROLAND SCHLAGER
In der Wiener Innenstadt kam es am Montagabend zu einem Großeinsatz der Polizei, nachdem mehrere Schüsse im Bereich des Schwedenplatzes gefallen sind. Es gibt Tote und Verletzte. Was man bislang zum Anschlag in Wien weiß.
Tatorte in der Innenstadt
Anschlag in Wien: Live-Blog
Toter und mehrere Verletzte
Nehammer geht von Terroranschlag aus
Bilder des Großeinsatzes

Am 2. November gegen 20.00 Uhr sind bei der Wiener Polizei zahlreiche Notrufe nach Schüssen im Bereich der Seitenstettengasse in der Innenstadt eingegangen. Es wurde ein Angriff auf die dortige Synagoge vermutet.

IS-Terrormiliz reklamierte Attacke für sich

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag in Wien mit vier Todesopfern und 22 teils schwer Verletzen für sich reklamiert. Ein "Soldat des Kalifats" habe die Attacke mit Schusswaffen und einem Messer verübt und am Montagabend in der Innenstadt rund 30 Menschen getötet oder verletzt, darunter auch Polizisten, teilte der IS am Dienstag auf seiner Plattform Nashir News mit.

Auch aus einer IS-Erklärung auf dem Messaging-Dienst Telegram ging am Dienstagabend das Bekenntnis der extremistischen Organisation hervor. Hinweise zur Untermauerung der Erklärung gab es allerdings nicht.

Innenministerium überprüft IS-Bekennerschreiben

Nachdem die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Anschlag in Wien mit vier Todesopfern und 22 teils schwer Verletzen für sich reklamiert hat, überprüft das Innenministerium das Bekennerschreiben. Es könne noch nicht gesagt werden, ob es echt ist oder nicht, hieß es gegenüber der APA.

Anschlag in Wien forderte vier Menschenleben, auch ein Täter tot

Bei dem Anschlag in der Wiener Innenstadt sind fünf Menschen ums Leben gekommen. Vier davon sind Opfer, bei ihnen handelt es sich um einen 39-jährigen Österreicher sowie eine 44-jährige Österreicherin und zwei ausländische Staatsbürger - eine 24-jährige Deutsche und einen 21-jährigen Mazedonier. Der fünfte Tote ist ein Attentäter, der mittlerweile identifiziert wurde. 22 Personen wurden verletzt, 14 davon schwer, akute Lebensgefahr herrsche aber bei keinem der Patienten mehr. Der Zustand eines angeschossenen Polizisten wurde als kritisch, aber stabil.

Sieben Opfer kamen mit leichteren Blessuren davon. Die Personen erlitten nicht nur Schussverletzungen, einige Opfer wiesen Stich- und Schnittverletzungen auf. Dazu kamen typische Fluchtverletzungen wie Knochenbrüche und Rissquetschwunden.

Schütze nach neun Minuten "neutralisiert", Ein-Täter-Theorie bestätigt

Der Wiener Terroranschlag dürfte nur durch den einen - erschossenen - Täter erfolgt sein. Die mehr als 20.000 der Polizei übermittelten Videos seien fertig ausgewertet, die Ein-Täter-Theorie habe sich dadurch bestätigt, sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) Mittwoch in einer Pressekonferenz. Die erhöhte Sicherheitsstufe für Wien bleibt dennoch aufrecht, erfuhr die APA im Innenministerium.

Die Polizei hatte mehr als ein Terabyte an Daten von dem Anschlag in der Wiener Innenstadt am Montagabend auszuwerten. Für die Übermittelung der Videos war ein eigener Upload eingerichtet worden.

Laut dem Wiener Landespolizeipräsidenten Gerhard Pürstl wurde der Angreifer um 20.09 Uhr von Beamten der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) in der Nähe der Ruprechtskirche "neutralisiert".

Attentäter war 20 und wollte sich Terror-Miliz "IS" anschließen

Der Attentäter war 20 Jahre alt, hatte nordmazedonische Wurzeln und war einschlägig wegen terroristischer Vereinigung (§ 278b StGB) vorbestraft. Er besaß neben der österreichischen auch die nordmazedonische Staatsbürgerschaft.

Wie Karl Nehammer betonte, hat es sich beim erschossenen Attentäter mit dem Namen Kujtim Fejzulai zweifelsfrei um einen Anhänger der radikalislamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) gehandelt. Er wurde am 25. April 2019 zu 22 Monaten Haft verurteilt, weil er versucht hatte, nach Syrien auszureisen, um sich dort dem IS anzuschließen.

Am 5. Dezember wurde er vorzeitig bedingt entlassen - er galt als junger Erwachsener und fiel damit unter die Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes (JGG).

Staatsbürgerschaft-Aberkennungsverfahren gescheitert

Nach seiner rechtskräftigen Verurteilung als IS-Terrorist wurde gegen Kujtim F. ein Verfahren zur Aberkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft eingeleitet. Der Mann mit albanischen Wurzeln - er wurde in Österreich geboren - besaß neben der österreichischen auch die nordmazedonische Staatsbürgerschaft. Das Aberkennungsverfahren sei laut Nehammer allerdings im Sand verlaufen.

Nach Ansicht der zuständigen Wiener Behörde habe es "zu wenig Hinweise auf aktives Tun" in Richtung einer terroristischer Betätigung gegeben, erläuterte Nehammer. Der 20-Jährige dürfte es überzeugend geschafft haben, den Behörden, die mit ihm zu tun hatten, nach seiner Haftentlassung vorzumachen, er wäre geläutert. Termine beim Bewährungshelfer und Derad soll er stets brav eingehalten haben, er dürfte seitens des Verfassungsschutzes auch nicht als besonderer Gefährder gegolten haben.

Deshalb stand er auch nicht mehr unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. "Es gibt niemals einen absoluten Anspruch auf Sicherheit" und "keine absolute Sicherheit, eine Person richtig einschätzen zu können", konstatierte der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl.

Vor Blutbad in Wien martialisches Foto auf Instagram veröffentlicht

Am Dienstagvormittag bestätigte der Innenminister, dass Kujtim F. vor dem Anschlag auf seinem Instagram-Account ein Foto gepostet hatte, das ihn mit zwei Waffen zeigte, die er später bei dem Anschlag verwendet haben dürfte.

Unklar war vorerst, ob der 20-Jährige auch einen Treueeid auf den "Islamischen Staat" (IS) veröffentlicht und nur Stunden vor der Tat Bekannten Videos von dem Attentat auf die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" weitergeleitet hatte. Letzteres hatte zunächst die "Bild Zeitung" berichtet.

Wohnung des Attentäters wurde durchsucht

Der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, berichtete, dass noch in der Nacht auf Dienstag die Wohnung des 20-Jährigen mit Sprengstoff geöffnet wurde und eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde.

Laut Karl Nehammer haben auch umfangreiche Großrazzien im Umfeld des Täters stattgefunden. Konkret wurden 18 Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich vorgenommen und dabei 14 Personen festgenommen.

Bereits 15 Personen festgenommen

Nach dem Terroranschlag in Wien ist eine 15. Person festgenommen worden. Das sagte Karl Nehammer bei seiner Rede bei der Nationalratssondersitzung am Donnerstag. Das Innenministerium bestätigte, dass es mittlerweile 15 Festnahmen im Zusammenhang mit dem Anschlag in Wien gab.

Acht Verdächtige bereits zuvor verurteilt

Acht der 15 nach dem Terroranschlag in Wien Festgenommenen sind bereits wegen diverser Straftaten verurteilt worden. Wie der Innenminister bei einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte, wurden vier von ihnen wegen terroristischer Straftaten, zwei wegen unterschiedlicher Gewaltdelikten und zwei wegen eines versuchten Ehrenmordes in Linz verurteilt.

Laut dem Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, bekamen die beiden Männer, die wegen des versuchten Ehrenmordes verurteilt worden waren, hohe Haftstrafen. Einer wurde 2012 zu zehn Jahren Haft verurteilt und 2017 entlassen. Der andere zu fünf Jahren und sechs Monaten. Er wurde 2015 entlassen.

Es sei gelungen, den (von Beamten erschossenen) Täter nach nur vier Stunden zu identifizieren, so Nehammer. Durch die rasche Identifizierung und akribische Ermittlungsarbeit seien schnell die Hausdurchsuchungen in selber Nacht erfolgt, sagte der Minister.

Zwei Festnahmen und Hausdurchsuchungen in St. Pölten

Im Zusammenhang mit dem Anschlag in Wien sind am Dienstag in St. Pölten zwei Festnahmen erfolgt. Ein Polizeisprecher bestätigte zudem, dass in der niederösterreichischen Landeshauptstadt zwei Hausdurchsuchungen durchgeführt worden seien.

Der "Kurier" berichtete online, dass Kontaktadressen des mutmaßlichen Attentäters in der Fuhrmannsgasse und in der Propst Führer-Straße "von Spezialkräften auf den Kopf gestellt" worden seien. Schwer bewaffnete Beamte der Cobra hätten gemeinsam mit dem Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) die Räumlichkeiten durchsucht.

Festnahme durch Cobra in Linz

Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) bestätigte in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz eine Hausdurchsuchung und eine Festnahme in Linz. Die Festnahme sei auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wien durch ein Cobra-Kommando in Linz "ohne großes Aufsehen" vollzogen worden, berichtete Landespolizeidirektor Andreas Pilsl. Die Einvernahmen seien am Laufen.

Slowakische Polizei soll vor Wiener Attentäter gewarnt haben

Wie die slowakische Polizei am Mittwoch in einem Facebook-Posting bestätigte, soll der 20-Jährige im Sommer versucht haben, dort Munition zu kaufen. Der Versuch sei gescheitert. Unmittelbar danach wurden aber laut der slowakischen Polizei die österreichischen Kollegen informiert. Ein Sprecher des Innenministeriums hatte dies am Dienstagabend gegenüber der Süddeutschen Zeitung bestätigt.

Der "Kurier" berichtete am Mittwoch online, dass das Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LTV) den Hinweis im Oktober erhielt. Der 20-Jährige soll bei seiner Fahrt in die Slowakei außerdem von einem weiteren Mann begleitet worden sein. Laut "Süddeutscher Zeitung" wurde für die Reise offenbar ein Auto verwendet, das auf die Mutter eines der Polizei bekannten Islamisten angemeldet ist.

Bei der Justiz ist kein Hinweis über den versuchten Munitionskauf eingegangen. Dies erklärte die Leiterin der Sektion Einzelstrafsachen im Justizministerium, Barbara Göth-Flemmich, am Mittwoch gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal. Wenn man darüber eine Meldung erhalten hätte, wäre das ein Grund gewesen, den Mann wieder in Haft zu nehmen, so Göth-Flemmich. Bei der erfolgten bedingten Entlassung sei nämlich vom Gericht vorgesehen worden, dass der 20-Jährige drei Jahre unter Beobachtung stehen soll. Nach der Entlassung sei das Innenministerium darüber informiert worden.

Wie Nina Bussek, Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft, erklärte, sei der Journalstaatsanwalt erst in der in der Nacht des Anschlags informiert worden, dass es im Juli einen Kaufversuch gegeben habe. Im Vorfeld habe man davon nichts gewusst.

Zwei Ermittlungsstränge führen ins Ausland

Neben der Schweiz führt einer der Ermittlungsstränge "mit unmittelbarem Täterbezug" in ein weiteres Land. Dort würden derzeit polizeiliche Maßnahmen laufen. Um welches sich dabei handelt, blieb vorerst offen.

Zudem seien zwei Beamte von Europol für Wien abgestellt worden. Sie würden die hiesigen Behörden bei der internationalen Zusammenarbeit unterstützen.

Ausgangspunkt Seitenstettengasse und weitere fünf Orte

Der Anschlag hat am 2. November gegen 20.00 Uhr in der Seitenstettengasse seinen Anfang genommen. Dort fielen erste Schüsse, in unmittelbarer Nähe der Synagoge. In einem "zeitlichen Zusammenhang", so die Polizei, gab es dann Vorfälle an weiteren fünf Innenstadtorten, alle in räumlicher Nähe zum Ausgangspunkt.

Die weiteren Orte waren nach Angaben von Harald Sörös, Sprecher des Innenministeriums, der Morzinplatz, das Salzgries, der Fleischmarkt, der Bauernmarkt und der Graben.

Drei Tatorte mittlerweile gesichert

Das Innenministerium hat präzisiert, an welchen Orten der Attentäter Kujtim F. am Montagabend auf seine Opfer geschossen hat. Demnach verletzte er eine in einem bekannten Lokal beschäftigte Kellnerin am Ruprechtsplatz 1 tödlich. An derselben Adresse wurde der 20-Jährige später von Polizeikräften erschossen.

Neben dem Tatort vor der Ruprechtskirche konnten mittlerweile zwei weitere tödliche Schussabgaben rekonstruiert werden. Ein Opfer wurde demnach an der Adresse Fleischmarkt 4 getötet, ein weiteres am Franz Josefs Kai 21. Auf den schwer verletzten 28-jährigen Polizisten feuerte der Terrorist am Franz Josefs Kai 29. Der genaue zeitliche Ablauf war Dienstagmittag noch nicht geklärt

Wiener Innenstadt nach Anschlag wieder mit Öffis erreichbar

Die Wiener Innenstadt ist nach dem Terroranschlag Montagabend wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Wiener Linien sind seit Betriebsbeginn am Dienstag wieder uneingeschränkt unterwegs, gab das Unternehmen bekannt. Alle Stationen - auch jene in der Wiener City - wurden wieder angefahren. Das wurde mit dem Einsatzstab im Innenministerium so vereinbart, so ein Sprecher.

Aus Sicherheitsgründen hielten die U-Bahnlinien U1, U2, U3 und U4 nach dem blutigen Terroranschlag nicht an den innerstädtischen Stationen. Mehrere Straßenbahn-und Buslinien - 1, 2, 31, D, 71 - wurden Montagabend umgeleitet oder kurzgeführt.

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(APA/Red)

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