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Psychosoziale Dienste nach dem Anschlag in Wien: "Telefone laufen heiß"

Wer nach dem Anschlag Angst hat, findet unter anderem bei den Wiener Psychosozialen Diensten (PSD) ein offenes Ohr
Wer nach dem Anschlag Angst hat, findet unter anderem bei den Wiener Psychosozialen Diensten (PSD) ein offenes Ohr ©Pexels/Ivan Samkov (Sujet)
Betroffene und Menschen, die nach dem Anschlag in Wien Angst haben, griefen derzeit vielfach zum Telefon. Die Wiener Psychosozialen Dienste (PSD) haben anlässlich der jüngsten Ereignisse ihr Angebot verstärkt.
Betroffene erhalten Opferhilfe

Die Wiener Psychosozialen Dienste (PSD) haben nach dem Terroranschlag in der Innenstadt am Montagabend das Personal bei der Krisenhotline und dem Notdienst aufgestockt, um Hilfesuchende schnell unterstützen zu können.

Wiener Psychosoziale Dienste: Massiver Anstieg bei Telefonaten

Weitere Verstärkung werde laufend organisiert: "Die Telefone laufen heiß. Wir bemerken seit letzter Nacht einen enormen, massiven Anstieg bei den Telefonaten", sagte PSD-Chefarzt Georg Psota im APA-Gespräch.

Den ersten Schwung an Anrufern bemerkte man beim PSD gegen Mitternacht, dann wieder heute, Dienstag, früh, berichtete Psota. Die Gründe für die Kontaktaufnahme sind unterschiedlich: Bei einem Teil der Anrufer handle es sich um Menschen, die nicht dabei gewesen seien, "aber denen es schlicht und einfach Angst macht", erzählte Psota. "Gerade in so einem schwierigen Jahr."

Anrufer in Angst und Panik

Dann gebe es Menschen, die sich melden, weil sie in der Nähe der Anschläge waren und damit unmittelbarer betroffen seien und schließlich würden auch jene anrufen, "die uns auch sonst immer wieder mal kontaktieren, in einer Behandlung sind und eine spezifische Angst dazu entwickelt haben". Das dominante Gefühl bei den Anrufern sei Angst, und vielfach auch Panik, erzählte der Chefarzt.

Der PSD bietet mehrere Anlaufstellen, um die Geschehnisse von Montagabend aufzuarbeiten. Derzeit werden die Hotlines laufend ausgebaut, um akute Unterstützung bieten zu können, hieß es. Bisher wurde um 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestockt, weitere Personalverstärkung soll folgen.

Auch Telefonseelsorge verzeichnet deutlich mehr Anrufe

Nach dem Terroranschlag Montagabend in Innenstadt hat die Wiener Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 142 deutlich mehr Anrufe verzeichnet, berichtete die Kathpress. "Uns erreichen verstörte Anrufer und viele besorgte Eltern, die Hilfestellungen im Umgang mit den Kindern benötigen", berichtete die Leiterin Antonia Keßelring,

Ihnen rate Keßelring u.a. zu einem bewussten, zurückhaltenden Medienkonsum und zu einer bewussten Strukturierung des Alltags: "Man sollte Dinge tun, die man sonst auch tut, wie Kochen, den Garten umgraben oder mit seinen Kindern spielen und nicht alles dem Attentat unterordnen", erklärte die Theologin.

Nicht ständig am Handy Nachrichten verfolgen

Weniger Sinn habe es hingegen alle paar Minuten mit dem Handy Nachrichten zu lesen, sich jede Pressekonferenz oder alle Bilder und Videos in den Sozialen Medien anzuschauen: "Es reicht sich morgens, zu Mittag und am Abend über die wichtigsten Neuigkeiten zu informieren", lautet der Tipp von Keßelring.

Eltern, deren Kinder bereits wegen der anhaltenden Corona-Pandemie bedrückt seien oder die nicht wüssten, wie sie ihren Kindern ein Gefühl von Sicherheit geben könnten, rät die Expertin, "erstmal gut für sich selbst zu sorgen, damit man nicht die ganze Nervosität den Kindern weitergibt, und ehrlich zu sagen, was passiert ist". Man könne etwa versuchen einen guten Tag in der Familie verbringen und sollte "nicht alles dem neuen Ereignis unterordnen".

Keßelring: Solidarität ist "wunderbar"

Als "wunderbar" bezeichnet Keßelring es dabei zwar, wenn Menschen über Soziale Netzwerke zu Solidarität aufrufen, "die ganze Zeit auf Sozialen Medien herumzuhängen, ist aber kontraproduktiv, wichtiger ist es nun den Alltag besonders zu schätzen". Letzteres sei wichtig, da Attentäter die Sicherheit, den Alltag und die Entspannung bewusst zerstören und beunruhigen wollten, mahnte Keßelring: "Wir lassen die Attentäter nicht in unseren Alltag hinein, sondern halten dagegen mit dem, was wir haben."

Menschen in Krisensituationen würden dazu neigen ihren Alltag plötzlich "ganz anders zu leben, denn irgendwas muss sich ja nun ändern, wenn ein Ausnahmezustand herrscht", erklärte die Leiterin der Wiener Seelsorgeeinrichtung. Damit könne man auch jüngste Phänomene rund um die Corona-Pandemie erklären, etwa Klopapier-Hamsterkäufe, "die bildlich zeigen, dass nun etwas anders läuft als bislang". "Ich muss meinen Alltag wegen einer Krise aber nicht verändern und kann bei Telefonaten auch etwas anderes besprechen als das Attentat oder Corona-Sorgen", so Keßelring. Nachsatz: "Unser Leben läuft trotz des Attentats weiter."

Unter der Notrufnummer 142 können Anrufende mit ausgebildeten Mitarbeitern über ihre Schwierigkeiten, Sorgen, Ängste, Nöte sprechen. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, vertraulich und kostenlos. Zudem bietet die ökumenisch getragene Telefonseelsorge eine Chat- und Mailberatung unter www.telefonseelsorge.at an.

Telefonische Anlaufstellen: Hier erhalten Sie Unterstützung

Menschen, die Gesprächsbedarf haben, stehen mehrere telefonische Anlaufstellen zur Auswahl, wo sie Unterstützung erhalten. Bereit steht die Corona-Sorgenhotline, die sich nun auch mit dem Thema Terror befasst. Sie ist täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der Nummer (01) 4000 53000 besetzt. Rund um die Uhr kann man die psychiatrische Soforthilfe für Wien unter (01) 31 330 kontaktieren.

Weiters verwies Psota auch auf die Psychosoziale Akutbetreuung. Diese Einrichtung der Stadt Wien steht ebenfalls Menschen in Notfallsituationen helfend zur Seite. Überdies gibt es auch noch das Kriseninterventionszentrum (Telefonnummer 01 406 95 95) als weitere Anlaufstelle für Menschen in akuten Krisensituationen. Falls Kinder und Jugendliche betroffen sind und sich Fragen zum Umgang mit der Situation stellen, so gibt es Hilfe beim Servicetelefon der Kinder- und Jugendhilfe unter der Nummer (01) 4000 8011.

Österreichweit ist der Notfallpsychologische Dienst Österreich aktiv. Dort ist rund um die Uhr unter der Nummer 0699 188 554 00 jemand erreichbar. Hilfe gibt es auch bei Rat auf Draht (Nummer: 147).

Unter der Notrufnummer 142 können Anrufende mit ausgebildeten Mitarbeitern über ihre Schwierigkeiten, Sorgen, Ängste, Nöte sprechen. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, vertraulich und kostenlos. Zudem bietet die ökumenisch getragene Telefonseelsorge eine Chat- und Mailberatung unter www.telefonseelsorge.at an.

(APA/Red)

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