Markus Abwerzger legte mit FPÖ in Tirol ordentlich zu

FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger sicherte sich bei Tirol-Wahl Platz drei.
FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger sicherte sich bei Tirol-Wahl Platz drei. ©APA/GEORG HOCHMUTH
Der angestrebte Triumpf konnte zwar nicht erreicht werden, trotzdem hat FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger mit einem Ergebnis von 15,4 Prozent ein starkes Ergebnis bei der Landtagswahl in Tirol erzielt.
Abwerzger im Porträt
FPÖ rechnet mit Angebot der ÖVP

Der durchaus eloquente und auf Social Media omnipräsente Abwerzger bewies in den vergangenen Wochen jedenfalls eines: Rampensau-Tauglichkeit und Führungsqualität. 20.000 Wahlkampf-Kilometer und mehr als 70 Wahlkampfauftritte spulte Abwerzger im Laufe des Wahlkampfes ab. Seine Rechtsanwaltskanzlei hat er seit dem Wahlkampfauftakt Anfang Jänner nicht mehr betreten. Mit dem Slogan “Gerechtigkeit garantiert” und einem starken Fokus auf das Migrations-Thema versuchte Tirols oberster Blauer Stammwähler, Nicht- und Wechselwähler zu mobilisieren, was für die FPÖ bei Landtagswahlen in Tirol traditionell schwerer ist als bei solchen auf Bundesebene.

Affäre rund um ORF-Beitrag im Wahlkampf

Die Rechnung ist nur teilweise aufgegangen. Zu pass hinsichtlich der Mobilisierung der Stammwählerschaft und der eigenen Bekanntheitssteigerung kam Abwerzger letztlich wohl die Affäre rund um den ORF Tirol, der mit einem umstrittenen Beitrag über den FPÖ-Wahlkampf aufwartete. Es war der große Aufreger dieses ansonsten eher gemächlich und erwartbar verlaufenen Wahlkampfes. Die ORF-Aufnahmen suggerierten, dass Abwerzger bei einem Gespräch mit einem Bürger widerspruchslos antisemitisches Gedankengut des Mannes zur Kenntnis genommen hätte, was der FPÖ-Spitzenkandidat vehement bestritt. Eine schließlich vom ORF nachgereichte modifizierte Version bestätigte das dann auch. Bereits Anfang Jänner hatte der Wahlkampfauftakt der Freiheitlichen im Innsbrucker Congress für Diskussionen gesorgt. Eine dort eingesetzte Trommlergruppe war manchen Kritikern zu martialisch – unter anderem auch Landeshauptmann Platter.

Der FPÖ-Chef versuchte im Wahlkampf einen Spagat: Einerseits geißelt er ganz im Oppositionsstil die schwarz-grüne Politik, andererseits hält er die Tür zur ÖVP und damit für eine mögliche schwarz-blaue Koalition mehr als offen.

Abwerzger sorgte für Wandel in der Tiroler FPÖ

Der gebürtige Vorarlberger unterzog die Landes-FPÖ seit seiner erstmaligen Wahl zum Landesparteichef im Jahr 2013 einem Wandel: Weg vom relativ angepassten, sachpolitisch orientierten Kurs seines Vorgängers Gerald Hauser, hin zu scharfer, kantiger, polarisierender Oppositionsrhetorik. Kritisiert wurde dabei stets, dass der Rechtsanwalt die Partei damit auch mehr nach rechts rückte – sowohl in inhaltlicher als auch in personeller Hinsicht.

Die FPÖ muss sich offenbar an den Gedanken gewöhnen, dass mit dem Einstieg in die Bundesregierung – samt der Tatsache, dass das Flüchtlingsthema nicht mehr dominiert – die Zeit der großen Wahltriumphe vorbei ist. In Tirol legte sie zwar deutlich zu, aber zu wenig, um die SPÖ vom zweiten Platz zu verdrängen. Und das Ergebnis fiel, wie schon in Niederösterreich, schwächer aus als bei der NR-Wahl.

FPÖ legte zu, aber bleibt eindeutig Dritte

6,2 Prozentpunkte waren zwar – verglichen mit den anderen Parteien – der stärkste Zuwachs an diesem Tiroler Wahlsonntag. Aber mit 15,5 Prozent blieben die Blauen eindeutig hinter den Roten (17,3). Und sie schöpften ihr Potenzial bei weitem nicht aus: Bei der Nationalratswahl hatten 24,9 Prozent der Tiroler die FPÖ angekreuzt – die damit weit vor der SPÖ (20,8) lag. Auch in den Landtags-Umfragen des Jahres 2017 – vor dem Eintritt in die Bundesregierung – lag die FPÖ regelmäßig auf Platz zwei, mit deutlich über 20 Prozent.

Außerdem wuchs die FPÖ in Tirol schon einmal wesentlich stärker – 1989, bei der ersten Wahl unter Bundesparteichef Jörg Haider. Und das damalige Ergebnis war – mit 15,6 Prozent – auch etwas besser. Viermal schnitten die Freiheitlichen in Tirol schon besser ab als heute; der Höchststand waren 19,6 Prozent im Jahr 1999.

Schon bei der Niederösterreich-Wahl Ende Jänner legte die FPÖ zu, feierte aber keinen rauschenden Erfolg. Dies konnte man auch noch auf die kurz zuvor aufgebrochene NS-Liederbuchaffäre des (mittlerweile zurückgetretenen) Spitzenkandidaten Udo Landbauer zurückführen. Auch in Niederösterreich blieb die FPÖ mit 14,7 Prozent klar unter der 20er-Marke – die sie 2014/15 in Vorarlberg, Steiermark, Oberösterreich und Wien (in Zeiten der Flüchtlingskrise) teils weit überschritten hatte, ebenso bei der Nationalratswahl 2017.

Mit den 15,5 Prozent in Tirol ist die FPÖ jetzt allerdings in allen Ländern wieder zweistellig. Und die Tiroler sind nicht die schwächste Landespartei, sie sind etwas besser als die Burgenländer und die Niederösterreicher.

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