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Johnson & Johnson: Auslieferung in Europa verschoben

Impfstoff: Johnson & Johnson verschiebt Auslieferung nach Europa.
Impfstoff: Johnson & Johnson verschiebt Auslieferung nach Europa. ©Szilard Koszticsak/MTI via AP
Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verschiebt der Phramakonzern John & Johnson die Auslieferung seines Coronavirus-Impfstoffs in Europa.
US-Behörden raten zu Impf-Stopp
Erste Lieferung in Österreich eingetroffen

"Wir haben die Entscheidung getroffen, die Markteinführung unseres Impfstoffs in Europa aufzuschieben", erklärte der Konzern am Dienstag. Zuvor hatten die US-Gesundheitsbehörden eine Pause bei den Impfungen mit dem J&J-Vakzin empfohlen, nachdem vereinzelte Fälle von seltenen Blutgerinnseln gemeldet worden waren. In Österreich traf am Montag eine erste Lieferung des Vakzins ein. Diese Dosen werden nun vorerst nicht verimpft.

US-Behörden raten zu Stopp von Johnson & Johnson

Vor der Entscheidung hatten die Behörden in den USA eine vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson empfohlen, nachdem bei sechs Menschen im Land nach der Impfung Sinusvenenthrombosen diagnostiziert worden waren. Das teilten die Gesundheitsbehörde CDC und die Arzneimittelbehörde FDA am Dienstag in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Die Fälle würden nun genauer untersucht. Bis ein Ergebnis vorliege, werde als Vorsichtsmaßnahme die vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit Johnson & Johnson empfohlen. Die Aussetzung ist den Behörden zufolge aus einem "Übermaß an Vorsicht" empfohlen worden und werde voraussichtlich nur einige Tage aufrechterhalten.

Mehr als 6,8 Mio. Impfungen in den USA

Bisher seien mehr als 6,8 Millionen Dosen des Impfstoffes, der Ende Februar in den USA zugelassen worden war und von dem es nur eine Dosis braucht, in den USA gespritzt worden. Derzeit würden sechs Fälle untersucht, bei denen es zwischen sechs und 13 Tagen danach zu Sinusvenenthrombosen gekommen sei. In drei Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen, gemeldet worden. Betroffen seien Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren.

"Kein Grund zur Panik"

Der Infektiologe Amesh Adalja vom Johns Hopkins Center in Baltimore sprach von einem sehr geringen Risiko. "Sechs Fälle bei etwa sieben Millionen Dosen - geringer als das Risiko von Blutgerinnseln mit oralen Kontrazeptiva (Antibabypille- Anmerkung) sind kein Grund zur Panik." Das Vakzin von J&J ist wie das von Astrazeneca ein sogenannter Vektorimpfstoff, der auf einem harmlosen Erkältungsvirus basiert. Auf dieser Technologie beruht auch der russische Corona-Impfstoff Sputnik V. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna basieren dagegen auf der sogenannten Boten-RNA (mRNA). Bei den mRNA-Impfstoffen wurden nach Angaben eines Vertreters der US-Behörde CDC noch keine Thrombose-Fälle mit einem Mangel an Blutplättchen festgestellt.

EMA will Thrombose-Fälle prüfen

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte vergangene Woche mitgeteilt, Fälle von Thrombosen nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson zu prüfen. Es seien vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln aufgetreten, eine Person sei gestorben. Die Behörde hatte betont, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei.

Am Montag hatte Johnson & Johnson mit der Lieferung seines im März zugelassenen Impfstoffes in die EU-Staaten begonnen. Auch Österreich erhielt gestern 16.800 Dosen. Diese wurden allerdings noch nicht weiterverteilt, sondern liegen noch beim Großhandel. "So lange bis Klarheit über allfällige Nebenwirkungen herrscht, werden diese Dosen nicht an die Impfstellen ausgeliefert und auch nicht verimpft", hieß es seitens des Gesundheitsministeriums.

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(APA/Red)

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