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AstraZeneca: Kurz geht von Empfehlung durch EMA aus

Kurz geht davon aus, dass die EMA den AstraZeneca-Impfstoff weiter empfiehlt.
Kurz geht davon aus, dass die EMA den AstraZeneca-Impfstoff weiter empfiehlt. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Für heute wird die Entscheidung der EU-Arzneimittelagentur EMA zum weiteren Einsatz des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca erwartet. Bundeskanzler Kurz geht nicht davon aus, dass es zu einem Impf-Stopp kommen wird.
Entscheidung der EMA erwartet
Kurz vertraut auf Experten
AstraZeneca verteidigt Impfstoff

Die EU-Arzneimittelagentur EMA will am Donnerstag eine neue Empfehlung für die Vorgangsweise mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca abgeben.

Um 15.00 Uhr soll erläutert werden, welche Schritte das für die Risikoeinschätzung zuständige Komitee empfiehlt, nachdem unerwartete mögliche Nebenwirkungen wie Blutgerinnsel nach Verabreichung der Vakzine aufgetreten waren. Erst am Freitag will sich hingegen die WHO erneut zu dem Corona-Impfstoff äußern.

Das Nationale Impfgremium (NIG), das in Österreich gemäß der bisherigen EMA-Einschätzung vorerst zu keinem Impfstopp geraten hat, wollte die Entscheidung für eine weitere Bewertung abwarten. "Ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis besteht unverändert", hatte das NIG zuletzt zu noch ungeklärten Thrombose-Fällen nach Impfungen betont.

Ärztekammer-Chef: "Vorteil der Impfung größer als das Risiko"

"Der Vorteil der Impfung ist größer als das Risiko", sagte unterdessen Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres am Donnerstag am Rande eines Online-Mediengesprächs. Es gebe - auch in Österreich - einige Thrombose-Fälle von Geimpften, allerdings sei eine "Häufung nicht feststellbar", betonte der Mediziner. In Deutschland habe es jedoch mehrere Fälle von Sinusvenenthrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit AstraZeneca-Impfungen gegeben. "Das gehört untersucht", so Szekeres.

"Wir kommen aus der Pandemie nur durch die Impfung heraus", hielt der Ärztekammer-Präsident fest. Die AstraZeneca-Impfung biete drei Wochen nach der ersten Dosis fast 100-prozentigen Schutz vor schwerer Krankheit.

Impfung mit AstraZeneca in mehreren EU-Staaten ausgesetzt

Mehrere EU-Staaten setzten die Immunisierungen mit dem AstraZeneca-Vakzin diese Woche nach vereinzelten Thrombosen und Embolien bei Geimpften vorübergehend aus. Der von dem britisch-schwedischen Pharmakonzern gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Impfstoff wurde in Großbritannien bereits millionenfach verabreicht. Dabei - und in vorangegangenen klinischen Studien mit Zehntausenden Probanden - waren keine Auffälligkeiten bezüglich Thrombosen festgestellt worden.

Das EMA-Sicherheitskomitee PRAC (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee) will in seiner Sitzung am Donnerstag die verfügbaren Informationen bewerten und "alle erforderlichen Empfehlungen für weitere Maßnahmen abgeben".

Kurz geht von Empfehlung aus: "Virus ist Gefahr, nicht Impfung"

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ging in der "ZiB2" Mittwochabend davon aus, dass sich die EMA nicht gegen das AstraZeneca-Vakzin aussprechen wird. Er rechne nicht damit, dass die EU-Arzneimittelagentur einen Stopp dieser Impfungen empfehlen werde, denn die EMA selbst habe den Impfstoff zugelassen.

Der Impfstoff sei für Europa "extrem relevant", ein Stopp "wäre ein massiver Rückschlag", sagte Kurz und bekräftigte auch neuerlich, dass er AstraZeneca für sicher hält. "Es sterben in Europa täglich über 1.000 Menschen an Corona. Die Gefahr ist das Virus und nicht die Impfung."

Länder wollen nun über 65-Jährige impfen

Sollte die EMA Grünes Licht für den weiteren Einsatz des Impfstoffes von AstraZeneca geben, wollen die Länder verstärkt die über 65-Jährigen impfen. Zwar wollen Salzburg und Niederösterreich bereits vereinbarte Termine für das Bildungspersonal einhalten, wie ein Rundruf der APA ergeben hat. Weitere Berufsgruppenimpfungen soll es vorerst aber offenbar nicht geben - entsprechend dem Montag angekündigten Erlass von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Derzeit ist die Durchimpfung der 65- bis 74-Jährigen besonders gering. Bis Mittwoch haben erst 2,4 Prozent dieser Altersgruppe die zwei für den vollen Immunschutz nötigen Impfungen erhalten, 6,5 Prozent zumindest den ersten "Stich". Damit wurden deutlich mehr Jüngere geimpft (zwischen 6,8 und 9,5 Prozent "Erstgeimpfte"), obwohl fast die Hälfte der Corona-Infizierten auf den Intensivstationen (45 Prozent) zwischen 65- bis 79 Jahre alt ist. Das Corona-Prognosekonsortium der Regierung hat daher am Mittwoch gewarnt, dass die Immunisierung dieser Altersgruppe nicht ausreicht, um den erwarteten deutlichen Anstieg der Intensivpatienten zu bremsen.

Die meisten von der APA befragten Bundesländer kündigen daher an, die bereits am 5. März vereinbarte Priorisierung der über 65-Jährigen umzusetzen und weitere Berufsgruppenimpfungen vorerst hintanzustellen. Bereits vereinbarte Termine für das Bildungspersonal sollen in Salzburg und Niederösterreich zwar eingehalten werden. In Salzburg ist laut dem Sprecher von Gesundheitslandesrat Christian Stöckl (ÖVP) die Impfung der Pädagoginnen und Pädagogen in der Karwoche geplant, in der Steiermark laut Impfkoordinator Michael Koren am kommenden Wochenende. Weitere Impfaktionen für Berufsgruppen - die Steiermark hatte etwa an Ergo-, Physio- und Logotherapeuten gedacht - soll es danach aber nicht geben.

"In den kommenden Wochen werden erlasskonform Personen über 65 Jahren (nach Alter und gesundheitlichem zustand) sowie Hochrisikopatientinnen und -patienten prioritär geimpft", heißt es auch in Vorarlberg. Erst im Anschluss sollen weitere priorisierte Gruppen eingeladen werden. Darunter fallen laut der Phase 2 des nationalen Impfplans nach dem Gesundheits- und Bildungspersonal auch Beschäftigte in Polizei, Strafvollzug, Bundesheer mit erhöhtem Ansteckungsrisiko. Auch das Burgenland sagt die Umsetzung des Impfplans zu.

In Kärnten betont Gerd Kurath vom Landespressedienst, dass man unter 65-Jährige ohnehin nur vorgezogen habe, so lange AstraZeneca für Ältere nicht zugelassen war. Daher habe man neben dem Gesundheits- und Pflegepersonal auch 45- bis 65-jährige Lehrerinnen und Lehrer geimpft. "Bei uns kommen jetzt die Hochrisikopatienten dran", sagt Kurath. Allerdings weist er auch darauf hin, dass von AstraZeneca für die kommenden zwei Wochen keine größeren Lieferungen erwartet werden.

Von den Tiroler Behörden hieß es gegenüber der APA, dass der Bundes-Erlass "selbstverständlich" umgesetzt werde. Die Gruppe der Über-65-Jährigen und Risikogruppen "waren und sind im Tiroler Impfplan seit jeher - nach den Empfehlungen und Vorgaben des Bundes und des Nationalen Impfgremiums - priorisiert". Zudem wurden in 15 Gemeinden, die an den Bezirk Schwaz angrenzen, die jüngeren Senioren geimpft. In den Gemeinden Arzl im Pitztal, Haiming, Roppen, Virgen und Matrei in Osttirol, in denen momentan eine Ausreisetestpflicht herrscht, wurde die Gruppe bereits geimpft bzw. kommt nächste Woche dran. Die "weiteren Priorisierungen" würden dem Tiroler Impfplan folgen, hieß es.

Das Bundesland Wien sieht auf den Erlass von Gesundheitsminister Anschober keinen Handlungsbedarf, "weil wir uns eh an den Nationalen Impfplan halten. Die Priorisierung der Älteren steht bei uns ganz oben", wie ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) der APA sagte. Jene Berufsgruppen, die bereits einen Termin erhalten haben, werden noch plangemäß geimpft. Dabei handelt es sich neben dem Bildungspersonal auch um nicht-medizinisches Gesundheitspersonal wie Physio- oder Psychotherapeuten. Danach soll der Fokus noch stärker auf die Über-65-Jährigen gelegt werden. Überdies verwies der Sprecher des Stadtrats auf eine große, außerplanliche Impfaktion für Über-80-Jährige die derzeit und noch kommende Woche durchgeführt werden. Dabei erhalten 17.000 Menschen ihren "Erststich".

Erst im Lauf des Donnerstags über das weitere Vorgehen entscheiden will Oberösterreich. Hier war zuletzt die Frage offen, ob auch Mitglieder der Feuerwehren geimpft werden sollen.

Geringste Durchimpfung der älteren Bevölkerung in Wien und NÖ

Am geringsten ist die Durchimpfung der älteren Bevölkerung in Wien und Niederösterreich. Hier hat bis Mittwoch weniger als die Hälfte der über 85-Jährigen die erste Impfung erhalten. Bei den 65- bis 74-Jährigen liegen auch die Steiermark, Kärnten und das Burgenland unter dem Durchschnitt von 6,5 Prozent Erstimpfungen. Auffällig ist auch, dass die Durchimpfung der älteren Männer etwas höher ist jene der älteren Frauen. Bei den unter 65-Jährigen ist es umgekehrt: Hier hat die Priorisierung des Gesundheits- und Bildungspersonals dazu geführt, dass bisher deutlich mehr Frauen als Männer geimpft wurden.

Die Kritik daran, dass Wien beim Impfen der Älteren eher schlecht unterwegs sei, wollen die Verantwortlichen so nicht im Raum stehen lassen. 18 Prozent der Wiener Impfdosen würden an Personen gehen, die nicht in Wien leben aber hier arbeiten, erinnerte der Sprecher des Gesundheitsstadtrats: "Das wird in der Verteilung der Impfstoffe nicht berücksichtigt. Die erfolgt streng nach Bevölkerungszahl." Weiters betonte er "Die bisherige Trennung von mRNA und Vektor nach Alter hat dazu geführt, dass wir die zusätzlichen Impfdosen-Steigerungen von AstraZeneca dort nicht verimpfen konnten. Darum auch Berufsgruppen-Impfungen."

(APA/Red)

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