Umfragen zur Wien-Wahl 2015: Kopf-an-Kopf-Rennen oder Respektabstand?

Kurz vor der Wahl haben die Umfragen Hochkonjunktur.
Kurz vor der Wahl haben die Umfragen Hochkonjunktur. - © APA
Der Vorsprung der SPÖ auf die FPÖ ist seit Frühjahr kontinuierlich gesunken. Die Vorhersagen zur Wahl am Sonntag zeigen keine eindeutige Tendenz.

Die Umfragen zur Wien-Wahl seit Jahresbeginn zeigen ein kontinuierliches Schrumpfen des Abstandes zwischen SPÖ und FPÖ. Während in den Erhebungen im Frühjahr die SPÖ noch mit bis zu 16 Prozentpunkten vor der FPÖ lag, schrumpfte der Vorsprung in den Oktober-Umfragen auf vier bis nur mehr einen Prozentpunkt. Definitiv auf Platz eins wurde die FPÖ aber in keiner der Erhebungen ausgewiesen.

In den Umfragen zwischen Jahresbeginn und Mai lag die SPÖ noch zwischen 37 und 39 Prozent – und die FPÖ zwischen 23 und 29 Prozent der Stimmen, der Abstand war mit mindestens acht (in einer market-Umfrage für den Standard im April) bis 16 Prozentpunkten (in einer Ifes-Umfrage für die Krone im April) noch sehr deutlich.

Und dieser Vorsprung der SPÖ schmolz erst ab Juni sichtlich – und dürfte auch im Zusammenhang mit dem sich zuspitzenden Problem im Asylbereich stehen. Denn während sich im Frühjahr die diesbezügliche Diskussion primär um die Erfüllung der vorgegebenen Quoten für die Bundesländer drehte, bekam der Quartierengpass Mitte Mai mit der Errichtung von Zeltstädten zur Unterbringung von Flüchtlingen an mehreren Standorten auch ein handfestes Gesicht.

FPÖ hat aufgeholt

In den Umfragen von Juni und Juli zeigten sich erstmals Abstände zwischen Rot und Blau von nur mehr fünf Prozentpunkten und weniger. Bis auf zwei Prozentpunkte schmolz der Abstand dann Anfang August, eine Gallup-Umfrage für die Tageszeitung Österreich wies die SPÖ mit 33 und die FPÖ mit 31 Prozent aus.

Auch die weiter anhaltende Debatte um die Verteilung von Asylwerbern in Österreich und das Durchgriffsrecht des Bundes zur Errichtung von Asylwerber-Unterkünften in den Ländern sowie letztlich die Öffnung der österreichisch-ungarischen Grenze in der Nacht vom 4. auf den 5. September dürfte Auswirkungen auf die Sonntagsfrage gehabt haben. Auch die diametral anders ausgerichteten Positionierungen von SPÖ und FPÖ in dieser Frage haben zur Zuspitzung des Duells zwischen Rot und Blau beigetragen.

Kurz nach Beginn der Flüchtlingsbewegungen Anfang September gingen die Werte für die SPÖ von einem Tiefstand von 33 Prozent wieder nach oben in Richtung 38 Prozent, aber auch die FPÖ legte zu und fand sich Ende September in einer Umfrage von “Unique research” für die Krone bei einem Wert von 34 Prozent wieder. Die SPÖ wurde in dieser Erhebung mit 38 Prozent ausgewiesen.

“Kopf-an-Kopf”-Rennen nach OÖ-Wahl

In den Umfragen nach der für SPÖ wie auch ÖVP desaströsen Landtagswahl in Oberösterreich vom 27. September schmolz der Vorsprung der SPÖ auf die FPÖ dann weiter. Eine Anfang Oktober im Standard veröffentlichte Umfrage des Market-Instituts wies nur mehr einen Prozentpunkt Vorsprung aus, die SPÖ wurde darin mit 36 Prozent, die FPÖ mit 35 Prozent ausgewiesen. Auch zwei weitere Umfragen wiesen nur einen Abstand von zwei Prozentpunkten aus – es war bereits von einem “Kopf-an-Kopf”-Rennen die Rede.

Ob es am 11. Oktober tatsächlich zu einem solchen kommt, ist freilich nicht gesichert. Erstens ist laut Meinungsforschern aufgrund der Schwankungsbreiten in den Umfragen auch durchaus ein “Respektabstand” möglich, und zweitens zeichnete die bisher letzte Erhebung – eine des OGM-Institutes im Kurier vom 3. Oktober – wieder ein etwas anderes Bild: Dort wurde die SPÖ mit 37 bis 38 Prozent, die FPÖ mit 33 bis 34 Prozent ausgewiesen, was einen Abstand von rund vier Prozentpunkten bedeuten würde.

Zweikampf zulasten der anderen Parteien

Stimmen kosten dürfte das – auch von SPÖ und FPÖ selbst heraufbeschworene – “Duell” zwischen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die übrigen Parteien. Zahlreiche “taktische” Wähler sehen die Meinungsforscher in Richtung SPÖ wandern, um einen FPÖ-Sieg zu verhindern. Darunter leiden dürften vor allem die Grünen, denen in den Erhebungen vom Oktober nur rund um die zwölf Prozent ausgewiesen wurden – was gegenüber dem letzten Wahlergebnis eine Stagnation bedeuten würde.

Auch die ÖVP dürfte laut Umfragen gegenüber dem Urnengang 2010 noch einmal verlieren – ihr droht laut Umfragen sogar das Rutschen knapp unter die Zehn-Prozent-Marke.

Auf den Einzug in den Wiener Landtag hoffen dürfen die NEOS. Denn obwohl laut Umfragen die Tendenz im letzten Monat etwas nach unten zeigte, weisen die Umfragen im Oktober für die Pinken fünf bis sechs Prozent aus, womit das Überspringen der notwendigen Fünf-Prozent-Hürde gelingen könnte.

(APA, Red.)

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