Virologe: Omikron kein Grund, mit Impfung zu warten

Virologe Nowotny
Virologe Nowotny ©Screenshot ORF
Für den Virologen Norbert Nowotny ist die neue Omikron-Variante kein Grund, auf bereits angebotene Impfungen zu verzichten. Er geht davon aus, dass der Impfstoff dennoch einen sehr guten Basisschutz bietet.
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Erste Labordaten, an denen sich ablesen lässt, wie gut die an vielen Stellen mutierte Omikron-Variante einer durch Impfung oder Erkrankung aufgebauten Immunabwehr entkommen kann, erwartet der Virologe Norbert Nowotny in den nächsten Tagen. Im Gespräch mit der APA geht er aber davon aus, dass Geimpfte einen "sehr guten Basisschutz" haben, und sieht in der neuen Variante mit ihren vielen Fragezeichen keinen Grund, nicht zur Impfung zu gehen.

32 Mutationen im Spike-Protein

Der Coronaviren-Experte sieht eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Erreger in Personen mit einem geschwächten Immunsystem als höchstwahrscheinliche Entstehungsvariante für die mit alleine 32 Mutationen im Spike-Protein ausgestattete Omikron-Variante. Während in Menschen mit intakter Immunabwehr eine Infektion in der Regel nur rund sieben bis zehn Tage dauert, ist das bei Menschen, die etwa unter der Immunschwächekrankheit AIDS oder anderen chronischen Erkrankungen leiden, mitunter deutlich anders. Hält sich das Virus vielleicht sogar Monate im Körper auf und wird vielleicht durch Behandlungen mit Antikörpern von Menschen, die die Erkrankung überstanden haben, noch zusätzlich unter Druck gesetzt, kann es durchaus viele Veränderungen anhäufen.

Gerade im südlichen Afrika mit seinen vielen HIV-positiven Menschen und leider vielen "schlecht behandelten AIDS-Kranken", sind die Voraussetzungen für so eine Entwicklung entsprechend hoch. "Daher wundert es mich auch nicht, dass nach der Beta-Variante jetzt die zweite Virusvariante im Süden Afrikas entstanden ist", sagte Nowotny. Dass sich die vielen Veränderungen etwa derart angehäuft haben, weil es ein Überspringen des Erregers auf ein Tier und dann wieder zurück zum Menschen gegeben hat, schließt der Experte hingegen aus.

Omikron wird genauestens untersucht

Bis dato habe "das Virus schon sehr viel an Mutationen ausprobiert. Was wir jetzt sehen, sind ja neben ein paar neu dazugekommenen Veränderungen durchaus Mutationen, die wir in den bisherigen Virusvarianten auch schon gesehen haben." Bei jetzt derart vielen Variationen auf einmal, brauche es dringend Daten, was diese letztlich bewirken, so Nowotny.

Wissenschafter und Unternehmen arbeiten daher mit Hochdruck daran herauszufinden, wie Omikron auf Blutproben reagiert, die von geimpften Menschen oder Personen stammen, die Covid-19 schon durchgemacht haben. In den kommenden Tagen werden diese Informationen nach und nach eintrudeln. Bei der Delta-Variante sei der Impfschutz gegenüber dem Wildtyp nur um rund acht bis zehn Prozent reduziert, so der Wissenschafter. Das machte eine Wirkstoffanpassung noch nicht notwendig.

Im Fall von Omikron schaue man sich das nun an. Da diese Untersuchungen recht gut nachstellen, was im Körper passiert, kann man dann sagen, "ob die Omikron-Virusvariante sich unserem Immunsystem mehr entzieht oder nicht". Dann sei auch bald klar, ob die Vakzine angepasst werden müssen.

Update der Impfstoffe möglich

Gerade die Hersteller der mRNA-Impfstoffe haben zuletzt mehrfach betont, dass das innerhalb von rund sechs Wochen bewerkstelligt werden kann. In ungefähr 100 Tagen stünden dann die ersten neuen Chargen bereit. All das sei aber kein Grund zu Zögern, sich jetzt eine Erst-, Zweit- oder Drittimpfung zu holen, betonte Nowotny: "Das ist kein neues Virus, es ist eine Virusvariante." Für den Forscher ist davon auszugehen, dass der Schutz nach der Boosterimpfung auch besser gegen Omikron wirken wird, "weil er einfach generell besser ist."

Dass sich die neue Variante vielleicht sogar einen anderen Weg in menschliche Zellen sucht, wie zuletzt von manchen Experten spekuliert, glaubt Nowotny nicht. "Ich denke, es wird nach wie vor der ACE2-Rezeptor sein." Falls sich hier etwas ändert, werde dies aber schon sehr bald klar sein.

Bis man mehr über die Gefährlichkeit von Omikron weiß, plädiert Nowotny für möglichst lückenlose Kontaktnachverfolgung. Das könne es auch umfassen, geimpfte Personen mit Kontakt zu Omikron-Infizierten wieder als K1-Personen einzuordnen. "Einfach, um auf der sicheren Seite zu sein."

(APA/red)

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