Tanzstudios ächzen unter Corona-Krise - einem Drittel droht Schließung

Die heimischen Tanzstudios drängen auf eine baldige Öffnung - viele sehen sich in ihrer Existenz gefährdet
Die heimischen Tanzstudios drängen auf eine baldige Öffnung - viele sehen sich in ihrer Existenz gefährdet ©Performing Center Austria
Mehr als ein Drittel aller Tanzstudios in Österreich sieht seinen Weiterbestand aufgrund der Pandemie als gefährdet. Man fordert daher eine dringende Öffnung unter Einhaltung von Sicherheitskonzepten.
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Eine wissenschaftliche Umfrage unter den österreichischen Tanzstudios hat ergeben, dass sich die Anzahl der Mitglieder bereits halbiert hat. Da weitreichende gesundheitliche Folgen drohen, fordert die Präsidentin des Verbands der Tanzstudios Österreich eine dringende Öffnung unter Einhaltung von Sicherheitskonzepten.

Tanzschulbetreiber leiden unter Existenzängsten

„Je länger gezielte Bewegung untersagt wird, desto größer der Schaden für Gesundheit und Wohlergehen“, ist sich Rebekka Rom, Präsidentin der Tanzstudios Österreich, sicher. „Die Ergebnisse unserer groß angelegten Basisdaten-Erhebung zeigen ganz deutlich, dass viele Tanzschulbetreiber unter Existenzängsten leiden und die Motivation unserer Mitglieder sinkt. Wir sind gerüstet für sicheres Tanzen - 80% der Befragten haben bereits ein Präventionskonzept entwickelt - und fordern endlich eine Öffnung.“

Psychische Gesundheit leidet unter Krise

Nach einem Jahr der Krankheitsprävention ist es höchste Zeit, sich endlich wieder auf die Gesundheitsförderung zu konzentrieren. Tanzen kann einen wesentlichen Beitrag leisten, denn es fördert nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit.

TänzerInnen - viele davon Kinder und Jugendliche - leiden zunehmend an den Auswirkungen der letzten zwölf Monate: Depressionen, Ängste, Antriebslosigkeit, Verzweiflung aber auch körperliche Probleme aufgrund der Bewegungsarmut. Trotz Pandemie brauchen Körper und Seele endlich wieder positive Förderung. (Veranschaulicht im Video „Unsere TänzerInnen brauchen uns“)

Umfangreiche Befragung bei Tanzstudio-Betreibern

Im Februar 2021 hat der Verband der Tanzstudios Österreich mittels Marktforschungsinstituteine umfassende Basisdaten-Erhebung unter 256 Tanzstudio-Betreibern des Landes zu den Auswirkungen der Corona-Krise durchgeführt.Die befragten Einrichtungen, die 75% aller heimischen Tanzstudios repräsentieren, haben einen Kundenstamm von rund 40.000 vor Corona genannt. Rechnet man diesen Wert auf alle österreichischen Tanzstudios hoch, entspricht das in etwa 65.000 TänzerInnen.

Mit einem Rückgang von 48% haben sich die Zahlen der aktiven MitgliederInnen in Tanzstudios demnach bereits halbiert. 77% der Tanzstudio-BetreiberInnen sehen die Gefahr von finanziellen Verlusten durch weniger Neuanmeldungen als sehr hoch an. 37% erachten ihren Weiterbestand als gefährdet und sehen sich mit Existenzängsten konfrontiert.

Fehlende Motivation und Freude an der Bewegung

95% der Befragten leiden unter dem fehlenden persönlichen Kontakt. 64% schätzen das Risiko, dass die mentale Gesundheit leidet, als sehr hoch ein. 70% erkennen ein hohes Risiko einer abnehmenden Motivation am Online-Unterricht bzw. eine eingeschränkte Qualität des Unterrichts. „Dazu kommt, dass der Bewegungsmangel zu psychischer und physischer Krankheit führt, und Kunden im Endeffekt ganz mit dem Tanzen aufhören“, sagt Rebekka Rom.

„Die jahrelange Aufbauarbeit von uns TrainerInnen wird nun zunichte gemacht, da KundInnen ausbleiben, keine NeukundInnen nachkommen und Grundängste wie Soziophobie entstehen, die nicht so schnell wieder verschwinden.“ Auch innerhalb der Trainerszene hat sich mittlerweile Frustration ausgebreitet, da Weiterbildungen und Auftrittsmöglichkeiten fehlen. Arbeitslosigkeit der TrainerInnen endet im Extremfall in Wut, Verzweiflung und Burnout, vor allem, weil ein Studio auch oft die einzige Einnahmequelle für eine ganze Familie darstellt.

Tanzen wohltuend für Körper, Geist und Seele

Dass Tanzen eine ganzheitliche Wirkung auf die körperliche, geistige und seelische Gesundheit hat, kann mittlerweile von Tanz- und Sport-Medizin, Medizin allgemein, Neurowissenschaften oder Psychologie hinlänglich belegt werden. Tanz unterstützt das Herz-Kreislauf-System, die Atmung, Lungenfunktion und kann auch die aerobe Ausdauer trainieren, die besonders für die geistige und körperliche Ermüdungsresistenz sowie Erholungsfähigkeit wichtig ist. Er beugt nicht nur Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Depression oder Burnout vor, sondern schützt vor Verletzungen im Alltag und macht ganz allgemein leistungsfähiger.

„Besonders für Kinder und Jugendliche ist Tanzen so wichtig, da es beim Lernen unterstützt und sie in ihrer ganzheitlichen Entwicklung fördert“, so Judith-Elisa Kaufmann. „Darüber hinaus kann es das Selbstwertgefühl, Selbstkonzept und die Resilienz stärken, physischen und psychischen Schmerz heilen und Stress bewältigen. Gerade dieser heilende Aspekt von Tanz ist für alle in Zeiten der Pandemie, wo wir Stress, Angst und Hilflosigkeit ausgesetzt sind, so wesentlich.“

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