Studie: 16 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben suizidale Gedanken

Je länger die Coronakrise dauert, desto größer augenscheinlich die Belastung für junge Menschen
Je länger die Coronakrise dauert, desto größer augenscheinlich die Belastung für junge Menschen ©Pixabay (Sujet)
Alarmierende Studienergebnisse zur psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern: 56 Prozent leiden unter einer depressiven Symptomatik. Die Coronakrise scheint hier ihren Tribut zu fordern.
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Die psychische Gesundheit von Schülern hat sich durch die Corona-Pandemie massiv verschlechtert. Laut einer Studie der Donau-Uni Krems und der Medizin-Uni Wien (rund 3.000 Befragte) zeigen 56 Prozent der Über-14-Jährigen eine depressive Symptomatik, die Hälfte zeigt Angstsymptome. Die Häufigkeit dieser Beschwerden hat sich, wie auch jene von Schlafstörungen, demnach verfünft- bis verzehnfacht. Bereits 16 Prozent haben suizidale Gedanken, auch das ist ein deutlicher Anstieg.

Steigende Tendenz bei Depressionen und Selbstmordgefährdung

"Die Ergebnisse sind besorgniserregend", wird Studienleiter Christoph Pieh von der Donau Universität Krems in einer Aussendung zitiert. "Ganz besonders alarmierend ist die Tatsache, dass rund 16 Prozent entweder täglich oder an mehr als der Hälfte der Tage suizidale Gedanken angeben", betont Studienautor Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medizinischen Universität Wien. "Das ist im Vergleich zu den letzten verfügbaren Daten aus Österreich ein deutlicher Anstieg."

Die von 3. bis 28. Februar durchgeführte Studie, die am "Social Science Research Network" (SSRN) veröffentlicht wurde, belegt auch einen deutlichen Anstieg der Handynutzung: Mittlerweile verbringe rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler täglich fünf Stunden oder mehr am Smartphone, das ist doppelt so viel wie 2018. "Das ist umso bedenklicher, als dass mit steigender täglicher Handynutzung auch die Häufigkeit psychischer Beschwerden deutlich zunimmt", betont Pieh. Auch wenn die Mobiltelefone dabei auch genutzt werden, um soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, scheine dies den persönlichen Kontakt nicht ersetzen zu können. Gleichzeitig zeigt die Studie eine deutliche Abnahme der körperlichen Bewegung.

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Dringender Handlungsbedarf - psychische Belastungen ernst nehmen

Pieh ortet dringenden Handlungsbedarf und appelliert, bei zukünftigen Entscheidungen die psychosozialen Folgen der Pandemie stärker zu berücksichtigen. Neben einer raschen und an die Schwere der Beschwerden angepassten psychischen Betreuung solle auch körperliche Bewegung gefördert werden. Eine wichtige Rolle spielen hier die Schulen, und zwar weit über den Unterricht hinaus: Die Öffnung der Schulen ermögliche sozialen Kontakt und persönlichen Austausch und biete den Schülern gleichzeitig eine regelmäßige Tagesstruktur, so der Experte für Gesundheitsforschung.

Paul Plener von der Medizinischen Universität Wien plädiert angesichts der Häufung psychischer Auffälligkeiten für einen Fokus auf die Einhaltung eines Tag-Nacht-Rhythmus' mit ausreichend Schlaf, körperliche Betätigung und eine Wiederaufnahme der sozialen Kontakte. Gerade in schweren Fällen und vor allem dann, wenn Gedanken auftauchen, nicht mehr weiterleben zu wollen, sei jedoch professionelle Hilfe wichtig und auch möglich.

Anschober verwies auf Einrichtung eines Beraterstabes

Die Forschungsergebnisse würden die Vorgangsweise des Gesundheitsministeriums bestätigen, hieß es aus dem Ressort in einer schriftlichen Stellungnahme. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) verwies auf die Einrichtung eines eigenen Beraterstabs für psychosoziale Folgen der Pandemie. In den Verhandlungen zu den Lockerungsschritten habe man den Vorrang für Kinder durchgesetzt. "Details werden diese Woche von Sport- und Gesundheitsministerium ausgearbeitet."

Einen "Jugend-Gipfel" und "dringende Unterstützung von Jugendlichen", forderte Eva-Maria Holzleitner, Kinder- und Jugendsprecherin der SPÖ: "Es ist wichtig, dass wir über die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen nicht nur reden, sondern sich diese auch im Krisenmanagement vom Bund widerspiegeln." In einem Dialog mit Jugendlichen, Experten und Jugendsprechern der Parlamentsparteien sollten Lösungen und Perspektiven erarbeitet werden. Die SPÖ habe dazu einen Antrag im Parlament eingebracht.

Auch die NEOS forderten einen Krisengipfel - im Gesundheitsministerium. "Die Zeit für beschwichtigende Wortmeldungen sind vorüber. Jugendliche, die jetzt durch die Corona-Schutzmaßnahmen massiv eingeschränkt sind und darunter leiden, brauchen unsere Hilfe, sagte NEOS-Jugendsprecher Yannick Shetty. Seine Partei habe einen Neun-Punkte-Notfallplan vorgelegt, der rasch umgesetzt werden könne.

Den Link zur Studie finden Sie hier.

Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich

(APA/Red)

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