Schüsse auf Frau in Wien: Ballistiker bestätigt Aussage des Polizisten

In diesem Wohnhaus in Wien 15 fielen die Schüsse
In diesem Wohnhaus in Wien 15 fielen die Schüsse ©APA
Der Fall um jene 37-jährige Frau, die Anfang März bei einem Polizeieinsatz niedergeschossen wurde, liegt nun das ballistische Gutachten vor. Dieses bestätigt, dass das Schuss-Opfer auf die Schüsse nicht reagiert hatte bzw. "trotz Erhalts mehrerer Treffer keine unmittelbare Waffenwirkung" zeigte.
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Die Waffen der Frau
Tatort in Wien 15

Nachdem am 7. März bei einem Polizeieinsatz in Wien-Fünfhaus eine Frau im Alter von 37 Jahren von insgesamt neun Schüssen niedergestreckt wurde, gubt es nun ein aufschlussreiches Gutachten.

Schüsse auf tobende Frau

Astrid Wagner, die Rechtsvertreterin des Polizeibeamten, der auf die tobende 37-Jährige gefeuert hatte, bestätigte am Donnerstag entsprechende Medienberichte. Der Schießsachverständige Ingo Wieser stützt in seiner Expertise die bisherigen Angaben des 34 Jahre alten Beamten, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Waffengebrauchs ermittelt. Die Frau habe “trotz Erhalts mehrerer Treffer keine unmittelbare Waffenwirkung gezeigt.”

Insgesamt fünf Polizisten waren damals in die Wohnung in der Goldschlagstraße eingedrungen, nachdem eine panisch klingende Frau der Feuerwehr telefonisch einen Brand gemeldet hatte. Die Florianijünger nahmen am Einsatzort weder Feuer noch Brandgeruch wahr, hörten jedoch weibliche Schreie aus der Wohnung. Sie verständigten die Exekutive.

37-jährige war psychotisch

Die Wohnungsbesitzerin, die unter einer schweren Psychose leiden dürfte, ging dann mit zwei Messern auf die Beamten los. Dem ballistischen Gutachten zufolge wurde sie von sieben Schüssen getroffen, ehe sie taumelte und zu Boden ging. “Danach hat sie sich wieder aufgerichtet und den Angriff fortgesetzt. Erst die letzten beiden Schüsse haben sie kampfunfähig gemacht”, so Wagner, die sich dabei auf Zeugenaussagen von Sanitätern und Feuerwehrmännern berief.

“Dieser Geschehensablauf ist laut dem Sachverständigengutachten Ingo Wieser aufgrund der besonderen Situation im vorliegenden Fall absolut schlüssig. Freilich ist der Vorfall tragisch. Das ändert aber nichts daran, dass der Polizist das Leben anderer schützen musste”, hielt die Rechtsanwältin in einer Presseaussendung fest. Zugleich wies sie darin die Darstellung einer Tageszeitung als “falsch” zurück, wonach der Beamte mehrere Schüsse auf die bereits wehrlose Frau abgegeben habe. Es treffe auch nicht zu, dass die Feststellungen des Schießsachverständigen im Widerspruch zu Zeugenaussagen stünden, betonte Wagner.

“Keine unmittelbare Waffenwirkung”

Tatsächlich kommt der Ballistiker zum Schluss, dass die Frau “trotz des Erhalts mehrerer Treffer keine unmittelbare Waffenwirkung gezeigt hat” und dies “aufgrund der wundballistischen Erkenntnisse unter den gegebenen Umständen zu erwarten” war, wie es in dem Gutachten wörtlich heißt. Die diesbezüglichen Aussagen des Beschuldigten und der Zeugen “sind daher im Einklang mit den biomechanischen Vorgängen im menschlichen Körper zu bringen”, hält Wieser fest.

Die tatsächliche Waffenwirkung entspreche oftmals nicht den Vorstellungen, wonach ein von einem Schuss Getroffener weggeschleudert werde, erläutert der Experte in seinem ausführlichen Gutachten. Die Intensität des empfundenen Schmerzes sei einerseits abhängig von den biomechanischen Vorgängen im Körper des Getroffenen und andererseits vom psychischen Zustand des Getroffenen. In einem entsprechenden psychischen Ausnahmezustand, der in einer Kampfsituation im Regelfall gegeben sei, könne die objektiv vorhandene Verletzung mangels subjektiv spürbaren Schmerzes nicht wahrgenommen werden, wodurch die Handlungsfähigkeit vorerst nicht beeinträchtigt werde.

Gutachten bestätigt Schmerzunempfindlichkeit

Unterdessen ist bei der Justiz auch ein psychiatrisch-neurologisches Gutachten über den Zustand der angeschossenen und lebensgefährlich verletzten Frau eingelangt. Demnach soll sich die 37-Jährige zum Tatzeitpunkt in einem psychotischen Zustand befunden haben, wodurch vollkommene Schmerzunempfindlichkeit eingetreten sei. Dass sie von zahlreichen Schüssen getroffen wurde, soll sie demnach “zumindest in den ersten Minuten des Geschehens nicht einmal bemerkt” haben.

Nach Angaben der Notärztin, die den Abtransport der Frau veranlasst hatte, soll die 37-Jährige noch im Rettungswagen versucht haben, sich aufzurichten, weshalb sie fixiert werden musste. Die Ärztin hatte unmittelbar nach dem Einsatz, bei dem die Schüsse fielen, einen entsprechenden Vermerk angelegt.

(apa/red)

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