"Pädophile Neigungen": Wiener Nachhilfelehrer vor Gericht

Der Nachhilfelehrer bekannte sich zu den Vorwürfen nur teilweise schuldig.
Der Nachhilfelehrer bekannte sich zu den Vorwürfen nur teilweise schuldig. ©APA/Sujet
Den Kontakt mit seinen Schülerinnen soll ein Nachhilfelehrer genutzt haben, um sich an zwei minderjährigen Mädchen zu vergehen. Am Freitag musste er sich deswegen am Wiener Landesgericht verantworten. Der 41-Jährige bekannte sich nur teilweise geständig.
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Trotz eindeutiger Aussagen seiner Opfer verantwortet sich der 41-Jährige nur teilweise geständig und versuchte, seine Taten herunterzuspielen.

Der Mann hatte beiden Mädchen Mathematik-Nachhilfe gegeben. Im März/April 2013 vergriff er sich laut Anklage an einer zwölfjährigen Schülerin, wobei es einmal zu einer derart gravierenden Handlung kam, dass die Staatsanwaltschaft diese einer Vergewaltigung gleichsetzt.

Weitere fünf derartige Taten mit dem selben Opfer sowie der Einsatz von Gewalt wurden vom Beschuldigten in Abrede gestellt. Ebenso hätte er 2007/2008 eine damals 13-Jährige nicht derart massiv “begrapscht”, wie es diese darstellt.

Geistige-seelische Abartigkeit bescheinigt

In einem psychiatrischen Gutachten wird dem Mann eine höhergradige geistige-seelische Abartigkeit bescheinigt. Zwar liegt nach Ansicht des Sachverständigen keine Zurechnungsunfähigkeit vor, doch bescheinigt er dem 40-Jährigen eine Persönlichkeitsstruktur, die befürchten lässt, dass er ohne entsprechende Behandlung ähnlich gelagerte Straftaten setzen könnte. Deshalb könnte er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden, wie es Staatsanwältin Dagmar Pulker fordert.

“Auch wenn sich alles in mir sträubt, habe ich offensichtlich pädophile Neigungen”, gab der 41-Jährige zu. Dies will er etwa 2007 bemerkt haben. “Haben Sie gedacht, dass es dann eine gute Idee ist, Nachhilfe zu geben und so Kontakt zu jungen Mädchen zu bekommen?”, wollte Richterin Martina Krainz wissen. “Ich habe das ausgeblendet.”

Sexuelle Andeutungen bei jungen Mädchen

Bereits 2008 und 2011 hatte es Anzeigen gegen den Mann gegebenen, weil er junge Mädchen über Facebook und in Chats mit sexuellen Andeutungen belästigte. “Ich war neugierig, wie sie auf sexuelle Themen reagieren.” Den im Internet geschilderten Missbrauch einer Elfjährigen und einer Zweijährigen tat er vor Gericht als Erfindungen oder abgewandelte Geschichten anderer Pädophiler ab. Dass er eine 14-Jährige zweimal aufforderte, ihre kleine Schwester oral zu missbrauchen, sei eine “Kurzschlusshandlung” gewesen.

Insgesamt vier Mädchen aus der Unterstufe habe er Nachhilfe gegeben haben. Zwei davon soll er massiv missbraucht bzw. begrapscht haben. Eine weitere Minderjährige berichtet von ungewünschten Berührungen und beschrieb den Lehrer so: “Er kam mir vor wie ein Freak. Ich kenne viele Freaks, aber er war der Oberfreak.”

Auch wenn der 41-Jährige hofft, nicht eingewiesen zu werden, sah er ein, dass “es ohne Hilfe bei mir nicht geht”. Da der psychologische Sachverständige nicht erschienen war, vertagte Richterin Martina Krainz auf den 15. November.

(APA)

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