Opferschutzeinrichtungen vermelden trotz Krise keinen Anstieg bei Betreuten

Streit in der Familie kann in der momentanen Krisensituation theoretisch schneller zu gewaltsamer Eskalation führen
Streit in der Familie kann in der momentanen Krisensituation theoretisch schneller zu gewaltsamer Eskalation führen ©Pixabay (Sujet)
Entgegen anders lautender Befürchtungen haben die österreichischen Gewaltschutzzentren und Frauenhäuser bisher keinen Anstieg von einschlägigen Vorfällen beobachtet.
Kein Anstieg häuslicher Gewalt
Experten warnen vor mehr Gewalt

Ein Anstieg der Betretungs- und Annäherungsverbote oder der Gesamtzahl der betreuten Personen wurde bislang nicht verzeichnet. "Die Gründe für diese Entwicklung können vielfältig sein, erst im Laufe der Zeit wird man konkrete Faktoren erkennen können", teilten die Opferschutzeinrichtungen am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Auf erhöhte Nachfrage ist man gut vorbereitet

"Wir wissen in Wirklichkeit nicht, wie sich einzelne Faktoren der Maßnahmen auf das Zusammenleben im Familiensystem auswirken werden. Sollte es in weiterer Folge zu erhöhter Nachfrage kommen, sind wir jedenfalls gut vorbereitet", hieß es. "Menschen, die in Konfliktsituationen im Familienverband bisher nicht gewalttätig waren, werden es auch in diesen Zeiten nicht werden. Ich bin sogar zuversichtlich, dass die Entschleunigung dazu beitragen kann, dass in Familien neue Konfliktstrategien erprobt werden können", sagte Marina Sorgo, Bundesverbandsvorsitzende der Gewaltschutzzentren.

Erhöhtes Risiko bei Familien mit Gewalt-Vorgeschichte

Aber: "Ein erhöhtes Risiko sehe ich jedoch für Familien mit einer Vorgeschichte der Gewalt, die derzeit auch existenzbedrohende Probleme und Ängste haben", ergänzte sie. Ähnlich sah es auch Michaela Gosch vom Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser: "Wir rechnen damit, dass in Familiensystemen, die schon vor den Maßnahmen von Gewalt geprägt waren, mit Fortdauer des Ausnahmezustandes ein erhöhtes Eskalationsrisiko besteht." Sie befürchtete auch, dass die Maßnahmen ein Hemmschuh für den Ausstieg aus einer Gewaltbeziehung sein könnten.

Corona-Krise: Gewaltschutzsystem funktioniert auch in Krisenzeiten

"Wichtig ist es jetzt zu vermitteln, dass das Gewaltschutzsystem auch in Krisenzeiten funktioniert. Sowohl die Gewaltschutzzentren als auch die Frauenhäuser bieten weiterhin ihre Unterstützungsleistungen an. In den Frauenhäusern stehen österreichweit weiterhin genügend Plätze zur Verfügung", betonten Sorgo und Gosch.

(apa/red)

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