Messer-Attacke gegen Mutter und Großmutter in Wien-Floridsdorf: Prozess gegen 17-Jährigen

In diesem Haus in Floridsdorf griff der Bursche zum Messer
In diesem Haus in Floridsdorf griff der Bursche zum Messer ©APA/Herbert Neubauer
Dieser Fall, der in Wien-Floridsdorf geschah, sorgte zu Jahresbeginn für viel Aufsehen: Ein 17-jähriger Bursche hatte auf seine Mutter und Großmutter mit einem Butterfly-Messer insgesamt 27 Mal eingestochen. Nun steht er in Wien wegen versuchten Doppelmords vor Gericht - und gibt an, dass er sich ungeliebt gefühlt habe. Eine geplante Abtreibung und Drogen trieben ihn scheinbar zum Äußersten.
Die doppelte Messer-Attacke
Opfer sind stabil
Am Tatort in Wien 21

Die Anklage gegen den 17-Jährigen, der sich am Donnerstag wegen der Tat in Floridsdorf im Wiener Straflandesgericht zu verantworten hatte, lautet auf versuchten Mord an seiner Mutter und seiner Großmutter.

Der Bursch ist daraufhin wegen versuchten Totschlags zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Die auf versuchten Doppelmord lautende Anklage wurden von den acht Geschworenen einstimmig verworfen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der Bursch sichtlich erleichtert die Strafe annahm, legte der Staatsanwalt Strafberufung ein.

Bei einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren erschien dem Schwurgericht (Vorsitz: Norbert Gerstberger) das verhängte Strafausmaß schuld- und tatangemessen. Mildernd wurden die ungünstigen Erziehungsbedingungen gewertet, erschwerend demgegenüber die brutale Vorgangsweise. 

27 Messerstiche in Wien-Floridsdorf

Der Jugendliche hatte am 8. Jänner 2012 in Wien-Floridsdorf mit einem Butterfly-Messer zunächst zehnmal auf die 44-jährige Mutter eingestochen und, als diese um Hilfe rief, der herbeieilenden 66 Jahre alten Oma 17 Stiche in Hals, Brust, Schulter und Oberarme versetzt. “Er ist explodiert”, konstatierte Verteidiger Rudolf Mayer.

Der in einem blütenweißen Hemd und dunkler Hose erschienene Angeklagte, der äußerlich wie ein Musterschüler wirkte, bestritt den Tötungsvorsatz. Er bekannte sich lediglich der Körperverletzung schuldig. Motiv für das blutige Geschehen war seinem Anwalt zufolge, dass er sich von seinen Verwandten ungeliebt fühlte und wenige Tage zuvor von seinem Vater bestätigt bekommen hatte, dass ihn seine Mutter seinerzeit abtreiben hätte wollen. Diese Umstände sollen ihn zu der Tat in Floridsdorf getrieben haben.

Drogen und eine geplante Abtreibung waren im Spiel

“Es war Verzweiflung und Hass gleichzeitig”, schilderte der 17-Jährige, was in ihm vorging, als er zum Messer griff. Nach einem Besuch bei seiner Freundin war er nach Hause gekommen, wo ihn seine Mutter zur Rede stellte, da sie ihm anmerkte, dass er Suchtmittel konsumiert hatte. “Du bist eh nur ein Scheißjunkie. Am liebsten hätte ich dich abgetrieben”, schrie ihn die 44-Jährige an.

Als sich auch noch die Großmutter einmischte, bei der der Bursch von Geburt an lebt, und ihm beschied, sie würde ihn “am Liebsten raushauen, weil ich dich eh nicht brauche”, kochte es im 17-Jährigen hoch. Seit mehr als einem Jahr kannte er die Gerüchte, dass er eigentlich abgetrieben hätte werden sollen und seine Mutter das Geld schon beisammen hatte, dieses dann jedoch dafür verwendete, um sich Drogen zu kaufen. Erst wenige Tage zuvor hatte ihm der von der Mutter getrenntlebende Vater diese Geschichte bestätigt.

“Ich war frustriert. Dann ist das halt passiert”, gab der Angeklagte zu Protokoll. Auf Frage des Staatsanwalts bestätigte er, in einer Art “Blutrausch” gefallen zu sein. Das Gefühl sei “unbeschreiblich. Es war aufbrausend”.

Mutter und Großmutter überlebten durch Not-OP

“Er hat beide zu töten versucht. Es ist ihm zum Glück nicht gelungen. Beide haben dank einer Notoperation glücklicherweise überlebt”, stellte der Staatsanwalt fest. Die Geschworenen sahen das anders. Sie billigten dem Jugendlichen zu, auf die Aussage der Mutter hin in einer allgemein begreiflichen und zugleich heftigen Gemütsbewegung gehandelt zu haben. “Er ist explodiert”, hatte ihnen Verteidiger Rudolf Mayer mit auf den Weg in die Beratung über die Schuldfrage gegeben.

Der 17-Jährige war nach der Tat zu einer befreundeten Nachbarin geeilt, der er stammelnd mitteilte, er habe “die Mama und die Oma umgebracht”. Sein Verteidiger wies mehrfach darauf hin, welch ungünstigen Start ins Leben der Bursch gehabt hätte: Beide Elternteile waren schwer drogensüchtig, die Mutter konsumierte noch während der Schwangerschaft Heroin. Das Kind kam als sogenanntes blaues Baby zur Welt – infolge des mütterliches Drogenmissbrauchs musste der Bub bis zu seinem 14. Lebensjahr medizinisch behandelt werden.

Sowohl Mutter als auch Großmutter entschlugen sich im Zeugenstand der Aussage. Die Großmutter tat das unter Tränen. “Bitte geben Sie ihm die Mindeststrafe! Er ist eh so arm. Er hat sowieso niemanden”, bat sie das Gericht um Milde für die Tat in Floridsdorf.

Nach der Urteilsverkündung fielen dem 17-Jährigen beide Frauen eben so erleichtert um den Hals wie seine Freundin, mit der er vor dem Gerichtssaal händchenhaltend, wenn auch in Handschellen auf den Ausgang des Strafverfahrens gewartet hatte.

(apa/red)

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