AA

Matter Auftakt zu den Wiener Festwochen: Satireversuch "Join!"

"Join": Zu sehen im Rahmen der Wiener Festwochen
"Join": Zu sehen im Rahmen der Wiener Festwochen ©Nurith Wagner-Strauss
Verhaltenen Zuspruch gab es für die Uraufführung des Musiktheaters "Join!" von Franz Koglmann und Librettist Alfred Zellinger am Mittwochabend im Rahmen der Wiener Festwochen 2013. Das Publikum wurde bei der Aufführung "eingesperrt".
Umstritten: Jesus-Stück
Eröffnung am Freitag
Reihe: "unruhe der form"
Programm & Premieren
Rekordbilanz 2012
Eröffnung im Fernsehen
Letztes Mal für Luc Bondy

Böse Zungen könnten sagen: Wenn man Bedenken hat, dass einem das eigene Publikum abhandenkommt, sperrt man es ein. Nach dieser Maxime haben am Mittwochabend scheinbar die Macher der Musiktheateruraufführung “Join!” gehandelt. Bei der ersten Premiere im Rahmen der heurigen Wiener Festwochen (die offiziell erst am Freitag eröffnet werden) führte man das Publikum der Wirtschaftssatire zur Stückmitte zum “Coffee-Break” auf die Hinterseite der Bühne – und riegelte damit den Ausgang bis zum Stückende ab.

Applaus nach “Join!”-Aufführung matt

Der danach folgende matte Applaus der verbliebenen Zuschauer wurde noch mittels Orchesterbegleitung notdürftig am Leben gehalten. Als dann auch noch – ungeachtet des derlei Enthusiasmus nicht rechtfertigenden Publikumszuspruchs – Zugaben folgten, trat ein virulenter Teil des Auditoriums den Rückzug durch den eigentlich nicht dafür vorgesehenen Hinterausgang an.

Was war geschehen? Komponist Franz Koglmann und sein Librettist Alfred Zellinger haben mit “Join!” eine musikalische Bearbeitung von Zellingers Theaterstück “Spiel der Konzerne” erarbeitet. Der Großkonzern Gen&Brain hat einen Biochip entwickelt, der, implantiert, den Menschen permanent online hält. Obgleich die Komödie durchaus aktuelle Themen behandelt wie die heutige Welt der Großkonzerne und künstlerische Intelligenz, bleibt das Ganze seltsam unbeholfen, schablonenartig, ungewollt trashig.

Erinnerungen an Star Trek

Klischeehafte Abziehbilder des Managerlebens und ein an Barbarella erinnerndes Modell als Prototyp des neuen Menschen stellen das Ensemble, wobei die Figuren von Nora Scheidl in Anzüge gekleidet wurden, die an die alten Star-Trek-Episoden erinnern. Und ähnlich tollpatschig wirkt das, was auf der Bühne verhandelt wird. In Denglisch radebrechen sich die Figuren durch das Stück, das in seinen besten Momenten an ein an Kurt Weill geschultes Musical erinnert – in seinen schlechtesten jedoch an manche Maturafeier-Mitternachtseinlage.

Dabei scheitert es nicht am guten Willen der Beteiligten. Koglmann schafft als Vertreter der Verbindung von Klassik und Jazz ein wahres Stilkompendium aus Broadwayreißer und Sprechstück, das Mozart wie Beethoven ebenso anreißt wie 50er-Jahre-Rock ‘n’ Roll und sich Windows-Töne als Leitmotiv heranzieht. Die vom Ensemble die reihe tadellos interpretierte Partitur bleibt damit jedoch ein etwas charakterarmer Hybrid.

Weiterhin zu sehen bei den Wiener Festwochen

Ähnlich ergeht es der Regie von Michael Scheidl, die durchaus mit einnehmenden Ideen wie der Zuschauerverlagerung (wenn man vom Einsperren einmal absieht) oder zahlreichen Videoeinspielungen aufwartet, letztlich jedoch ein trockenes Libretto auch nicht zum Blühen bringen kann.

“Join!” von Franz Koglmann nach einem Libretto von Alfred Zellinger ist in der Halle E des Wiener Museumsquartiers zu sehen. Weitere Aufführungen gibt es am 9., 10., 11. und 12. Mai.

Weitere Infos zu den Wiener Festwochen finden Sie hier.

(apa/red)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Matter Auftakt zu den Wiener Festwochen: Satireversuch "Join!"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen