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Mann bekam Bierflasche an den Kopf und starb: Prozess in Wien

Der 40-Jährige starb nach dem Wurf durch die Bierflasche.
Der 40-Jährige starb nach dem Wurf durch die Bierflasche. ©dpa/Sujet
Prozess im Wiener Landesgericht: Ein 23-Jähriger soll am 22. Dezember 2012 seinem Opfer eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen oder geworfen hatte. Der Verletzte ist kurz darauf gestorben.
Mann bekam Bierflasche an den Kopf: Tot
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Der 40-jährige Markus L. erlitt ein Cut und blutete. Dennoch wies er jede ärztliche Hilfe zurück und besuchte zwei weitere Lokale. Fünf Tage später wurde er tot in seiner Wohnung gefunden.

Der Beschuldigte wurde vom Schöffensenat nicht rechtskräftig zu 33 Monaten, davon elf Monaten unbedingter Haftstrafe verurteilt.

Der 23-Jährige bekannte sich schuldig zu dem Vorfall und schilderte, dass er mit einem Freund auf einer Weihnachtsfeier war und dort ein paar Bier konsumiert habe. Danach sei man ins “Da Capo” gegangen und setzte sich zu zwei Männern und einer Frau dazu. Das spätere Opfer soll die Frau heftig beschimpft haben, bis sie von ihren Zechkumpanen zu den beiden jüngeren Neuankömmlingen abrückte. Was Markus L. offenbar noch mehr in Rage brachte: Er attackierte den Freund des Angeklagten mit Fäusten und Tritten.

Streit in Lokal: Mann griff zu Bierflasche

Der Beschuldigte kam diesem zu Hilfe und zog Markus L. eine Bierflasche über den Kopf.

Nach unterschiedlichen Angaben der großteils schwer alkoholisierten Beteiligten könnten es auch zwei Flaschen oder ein Glas gewesen sein. Während der 40-Jährige aus einer Kopfwunde stark blutete, verließen der Angeklagte, sein Freund und die Frau das Lokal. Man fuhr zu ihr nach Hause, wo es nach Angaben der jungen Männer zuerst Bier und dann Sex gab. Die Zeugin, die nach eigenen Angaben bereits am 21. Dezember zu Hause acht große Bier konsumiert hatte, bevor sie um 21.00 Uhr ins “Da Capo” gekommen sei, bestätigte dies nur insofern, als sie meinte: “Dann sollen wir Sex gehabt haben.” Sie könne sich aber nicht mehr erinnern.

Opfer trank mit Wunde in anderen Lokalen weiter

Das Opfer blieb etwas im Lokal, wies alle Angebote, die Rettung zu holen, zurück und ging dann mit einem Zechkumpan weiter ins etwa 200 Meter entfernte “Cafe Chicago”. Die Kellnerin dort gab ihm angesichts seines Zustandes nichts mehr zu trinken, sondern wollte die Rettung holen. “Da war er aber schon wieder weg”, erzählte sie. Ein Hausmeister berichtete schließlich, dass ihm erzählt worden sei, ein am Kopf blutender Mann habe in einem weiteren Lokal noch zwei Bier getrunken.

Laut Verteidiger Norman Hofstätter begab sich das Opfer schließlich nach Hause, soll dort in sein “Hobbyzimmer” gegangen sein, wo ein bis zwei Hanfstauden hochgezogen wurden, und sich dort noch einen Joint gerollt haben. Fünf Tage später wurde er von seiner Vermieterin dort tot aufgefunden.

Juristisch spannend war vor allem die Frage, ob der Angeklagte mit derartigen Folgen beim Opfer rechnen musste. Auch der Sachverständige konnte die Frage nicht erschöpfend behandeln. Das Opfer war durch seinen Alkoholisierungsgrad und den nachfolgenden Drogenkonsum offenbar in seinem Bewusstsein zu sehr beeinträchtigt, um die Folgen der Verletzung abschätzen zu können. Der Schöffensenat entschied letztlich zugunsten des Angeklagten und reagierte mit einem relativ milden Urteil.

(APA)

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