Lockdown: Wirtschaft will nach "Vollbremsung vor Weihnachten" Unterstützung

Die Wirtschaft rief nach der Lockdown-Ankündigung nach finanzieller Unterstützung.
Die Wirtschaft rief nach der Lockdown-Ankündigung nach finanzieller Unterstützung. ©APA/GEORG HOCHMUTH (Symbolbild)
Die Wirtschaft will nach dem Freitagvormittag angekündigten Corona-Lockdown in ganz Österreich finanzielle Hilfen.
Harter Lockdown ab Montag
Impfpflicht ab Februar
PK mit Blümel

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer und Generalsekretär Karlheinz Kopf sprachen heute von einer "Vollbremsung vor Weihnachten" und forderten: "Rasch wirkende Wirtschaftshilfen sind jetzt alternativlos. Diese haben sich bereits bewährt und müssen erneut zum Einsatz gebracht werden."

Wirtschaftskammer über Corona-Impfpflicht

Zur angekündigten Impfpflicht ab Februar 2022 meinte die Wirtschaftskammer-Spitze: "Die Wirtschaft begrüßt jede Maßnahme, die wirksam zur Erhöhung der Impfquote beiträgt. In erster Linie gilt es daher für umfassende Aufklärung quer durch die Bevölkerung und durchdachte Anreize für die Impfung zu sorgen." Schulschließungen wiederum dürften Eltern nicht vor Betreuungsprobleme stellen.

Industriellenvereinigung kann Lockdown nachvollziehen

Verständnis für den Lockdown herrscht auch bei der Industriellenvereinigung (IV). IV-Präsident Georg Knill betonte, dass aber Sorge getragen werden müsse, "dass es durch die nun gesetzten Schritte zu keinen wirtschaftlichen Verwerfungen in einem Ausmaß kommt, dass die gegenwärtige Erholung und den Rückgang der Arbeitslosigkeit nachhaltig beeinträchtigt wird". Wichtig sei es, dass die Produktion "am Laufen und Lieferketten intaktgehalten werden".

"Als österreichische Industrie tragen wir daher die nunmehrige Entscheidung für eine allgemeine Impfpflicht mit", stellte der IV-Präsident klar. Dazu müsse "der grassierenden Faktenresistenz und zunehmenden Wissenschaftsfeindlichkeit entschlossen entgegentreten" werden. "Die Pandemie ist ein naturwissenschaftliches Phänomen und kann daher mit Technik und Naturwissenschaft gemeistert werden", betonte Knill.

Verständnis für Lockdown von Tourismus-Seite

Obwohl die Lage für den Tourismus wegen des Lockdowns schwierig ist, gibt es auch ein gewisses Verständnis dafür. "Der generelle Lockdown trifft Tourismus und Freizeitwirtschaft genau zum Start von Wintersaison und Weihnachtsgeschäft ungebremst und in voller Härte. Er ist aber angesichts der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems sowie zur Rettung der Wintersaison wohl unausweichlich", meinte mit Robert Seeber der Tourismus-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer (WKÖ).

Seeber drängt auf "rasche und unbürokratische Wirtschaftshilfen", um den Betrieben und deren Mitarbeitern in dieser kritischen Phase eine Perspektive zu geben. Die Impfpflicht sei ein Ansatz, um endlich dauerhaft aus dem "Stop-and-Go-Betrieb" auszubrechen. Allerdings appelliere er weiterhin an die ungeimpfte Bevölkerung, nicht erst auf ein solches Gesetz zu warten, sondern sich ehestmöglich impfen zu lassen. Dadurch schütze man sich selbst, die eigene Familie und Freunde. "Eine fünfte Welle soll es nicht geben. Unser gemeinsames Ziel muss sein, im Jahr 2022 endlich zu ganzjähriger Normalität zurückzukehren", so der Touristiker.

Lockdown für Hotellerie-Obfrau schmerzlich

Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer, sieht nun zumindest eine Perspektive: "So schmerzlich der neuerliche Lockdown ist: er soll mit 12. Dezember ein fixes Ablaufdatum für Geimpfte und Genesene haben. Diese klare Befristung ist sowohl für Betriebe als auch MitarbeiterInnen und Gäste ein wichtiges Signal und ermöglicht Planbarkeit."

Auch sie drängt auf neue Hilfen. Die Branche müsse die "sehr schmerzlichen Maßnahmen" gezwungenermaßen mittragen, um zumindest die für die Wintersaison wichtige Zeit von Jänner bis März zu retten. Die Wintersaison hänge nun neuerlich "an einem seidenen Faden", sagt Kraus-Winkler. Die Beschäftigten drohten angesichts der großen Unsicherheit nun endgültig aus der Branche abzuwandern. "Unsere Betriebe brauchen eine einfache, unbürokratische und 100-prozentige Kurzarbeitsbeihilfe ab dem ersten Tag, eine Verlängerung der direkten Zuschussmodelle, eine Verlängerung der Laufzeiten der Überbrückungskredite sowie Maßnahmen zur langfristige Bereinigung der Neuverschuldung", fordert Kraus-Winkler am Freitag in einer Aussendung.

Hintergrund von Lockdown

Betreffend der angekündigten Impfpflicht gebe es jetzt zumindest Klarheit. Unverständlich sei es, dass kein größerer Fortschritt beim Impfen erzielt wurde. Mit den "immensen Schwierigkeiten in der PCR-Testinfrastruktur" führe dies dazu, dass die Betriebe nun wieder in einen Lockdown geschickt werden, obwohl sie laut der Branchenvertreterin seit der Wiederöffnung im Frühjahr sämtliche Maßnahmen mitgetragen und umgesetzt haben. "Man hinkt, wie schon im vergangenen Jahr, der rasanten Entwicklung bei Inzidenzen und Spitalsbelegungen hinterher. Unverständnis, Frustration und auch Wut beschreiben wohl am besten die Emotionen, die aktuell in der Branche vorherrschen."

Die Reisebüros sehen in den heute angekündigten Maßnahmen einen "wirtschaftlich kaum zu verkraftenden Schlag", sagt Gregor Kadanka, WKÖ-Obmann der Reisbüros. Schon im Sommer hätten sich die Erwartungen leider nicht erfüllt. Für den Winter habe man vorsichtig mit 2G geplant, selbst dies treffe nun nicht mehr zu. "Mitten in der normalerweise buchungsstarken Zeit sind unsere Betriebe mit einer Stornowelle konfrontiert. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit deshalb leider wieder am Limit. Die österreichischen Reisebüros und ihre Mitarbeiter brauchen nun dringend Unterstützungsmaßnahmen, sonst geht ihnen sprichwörtlich die Luft aus", fordert Kadanka.

(APA/Red)

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