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Job-Statistik: 875.000 sind arbeitslos oder in Kurzarbeit

Die Gastronomie ist besonders stark von der Coronakrise betroffen.
Die Gastronomie ist besonders stark von der Coronakrise betroffen. ©APA/HANS PUNZ
Die Coronakrise hat Österreichs Wirtschaft weiter im Griff. Im Vorjahresvergleich waren im August um 27,9 Prozent mehr Menschen ohne Job. Der Tourismus war dabei am stärksten betroffen.
Arbeitslosenhilfe nicht auf Mindestsicherung angerechnet

Die Coronakrise wirkt sich weiterhin stark auf den österreichischen Arbeitsmarkt aus. Im August waren 422.910 Personen ohne Job, das sind um 92.219 Personen bzw. um 27,9 Prozent mehr als im August 2019. Davon waren 371.893 Personen (+33,2 Prozent zum Vorjahresmonat) beim AMS arbeitslos gemeldet und 51.017 Personen (-1,0 Prozent) in Schulung.

Über 450.000 in Kurzarbeit

In Kurzarbeit sind aktuell nach Angaben des Arbeitsministeriums 452.499 Menschen, die Zahl ist laut Ministerium seit Ende Juli in etwa konstant.

Die Covid-19-Krise führte seit Mitte März 2020 zu einem extremen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen geht zwar seit Mitte April zurück, dennoch liegt die Zahl der beim AMS vorgemerkten Personen weit über dem Niveau des Vorjahres.

Tourismus, Beherbergung und Gastronomie am stärksten betroffen

Von den Branchen am stärksten betroffen ist der Tourismus mit Beherbergung und Gastronomie, wo sich die Arbeitslosigkeit (inklusive Schulungen) gegenüber dem Vorjahr um 55,7 Prozent auf 50.788 Personen massiv gesteigert hat.

Größere Lehrstellenlücke und weniger freie Jobs

Die Lage für Arbeitslose und angehende Lehrlinge blieb auch im August schwierig. So gibt es mehr Lehrstellensuchende als angebotene Lehrstellen, es fehlen 2.822 Lehrstellen. Die Lehrstellenlücke hat sich durch die Coronakrise deutlich erhöht. Den 10.483 sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden (ohne überbetriebliche Lehrausbildung) standen 7.661 sofort verfügbare Lehrstellen gegenüber.

Die beim AMS gemeldeten sofort verfügbaren offenen Arbeitsstellen sind mit 66.005 um 19,4 Prozent bzw. um 15.901 weniger als im August 2019. Vergleicht man die angebotenen offenen Stellen mit den sofort verfügbaren Arbeitssuchenden (ohne Schulungen), zeigt sich eine Relation von 5,6, das heißt auf eine offene Stelle kommen rein rechnerisch 5,6 Arbeitssuchende.

Tirol mit der höchsten Steigerung

Bei den Bundesländern war die höchste relative Steigerung im Jahresvergleich in Tirol zu verzeichnen, wo es im August um 56,8 Prozent mehr Arbeitslose (inklusive Schulungsteilnehmer) gab. Die stärkste Steigerung in absoluten Zahlen verzeichnete Wien mit einem Plus von 37.391 Arbeitslosen. Bei Inländern stieg die Zahl der Arbeitslosen um 24 Prozent, bei Ausländern um 36 Prozent.

Die meisten Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer, nämlich 242.534, sind im Haupterwerbsalter von 25 bis 49 Jahren. Arbeitslos und 50 Jahre oder älter sind 118.615 Personen, und unter 25 Jahren gibt es 61.761 Arbeitslose.

Nach Branchen differenziert leiden Beherbergung und Gastronomie mit einem Arbeitslosen-Anstieg von 55,7 Prozent am stärksten unter der Coronakrise, gefolgt von Verkehr und Lagerei mit einem Plus von 47,8 Prozent und Bau mit 35,3 Prozent. Die Warenproduktion verzeichnet um 30,2 Prozent mehr Arbeitslose, der Handel um 28,7 Prozent und der Bereich Arbeitskräfteüberlassung um 25,5 Prozent. Sogar im Gesundheits- und Sozialwesen gab es einen Anstieg der Arbeitslosen um 19,6 Prozent.

Anstieg um 28,2 Prozent in Wien

Die Coronakrise hat auch den Wiener Arbeitsmarkt weiterhin fest im Griff. Im August waren 148.183 Personen arbeitslos gemeldet - um ein Drittel (33,1 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Bei den Schulungsteilnehmern gab es ein Plus von 2,7 Prozent auf 21.844. In Summe stieg damit die Anzahl der Menschen ohne Job in der Bundeshauptstadt um 28,2 Prozent, wie das AMS Wien am Dienstag mitteilte.

Immerhin zeichnet sich bezüglich der jüngeren Entwicklung am Wiener Arbeitsmarkt eine leichte Entspannung ab. Denn im August waren um 1,2 Prozent oder mehr als 2.000 Menschen weniger auf Jobsuche als noch im Juli. Gegenüber dem bisherigen Höchststand Ende März beträgt das Minus sogar 13,9 Prozent. Im Jahresvergleich ist die Arbeitslosigkeit vor allem in der Hotellerie und Gastronomie (plus 69,7 Prozent) gestiegen, gefolgt vom Bausektor (plus 36,8), dem Einzelhandel (plus 27,3) und der Warenproduktion (26,8).

Was die Kurzarbeit betrifft, wurden inzwischen fast 38.000 Projekte genehmigt, mehr als ein Viertel davon sind Verlängerungen. "Von den nahezu 100.000 von den Wiener Betrieben eingebrachten Abrechnungen sind bereits 95 Prozent verarbeitet", erklärte AMS-Wien-Chefin Petra Draxl in einer Aussendung.

Mehr Personen bei AMS-Schulungen

Das Arbeitsministerium betont die Fortschritte gegenüber dem Vormonat Juli: So konnten im Tourismus 6.000 Personen wieder in Jobs vermittelt werden. Gegenüber Ende Juli 2020 sank die Arbeitslosigkeit um 12.058 Personen und die AMS Schulungsteilnahmen stiegen um 5,0 Prozent.

Geschätzte 3,768.000 Personen, das sind rund 70.000 Personen bzw. 1,8 Prozent weniger als im August 2019, befanden sich Ende August 2020 in unselbstständigen Beschäftigungsverhältnissen.

(APA/red)

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