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"Inakzeptabel langsam": WHO kritisiert Impf-Tempo in Europa

Laut WHO sei das europäische Impf-Tempo "inakzeptabel langsam".
Laut WHO sei das europäische Impf-Tempo "inakzeptabel langsam". ©APA/EXPA/JOHANN GRODER
Um die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bekommen, muss Europa nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) viel schneller impfen.
Österreich schafft bis Juli wohl nur 50 %

Die Geschwindigkeit, in der in Europa Corona-Vakzine verabreicht würden, sei "inakzeptabel langsam", kritisierte WHO-Europa-Direktor Hans Kluge am Donnerstag. Die schleppende Verteilung der Impfstoffe in Europa führe zu einer "Verlängerung" der Pandemie.

Beschleunigung der europäischen Impfprogramme gefordert

"Impfstoffe sind gegenwärtig unser bester Weg, um aus dieser Pandemie herauszukommen", erklärte Kluge. Er forderte eine Beschleunigung der europäischen Impfprogramme durch eine Ankurbelung der Produktion und den Abbau bürokratischer Hürden. "Jede einzelne Ampulle, die wir vorrätig haben, muss genutzt werden - jetzt."

Die Infektionslage in Europa bezeichnete die WHO als so "besorgniserregend" wie seit Monaten nicht mehr. Während in Europa noch vor vier Wochen wöchentlich weniger als eine Million Neuinfektionen verzeichnet worden seien, habe die Zahl der Neuansteckungen in der vergangenen Woche bereits bei 1,6 Millionen gelegen. Bald werde Europa die Marke von 45 Millionen Corona-Infektionen seit Pandemie-Beginn überschreiten. Die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus in der Region bewege sich derzeit "schnell auf die Million zu", hieß es weiter.

Die Europa-Direktion der WHO ist für 53 Staaten zuständig, darunter auch für Russland und mehrere ehemalige Sowjetrepubliken in Zentralasien. In der gesamten Region hätten bis Donnerstag lediglich etwa zehn Prozent der Menschen die erste Corona-Impfung erhalten, nur vier Prozent seien vollständig gegen das Coronavirus immunisiert, beklagte die WHO.

WHO-Notfallkoordinatorin warnt vor weiteren Mutationen

Die WHO-Notfallkoordinatorin für Europa, Dorit Nitzan, warnte vor der Entstehung neuer Mutanten, sollte die Geschwindigkeit, in der sich das Coronavirus derzeit ausbreite, nicht gedrosselt werden. "Die Wahrscheinlichkeit neuer besorgniserregender Varianten steigt mit der Rate, in der das Virus sich repliziert und ausbreitet", erklärte sie. Entscheidend sei deshalb, die Virusübertragung "durch grundlegende Maßnahmen zur Krankheitskontrolle einzudämmen".

Die EU steht wegen ihrer Strategie zur Impfstoffbeschaffung massiv in der Kritik. Das von Brüssel formulierte Ziel, bis Ende März 80 Prozent der über 80-Jährigen sowie der Beschäftigten im Gesundheitswesen zu impfen, wurde wegen Lieferproblemen verfehlt. Nach Angaben der WHO nimmt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Europa derzeit in allen Altersgruppen zu - außer in der Gruppe der Über-80-Jährigen, die in vielen Ländern bereits weitgehend geimpft wurde. Die zuerst in Großbritannien entdeckte Corona-Variante sei inzwischen der dominante Virusstamm in Europa, erklärte die UN-Organisation weiter.

Experten: Lockdowns durch Maßnahmen vermeiden

Da die bereits in 50 Ländern nachgewiesene Mutante ansteckender sei als die Ursprungsvariante des Coronavirus und sie zudem häufiger zu schweren Krankheitsverläufen führen könne, habe sie "größere Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit". Um die Mutante unter Kontrolle zu bringen, seien unter anderem eine Erweiterung von Tests und Kontaktverfolgungsmaßnahmen sowie weitere Quarantäne-Regelungen nötig. Lockdowns sollten aus Sicht der Experten durch "rechtzeitige und gezielte" Maßnahmen vermieden werden.

Zu diesem Mittel solle dann gegriffen werden, wenn die Zahl der Covid-19-Erkrankungen die "Fähigkeit der Gesundheitsdienste, Patienten angemessen zu behandeln, überstrapaziert". Laut der UN-Organisation befinden sich derzeit 27 Länder der Europa-Region in einem vollständigen oder teilweisen Lockdown. In 21 Staaten gelten demnach nächtliche Ausgangssperren.

(APA/Red)

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