Hochwasser in Niederösterreich: Die Bilanz vom Wochenende

Im Bezirk Krems wurden Straßen zu Bächen.
Im Bezirk Krems wurden Straßen zu Bächen. ©APA/BFK KREMS/GERNOT ROHRHOFER
Niederösterreich wurde am Wochenende von Starkregen und Hochwasser heimgesucht. In mehreren Bezirken kamen die Feuerwehren gar nicht mehr zur Ruhe. Das Bundesheer musste die Wehren im Bezirk Melk unterstützen.
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Starkregen hat am Wochenende in Niederösterreich lokale Überflutungen und vollgelaufene Keller verursacht. Tausende Mitglieder von 240 Feuerwehren waren am Sonntagabend bei rund 600 Einsätzen beschäftigt. In Ferschnitz und Neuhofen a. d. Ybbs (jeweils Bezirk Amstetten) wurde Zivilschutzalarm ausgelöst. Der Pegel der Donau erreichte am Sonntag im Bezirk Krems die Hochwasseralarmstufe. Das Bundesheer unterstützte die Feuerwehren im Bezirk Melk.

Die Wiener Städtische rechnete mit Schäden in der Höhe von rund zehn Millionen Euro. "Heftige Unwetter im Sommer sind nicht untypisch, die Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts zeigt jedoch, dass die Intensität und die Häufigkeit von Naturkatastrophen grundsätzlich zunehmen", sagte Vorstandsdirektorin Sonja Steßl.

Samstag Starkregen rund um Wien

Während am Samstag in den Abendstunden vor allem die Bezirke rund um Wien betroffen waren, lag der Schwerpunkt der Einsätze am Sonntag im Mostviertel, an der Donau sowie in Teilen des Wald- und Weinviertels. Gewitterzellen gab es auch im Industrieviertel und nördlich von Wien.

Im Bezirk Amstetten war die Marktgemeinde Ferschnitz, für die ebenso wie für Neuhofen a. d. Ybbs Zivilschutzalarm galt, vorübergehend nicht erreichbar, weil eine Brücke weggerissen wurde. Laut Landeswarnzentrale waren beide Orte vom Hochwasser umschlossen, Bäche und kleinere Flüsse über die Ufer getreten. Die Einwohner wurden aufgerufen, in den oberen Stockwerken zu bleiben. In Neuhofen stand der Friedhof unter Wasser. Für Aschbach wurde eine Zivilschutzwarnung ausgelöst.

Bezirk Amstetten am Sonntag von Hochwasser betroffen

Am Sonntag waren fast alle 88 Feuerwehren des Bezirks Amstetten bei mehr als 400 Einsätzen gefordert, berichtete die FF in einer Aussendung. Vor allem Auspumparbeiten, das Absperren von Straßen sowie Aufräumarbeiten beschäftigten die Helfer, ebenso wie Menschenrettungen. Laut Bezirksalarmzentrale war dabei auch ein Hubschrauber im Einsatz. In Ernsthofen kam es zu einem Felssturz bei der Steyrer-Bahn, die gesperrt werden musste.

Hangrutschungen in Melk

Im Bezirk Melk verschärfte sich die Situation im Laufe des Nachmittags. Hier kam es zu Hangrutschungen. In Ybbs, Persenbeug, Emmersdorf und Schönbühel wurde der mobile Hochwasserschutz entlang der Donau aufgebaut. In Schönbühel-Aggsbach gab es großräumige Überflutungen. Die LB 33 war deshalb gesperrt.

Seit Sonntag ist auch das Bundesheer in einigen Hochwasser-Gebieten in Niederösterreich mit schwerem Gerät im Einsatz, berichtete das Verteidigungsministerium in einer Aussendung. Melker Pioniere lösten Verklausungen in Matzleinsdorf mit einem Bagger, auch für den Raum Neumarkt a. d. Ybbs (jeweils Bezirk Melk) wurde Unterstützung angefordert.

Warnung wegen steigender Donau

Am Abend betrug der Donaupegel bei der Messstelle Kienstock nahe Krems laut den Wasserstandsnachrichten des Landes Niederösterreich mehr als 780 Zentimeter. Bereits am Vormittag war die Warnstufe erreicht worden. Trotz der Alarmstufe bestehe derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung an der Donau, teilte die Feuerwehr Krems auf ihrer Internet-Seite mit.

Im Bezirk Krems ging am frühen Nachmittag ein schweres Gewitter nieder. "Innerhalb von zwei Stunden hat es an die 150 Liter pro Quadratmeter geregnet", berichtete die Feuerwehr. Die Folge waren laut Aussendung reißende Bäche, die sich aufgrund der Wassermassen bildeten und durch die Straßen der betroffenen Ortschaften Eggendorf, Höbenbach, Hörfarth, Meidling im Tal und Paudorf rauschten. Bewohner waren in ihren Häusern eingeschlossen, selbst die Feuerwehr in Höbenbach saß fest und konnte nicht ausrücken. Am Abend waren drei Katastrophenhilfsdienst-Züge aus den Bezirken Krems und Tulln sowie Feuerwehrtaucher und Zillenfahrer im Einsatz. Außerdem wurden fünf Großpumpen ins betroffene Gebiet gebracht.

Hochwasser-Einsätze auch in St. Pölten

Im Bezirk St. Pölten standen 49 Feuerwehren mit rund 600 Mitgliedern im Einsatz. "Straßen wurden zu reißenden Bächen, Regenwasser konnte nicht mehr versickern, Schlammmassen wälzten sich über Felder und Wiesen, eine Vielzahl von Kellern war mit Wasser vollgelaufen", berichtete das Bezirkskommando in einer Aussendung. Auch der Bezirk Scheibbs rückten fast alle Feuerwehren mit hunderten Mitgliedern aus, um u.a. Straßen von Muren zu befreien sowie Keller und Häuser auszupumpen.

Aufräumarbeiten in Niederösterreich angelaufen

Bereits am Sonntagabend hatte in den von Unwettern betroffenen Gebieten in den Bezirken Melk, Scheibbs, Krems, St. Pölten, Tulln, Mödling und Korneuburg ein erstes Aufräumen gestartet. Am Montag werde dies "im großen Stil" weitergehen, sagte Resperger, denn: "Die Schäden sind beträchtlich." Die Tätigkeiten der Helfer werden "in den nächsten Tagen andauern", ein Ende sei aktuell "noch gar nicht abschätzbar". Als Einsatzbereich galt u.a. das Befreien von Straßen vom Schlamm.

Donau zieht sich langsam zurück

Durchwegs angespannt zeigte sich in der Nacht auf Montag die Situation an der Donau, wie auch der ORF Niederösterreich berichtete. An der Messstelle in Kienstock (Bezirk Krems) lag der Pegel zwischenzeitlich bei beinahe acht Metern. Montagfrüh wurde ein Wert von 760 Zentimetern und damit bereits ein Rückgang verzeichnet. Mit einer weiteren Entspannung wurde gerechnet. "Die Donau sollte sich im Tagesverlauf zurückziehen", blickte Resperger voraus. Generell sei entlang des Flusses "die große Katastrophe ausgeblieben".

Im Einsatz standen in Niederösterreich seit Samstag rund 5.200 Mitglieder von 364 Feuerwehren. Ausgerückt wurde 950 Mal. Besonders hart getroffen worden war das Mostviertel, wo in Neuhofen a. d. Ybbs und Ferschnitz (Bezirk Amstetten) am Sonntag Zivilschutzalarm ausgelöst worden war. Für Aschbach-Markt (ebenfalls Bezirk Amstetten) galt eine Zivilschutzwarnung. Ein schweres Gewitter machte am Sonntagnachmittag auch dem Raum Paudorf (Bezirk Krems) zu schaffen. Am Abend standen fast 800 Feuerwehrleute, darunter drei Katastrophenhilfsdienst-Züge, in dem Gebiet im Einsatz.

Fallende Wasserstände in Oberösterreich

In Oberösterreich waren am Montagvormittag ebenfalls fallende Wasserstände zu erwarten, weil nach Mitternacht keine relevanten Niederschläge gefallen waren und auch in den kommenden Tagen mit keinen mehr zu rechnen ist. Der Höchststand an der Salzach war laut dem Hydrographischen Dienst Oberösterreich bereits Sonntagabend erreicht worden, ebenso am Inn in Schärding. Ähnliche Meldungen kamen von der Donau. Lediglich für Grein im Bezirk Perg wurde noch in den kommenden Stunden ein geringfügiger Anstieg vorhergesagt. In Steyr war alle Pegel der Enns und sowie der Oberlieger stark fallend.

In Schärding, wo mobile Hochwasserschutzelemente und Pumpenanlagen die Überflutung von zwölf Häusern verhindert hatten, waren am Montag noch Verkehrswege gesperrt. Mit den Aufräumungsarbeiten musste noch bis zum Rückzug des Wassers gewartet werden. Danach müsse es aber schnell gehen, bevor der zurückgelassene Schlamm bei Schönwetter extrem hart und dann nur noch schwer zu entfernen ist, hieß es seitens der Einsatzleitung.

B145 gesperrt

In mehreren Landesteilen waren noch Hauptverbindungen gesperrt. Die Salzkammergutstraße (B145) im Bezirk Gmunden bleibt nach einem Murenabgang in Traunkirchen im Bezirk Gmunden voraussichtlich bis Mittwoch nicht befahrbar. Dort war am Sonntag eine Autofahrerin trotz einer Totalsperre mit ihrer Familie unterwegs gewesen, bis sie in den Geröllmassen stecken blieb und von der Feuerwehr geborgen werden musste. Ein 30-jähriger Bergretter, der dort für eine Erkundung durch den Landesgeologen zur Sicherung ein Seilgeländer errichtete, wurde von einem oberhalb abgehenden kopfgroßen Stein getroffen. Er wurde verletzt, musste von seinen Kameraden geborgen und anschließend ins Spital eingeliefert werden. Auch im Stadtgebiet von Steyr sind Wege wegen Steinschlägen und Hangrutschungen bis auf Weiteres gesperrt.

In Kufstein waren rund 100 Feuerwehrleute seit den Morgenstunden unter anderem mit dem Auspumpen von Kellern und Tiefgaragen beschäftigt, berichtete Bürgermeister Martin Krumschnabel im APA-Gespräch. Noch bis etwa 21.30 Uhr gab es in der zweitgrößten Stadt Tirols teils heftige Niederschläge, erst in den Nachtstunden wurde es ruhiger. Die Höhe des Schadens konnte Krumschnabel nicht abschätzen.

Kufstein: Kindergarten und Turnsaal betroffen

Die Überflutungen in der Innenstadt betrafen vorwiegend Keller, Tiefgaragen sowie ebenerdige Geschäftslokale. Auch der Kindergarten und der Turnsaal der Stadt waren betroffen, sagte Krumschnabel. Von beschädigten Wohnungen war ihm bis auf einen Fall nichts bekannt, es wurde auch niemand verletzt. Der Bürgermeister rief die Bevölkerung dazu auf, die entstandenen Schäden zu melden und genau zu dokumentieren. Ihnen wurde Hilfe aus dem Katastrophenfonds des Landes zugesagt. Die Innenstadt wurde Montagfrüh für den gesamten Verkehr gesperrt.

Das Hochwasser in Kufstein hatte vor allem die Zulaufbäche des Inn anschwellen und über die Ufer treten lassen, der Pegel des Inn blieb dagegen auf einem ungefährlichen Niveau. Die Bäche verlaufen zum Teil unter den Häusern und waren stark verklaust. "Es wurde hier tonnenweise Sand und Gestein herausgeschöpft", sagte Krumschnabel. Mehrere Lkw-Ladungen mit Material, das die Wassermassen von den Bergen heruntergespült hatten, mussten weggebracht werden. "In der Menge hat es das noch nie gegeben", berichtete der Stadtchef.

(APA/red)

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