Erstmals Omikron-Verdacht in Österreich: Neue Corona-Variante in Tirol?

Aus Tirol kommt die Meldung eines Omikron-Verdachts.
Aus Tirol kommt die Meldung eines Omikron-Verdachts. ©pixabay.com (Symbolbild)
Österreich hat zum ersten Mal einen Omikron-Verdachtsfall. Dem Land Tirol zu Folge gibt es ein mit einer Südafrika-Reise assoziiertes positives PCR-Testergebnis im Bezirk Schwaz. Ist die neue Virus-Variante schon in Österreich eingetroffen?
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Nach der Erstprüfung durch die Virologie Innsbruck bestehe ein konkreter Verdacht, dass es sich um die neue Virus-Mutation handeln könnte, informierte das Land in einer Aussendung.

Omikron-Verdachtsfall in Österreich ohne Symptome

Von der Infektion betroffen sei eine Person, die nach einer Südafrika-Reise positiv auf Covid-19 getestet wurde. Wie das Land mitteilte, habe sich die betroffene Person laut eigenen Angaben seit der Reiserückkehr vor drei Tagen beinahe ausschließlich zu Hause aufgehalten und weise derzeit keine Symptome auf.

Zweite Impfung von Omikron-Verdachtsfall länger her

Die Person habe zwar bereits zwei Impfdosen mit einem mRNA-Impfstoff (entweder Biontech/Pfizer oder Moderna; Anm.) erhalten, der zweite Stich liege aber bereits rund neun Monate zurück. Die Kontaktpersonen seien jedenfalls abgesondert worden.

Testprobe von Omikron-Verdachtsfall kommt nach Wien

Die Testprobe werde nun an die AGES nach Wien für eine entsprechende Sequenzierung übermittelt, erläuterte Elmar Rizzoli, Leiter des Einsatzstabes Corona. Dort werde die Viruszusammensetzung genau beleuchtet. "Mit einem Ergebnis der AGES wird in den kommenden Tagen gerechnet", kommentierte Rizzoli die weitere Vorgehensweise. Rizzoli empfahl "Personen, die aus den definierten Ländern (Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini; Anm.) in den vergangenen 14 Tagen eingereist sind, vorsorglich einen Covid-PCR-Test vorzunehmen".

Variante bereits in Deutschland, Italien und Tschechien

Zuvor hatten unter anderem die italienischen und deutschen Behörden Omikron-Fälle bestätigt. Bei Flugpassagieren, die schon vor mehreren Tagen in München bzw. Mailand angekommen waren, wurde die Virusvariante festgestellt. Auch bei einem Verdachtsfall im nordböhmischen Liberec (Reichenberg) wurde Omikron "mit rund 90-prozentiger Sicherheit" bestätigt, hieß es am Abend. Die britischen Behörden meldeten zwei Fälle und verhängten daraufhin eine Quarantänepflicht für alle Einreisenden.

Belgien war am Freitag das erste europäische Land, das einen Omikron-Fall bestätigte. Mit besonders großer Sorge wird indes in die Niederlande geblickt, wo am Freitag 61 von 600 Passagieren auf zwei Flügen aus Südafrika positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Schnelltests erhärteten den Verdacht, dass auch sie die neue Variante in sich tragen. Die niederländischen Behörden sind sich diesbezüglich schon zu 95 Prozent sicher, hieß es.

Landeverbote in Österreich

Wie zahlreiche europäische Länder hatte auch Österreich sich mit Samstag gegen das südliche Afrika abgeschottet und Landeverbote verhängt. Der Virologe Norbert Nowotny sagte am Freitagabend in der "ZiB Nacht", er rechne in ein bis zwei Wochen mit dem Eintreffen der Variante in Österreich. Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) sagte, er halte es nur mehr für "eine Frage der Zeit", bis die neue Variante nach Österreich komme. "Wir alle haben es aber in der Hand, zusammen dagegen anzukämpfen, in dem wir uns so schnell wie möglich impfen lassen", lautete der Kanzler-Appell.

300 Anrufe bei der AGES

Die Telefon-Hotline der AGES für Reiserückkehrer aus dem südlichen Afrika erfuhr indes regen Zuspruch. Bis Samstagmittag hatten sich schon 300 Personen unter 01/26 75 032 gemeldet. Dort erhalten sie Informationen, wohin sie sich wegen eines behördlichen PCR-Tests wenden können.

Die im Süden Afrikas entdeckte Omikron-Variante vereint Mutationen, die bereits bei früher als besorgniserregend eingestuften Varianten aufgetreten waren. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte.

Bisher nur leichte Fälle

Die bis dato mit Omikron infizierten Menschen in Südafrika sind laut der dortigen Medizinervereinigung SAMA bisher nicht schwer erkrankt. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, sagte, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Allerdings seien die Untersuchungen zu dieser Variante noch in einem sehr frühen Stadium. In dem Land seien nur rund 24 Prozent der Menschen voll geimpft. "Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen", sagte sie. Es handle sich nicht um Patienten, die direkt in ein Krankenhaus eingeliefert würden, sagte Coetzee dem Sender BBC. Dem "Telegraph" sagte sie, man müsse sich aber Sorgen machen, dass die neue Variante ältere Menschen, die zusätzlich an Diabetes oder Herzkrankheiten litten, viel härter treffen könnte.

(APA/Red)

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