Das Fortuna Kino: Corona-Trauerspiel im Erotik-Kino

Das Fortuna Kino in Wien-Favoriten ist kurz vor dem Zusperren.
Das Fortuna Kino in Wien-Favoriten ist kurz vor dem Zusperren. ©Vienna.at
Die Coronapandemie hat nicht nur Gastronomie und Co., sondern auch zahlreiche Nischenbranchen getroffen. In unserem Podcast "Heast Oida" ist dieses Mal Mario Adlassnig zu Gast, Betreiber des ältesten und wohl letzten Erotikkinos Wiens.
Im Gespräch mit einer Sexworkerin

Wehe man sagt Pornokino zum Fortuna-Erotik-Kino auf der Wiener Favoritenstraße. Dann korrigiert Inhaber Mario Adlassnig gleich und zeigt die Unterschiede. Früher vielleicht, aber seit der Cineast das Kino übernommen hat, hat sich vieles verändert.

In unserem "Heast Oida"-Podcast hört ihr das ganze Gespräch mit Erotikkino-Betreiber Maria Adlassnig:

Gekommen ist Adlassnig zum Erotikkino beinahe wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich suchte er einen Lagerraum und ein Büro, das daran noch ein einschlägiges Kino hing, schreckte den Filmfreund nicht ab. Adlassnig sah es als Herausforderung: "Der vorherige Betreiber nahm alles mit, was nicht niet- und nagelfest war". Für Adlassnig kein Problem - er richtete das Kino wieder so her, wie es vor seiner Erotik-Zeit ausgesehen hat.

Fortuna Kino als Institution in Wien

Das Fortuna Kino startete als Ankerkino vor über 100 Jahren in der Favoritenstraße und gehört somit dem ersten Kino-Boom der Hauptstadt an. 1931 änderte es seinen Namen in Fortuna Tonkino, der knapp 85 Quadratmeter große Saal soll damals bis zu 135 Personen gefasst haben. Die standen sich damals wohl deutlich näher als so manche, die heute das Fortuna Kino besuchen. Das Gebäude an der Ecke Kennergasse wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, im neu aufgebauten Kino finden sich noch rund 60 Sessel.

Seit den 1980er-Jahren zeigt das Fortuna Kino nun Pornofilme und ist damit das älteste Erotikkino der Stadt. Quer gegenüber findet sich das Erotik Kino Labyrinth, ein Swinger Club, wie Adlassnig erklärt. Auch der habe seine Daseinsberechtigung, viele, die Adlassnig nicht ins Fortuna Kino lässt, würden diesem Etablissement einen Besuch abstatten.

Nicht jeder kommt ins Erotik Kino

Bei der Auswahl seiner Gäste und Gästinnen ist Adlassnig wählerisch. Sauberkeit sei erstes Gebot, nicht nur im Kino selbst, sondern auch bei der Person. Wer sich nicht an die - zugegeben lockeren - Regeln hält, kriegt Hausverbot.

An den Wochenenden verwandelt sich das Erotikkino mit wenigen Handgriffen in ein Nostalgiekino. Das Rotlicht wird ausgeschaltet, die Sexpuppe im Vorraum wird im Schrank versteckt. Statt mit dem Beamer werden alte Filmklassiker mit dem Projektor gezeigt. So wie es die in den alten Tagen gängig war, als das Fortuna Kino noch das "Patschenkino*" der Favoritner war.

Seit der Übernahme habe Adlassnig keinen einzigen Monat rote Zahlen geschrieben. Die Erotikschiene habe das Kino finanziert, die Filmklassiker waren eher ein Liebhaberprojekt - bis Corona kam. Seit gut vier Monaten hat das Erotikkino nun geschlossen, den Umsatzkostenersatz vom November hat er immer noch nicht erhalten. Die Zukunft des Kinos hängt am seidenen Faden und wird nun hauptsächlich durch Spenden am Leben erhalten. Denn eines steht für Adlassnig fest: Sobald er den laufenden Betrieb des Fortuna Kinos nicht mehr finanzieren kann, wird er schließen müssen.

*Im "Patschenkino" erhielt man früher Stoff- oder Filzüberzüge für seine Straßenschuhe, um den Teppichboden des Kinos nicht zu ruinieren.

Spendenaufruf: Spenden zum Erhalt des Fortuna Kinos werden unter Mario Adlassnig, Erste Bank, IBAN: AT102011128564808207, Verwendungszweck: Kinoerhaltspende, entgegengenommen.

(red)

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