Corona-Pandemie könnte Feuerwerks-Verbot zu Silvester bringen

Großfeuerwerke dürften heuer zu Silvester weitgehend ausfallen.
Großfeuerwerke dürften heuer zu Silvester weitgehend ausfallen. ©APA/HANS PUNZ
In Sachen Großfeuerwerke zu Silvester gibt es in den Bundesländern derzeit unterschiedliche Meinungen. In Wien wird das private Zünden von Knallern und Raketen jedenfalls verboten sein und auch das offizielle Feuerwerk wurde bereits abgesagt.
Fünf Gründe gegen das Silvester-Feuerwerk

In den Niederlanden und einigen Provinzen Belgiens wird jegliches Silvesterfeuerwerk verboten, damit die von der Corona-Pandemie belasteten Spitäler nicht auch noch durch Feuerwerkskörper Verletzte versorgen müssen. Außerdem ziehen Großfeuerwerke Menschen an, und Ansammlungen sollten in der Corona-Krise vermieden werden.

Zuletzt ist über ein Kracher- und Raketenverbot in Oberösterreich diskutiert worden. In den Bundesländern geht man unterschiedlich mit diesem Thema um.

Vorarlberger Gemeinden sollen keine Großfeiern genehmigen

Die Vorarlberger Landesregierung verweist in Sachen Silvesterfeuerwerk auf die Kompetenz der Gemeinden bzw. der Bürgermeister. Feuerwerke sind in Österreich grundsätzlich ganzjährig verboten, in "normalen" Jahren erteilen die Bürgermeister für den Silvesterabend aber jeweils eine Ausnahme. Die Haltung des Landes sei eindeutig: "Wir empfehlen den Gemeinden, keine größeren öffentlichen Silvesterfeierlichkeiten inklusive Feuerwerke zu genehmigen", hieß es auf APA-Anfrage aus dem Büro des Landeshauptmanns.

Feuerwerksverbot zu Silvester in Tirol derzeit kein Thema

In Tirol ist ein Feuerwerksverbot zu Silvester derzeit kein Thema, wie das Land mitteilte. Die Lage werde aber seitens des Einsatzstabes und der Experten täglich neu bewertet - auch in Abstimmung mit dem Bund und anderen Bundesländern, hieß es. Sollte es angesichts der Corona-Pandemie eine Notwendigkeit dafür geben, könne seitens des Landes zeitgerecht reagiert werden. Zudem wies das Land darauf hin, dass Feuerwerke im Ortsgebiet nach dem Pyrotechnikgesetz bereits jetzt verboten seien. Sonstige Großfeuerwerke oder Aktionen mit Feuerwerken bedürfen einer Genehmigung von der zuständigen Verwaltungsbehörde, hieß es.

Stadt Salzburg lässt offizielles Feuerwerk wegen Corona ausfallen

In der Stadt Salzburg wird es zu Silvester coronabedingt kein offizielles Feuerwerk geben. Das habe das Stadtratskollegium beschlossen, gab das Büro von Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) auf APA-Anfrage bekannt. Das Feuerwerk würde die Menschen auf die Plätze der Stadt locken, man wolle aber angesichts der Corona-Pandemie ein Gedränge vermeiden. Private Feuerwerke seien wie schon im Vorjahr verboten. Ob und welche Gemeinden im Land ebenfalls Feuerwerke zu Silvester verbieten, war zunächst noch nicht zu erfahren. Das werde vermutlich um Mitte Dezember feststehen, teilte das Landesmedienzentrum mit.

Kärnten noch unentschlossen, in der Steiermark steht Verbot im Raum

In Kärnten ist ein Feuerwerksverbot derzeit kein Thema. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) teilte auf Anfrage über einen Sprecher mit, dass man ein mögliches Feuerwerksverbot zu Silvester "zu gegebener Zeit von den Experten im Kärntner Covid-19-Koordinationsgremium erörtern" werde. Jetzt sei es zu früh dafür, eine Entscheidung werde es aber zeitgerecht geben.

Dagegen steht in der Steiermark ein Verbot von pyrotechnischen Feuerwerken im Raum. Das Land prüft derzeit dahin gehend die Möglichkeiten. Die steirischen Regierungspartner - Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und LHStv. Anton Lang (SPÖ) - können einem Verbot "einiges abgewinnen und betrachten es als eine überlegenswerte Maßnahme", hieß es auf APA-Nachfrage.

Niederösterreich will Wirksamkeit von Corona-Maßnahmen abwarten

Abwartend zeigt man sich in Niederösterreich. Vorerst sei ein Verbot von Feuerwerkskörpern zur Jahreswende kein Thema, gab Albert Maca, der Klubdirektor Stellvertreter des Landtagsklubs der ÖVP NÖ, auf Anfrage bekannt: "Unser oberstes Ziel ist die Bekämpfung der Corona-Pandemie. Jetzt gilt es einmal abzuwarten, wie die bereits gesetzten Maßnahmen greifen."

Der Wirtschaftssprecher der niederösterreichischen FPÖ, Reinhard Teufel, hatte sich zuletzt für die Silvesterknallerei stark gemacht. "Die Menschen haben ein Recht darauf, es zu Silvester ordentlich krachen zu lassen", meinte Teufel in einer Presseaussendung zu etwaigen Feuerwerkverboten. Und er appellierte an die Bevölkerung: "Lassen wir es zu Silvester ordentlich krachen und zeigen der Regierung, was wir von derartigen Schnapsideen halten."

Polizei kontrolliert Verbot von privaten Feuerwerken in Wien

In Wien werden private Silversterfeuerwerke heuer jedenfalls verboten sein - was sich nicht von der Situation in den vergangenen Jahren unterscheidet. Denn im Ortsgebiet in Wien - also so gut wie überall - ist das Zünden von Knallern und Raketen grundsätzlich nicht erlaubt. Lediglich harmlosere Pyrotechnik (Kategorie F1) ist gestattet. Das Verbot, das gerne auch ignoriert wird, wird von der Polizei kontrolliert. Das große offizielle Feuerwerk ist hingegen üblichweise Teil des Silvesterpfads. Die kommende Silvesternacht macht hier jedoch eine Ausnahme: Das leuchtende Spektakel wurde, so wie auch der Pfad selbst, bereits abgesagt.

Naturschutzbund begrüßt dauerhafte private Feuerwerk-Verbote

Der Naturschutzbund hat am Mittwoch die Entscheidung vieler Städte und Gemeinden begrüßt, in diesem Jahr die Silvesterfeuerwerke wegen der Corona-Pandemie auszusetzen. "Österreichs älteste Naturschutzorganisation verweist darauf, dass Feuerwerkskörper umfangreiche negative Auswirkungen auf Natur- und Umwelt haben", hieß es in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Der Naturschutzbund fordere daher "ein dauerhaftes Verbot privater Feuerwerke".

Empört von dieser Entwicklung zeigte sich demgegenüber Hans Matthias Liebenwein, Obmann vom Verband der österreichischen Pyrotechnik (VöP). "Es reicht!", ließ er per Presseaussendung Dampf ab. Seit Tagen werde Stimmung gegen bunte Feuerwerke und die Pyrotechnik gemacht. Dabei erwirtschafte man mit der Produktion und dem Handel von Pyrotechnik hierzulande einen zweistelligen Millionen-Betrag und beschäftige zahlreiche Mitarbeiter. Außerdem würden fast alle Feuerwerke "als farbenfrohe und fröhliche Botschafter eines kommenden Jahres nur in der Silvesternacht abgefeuert". Das sei "ein seit Jahrzehnten gelebtes und geliebtes Brauchtum, auf das der Großteil der Österreicher laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019 nicht verzichten möchte", gab Liebenwein zu bedenken.

(APA/Red)

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