Billa, Merkur und Meinl: Die Wiener Luxus-Supermärkte im Check

Die Luxus-Supermärkte in der Wiener Innenstadt.
Die Luxus-Supermärkte in der Wiener Innenstadt. ©Vienna.at/ Sarah van den Berg
Das richtige Licht, der passende Duft und eine ideale Einrichtung sollen dafür sorgen, dass in Supermärkten mehr eingekauft wird. Aber ist das im Luxus-Segment genauso? VIENNA.AT hat drei Wiener Luxus-Supermärkte getestet und einem Vergleich unterzogen.
Merkur öffnet neuen Flagship Store
Merkur Hoher Markt
Billa-Filiale im Herrnhuterhaus
Billa Corso im Herrnhuterhaus
Meinl am Graben bleibt Restaurant

Die Wiener Luxus-Supermärkte befinden sich alle in einem Umkreis, der es ermöglicht, alle drei innerhalb weniger Minuten nacheinander zu besuchen. Selbstverständlich in erstklassiger Lage im 1. Bezirk.

Supermarkt-Kunden sind gut erforscht

Ein Besuch im Supermarkt gehört zu den Aktivitäten des Alltags, die – im Interesse der Händler – besonders gut erforscht sind.

Kunden, die sich wohlfühlen, kaufen bis zu 20 Prozent mehr. Dafür dass man sich wohlfühlt, sind unter anderem Einrichtung, Raumtemperatur (19 Grad Celsius sind ideal), Geruch (Beduftungsanlagen verbreiten beispielsweise den Duft von frisch gebackenem Brot) und Hintergrundmusik (in einem Takt, der dem menschlichen Herzschlag ähnelt – 72 Schläge pro Minute entsprechen ungefähr der Ruhepulsfrequenz) verantwortlich.

Aber auch lange Wege und langsames Tempo sorgen dafür, dass mehr gekauft wird: Durch Drehtüren oder Schranken werden die Kunden bereits beim Betreten des Supermarkts gebremst. Auch spiegelnde Böden sorgen dafür, dass man sich vorsichtiger und somit langsamer bewegt. Grundnahrungsmittel sind möglichst weit voneinander entfernt platziert: Frisches Obst und Gemüse gibt es meist im Eingangsbereich, die Theken mit Frischwaren wie Fisch, Fleisch oder Molkereiprodukten hingegen befinden sich in der hintersten Ecke.
Außerdem stehen die teuren Produkte meist auf Augenhöhe, die Einkaufswagen sind größer als früher und die Förderbänder an den Kassen kürzer. 

Die Wiener Luxus-Supermärkte im Vergleich

  Billa Corso im Herrnhuterhaus Merkur Hoher Markt Meinl am Graben
Gibt es seit… Oktober 2010 Oktober 2012 den frühen 50ern
Adresse 1., Neuer Markt 17 1., Hoher Markt 12 1., Graben 19
Größe 1.000 m2 2.000 m2 1.600 m2
Öffnungszeiten Mo-Fr 8-20 Uhr
Samstag 8-18 Uhr
Mo-Fr 8.30-21 Uhr
Samstag 8.30-18 Uhr
Mo-Fr 8-19.30 Uhr
Samstag 9-18 Uhr

Billa Corso im Herrnhuterhaus

Beim Billa Corso im Herrnhuterhaus gibt es weder Drehtüren noch spiegelnde Böden. Die Größe der Einkaufswagen ist der Größe des Lifts angepasst – entsprechend sind sie kleiner als in anderen Supermärkten. Grundnahrungsmittel sind weit voneinander entfernt: Frischfleisch und Fisch in Bedienung gibt es im Untergeschoss, Obst und Gemüse im Erdgeschoss, Milchprodukte und Feinkost finden sich im ersten Obergeschoss.

Auch wenn der Billa Corso der kleinste der drei Luxus-Supermärkte unseres Checks ist, gibt es eine große Bandbreite im Sortiment: Den französischen Joghurt im Tontöpfchen findet man hier genauso wie die Eigenmarken “Clever” oder “Hofstädter”. Wer ein Mineralwasser mit Karamell-Geschmack sucht, wird ebenso fündig wie jemand, der nur schnell eine Jause kaufen will.

Integriert in den Markt ist “Henry”. Das 50 Quadratmeter große Restaurant Attila Dogudan verspricht “qualitativ hochwertiges Fastfood” – zum Mitnehmen oder dort essen, der Preis wird nach Gewicht berechnet.

Merkur Hoher Markt

Mit der Eröffnung des Flagship Stores am Hohen Markt hat Merkur neue Maßstäbe im Luxus-Segment gesetzt: Das Geschäft ist energetisch ausgependelt, es gibt einen Limo-Service und auch Zulieferung mit Fahrrädern wird angeboten. Außerdem ist dem Konzern ein ganz besonderer Coup gelungen: Das Restaurant wird von Starköchin Kim Sohyi geleitet, am Abend bekommt man dort ohne vorherige Reservierung kaum einen Tisch.

Einkaufswagen und -körbe stehen in unterschiedlichen Größen zur Verfügung, Barrieren in Form von Drehkreuzen oder -türen gibt es keine. Auch hier spiegeln die Böden nicht, aber die Entfernungen sind weit. Obst und Gemüse findet man im Erdgeschoss, Brot und Gebäck gibt es im ersten Obergeschoss und die Fisch-, Fleisch- und Käsetheken befinden sich im zweiten Obergeschoss.

Musikalisch wird man von Größen wie Frank Sinatra oder Norah Jones begleitet, der hauseigene Radiosender “Radio Max” läuft hier nicht in der Live-Version, sondern stellt die Musikauswahl zusammen. Die Musik ist jedenfalls entspannter als die Mitarbeiter, denn diesen wurde anscheinend aufgetragen, jeden Kunden nicht nur am Eingang und an den Frischetheken, sondern auch beim Betreten jeder Abteilung zu begrüßen.

Meinl am Graben

Wann genau die Meinl-Filiale am Graben eröffnet wurde, konnte nicht einmal die Pressestelle genau sagen. Das Geschäft gibt es also seit “den frühen 50ern”. 1999 wurde umgebaut, derzeit wird die Fassade saniert.

Der Parkettboden, der rote Läufer auf der Treppe und die Ledergriffe der Einkaufswagen zeugen von einer Zeit, in der ein Einkauf in der Stadt noch etwas Besonderes war. Untypisch für einen Supermarkt: Bei Meinl sind Obst und Gemüse nicht in Nähe des Eingangs zu finden, sondern in der hintersten Ecke des Erdgeschosses. Fast alle Frischetheken befinden sich im ersten Obergeschoss – es gibt sogar eine eigene Theke für losen Tee. Das “Delikatessensortiment umfasst mehr als 16.000 Köstlichkeiten, darunter 400 Käsesorten”, wirbt Meinl.

Spiegelnde Böden gibt es nicht, aber spiegelnde Wände. Es wird keine Musik gespielt, dafür wird an der Kasse beim Einpacken der Waren geholfen und dabei jede Flasche einzeln in Seidenpapier gewickelt.

Das Restaurant (Mo-Frei 8- 24 Uhr, Sa 9 -24 Uhr geöffnet) hat 2004 drei Gault-Millau-Hauben verliehen bekommen.

Fazit des Checks von VIENNA.AT

Spiegelnde Böden, riesige Einkaufswagen, Billige Tricks sind anscheinend nicht nötig, um teuer zu verkaufen. Einzig und allein die Grundregel, Grundnahrungsmittel weit entfernt voneinander zu platzieren, wird konsequent in allen drei Luxus-Supermärkten eingehalten. Ansonsten sind es im Luxus-Segment vermutlich eher die exotisch anmutenden Köstlichkeiten aus aller Welt (Rosenblütenkekse aus Frankreich, Torten aus dem Salzkammergut, Gewürze aus Indien), die die Kunden verlocken. Foodies sind in allen drei Märkten bestens versorgt und aufgehoben, Touristen auch. Für den alltäglichen Einkauf vor allem aus Kostengründen nur bedingt geeignet. (SVA)

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