Adina Mircioane: "Ich bin von Herzen gern Polizistin"

Adina Mircioane: "Ich bin von Herzen gern Polizistin"
Adina Mircioane: "Ich bin von Herzen gern Polizistin" ©vienna.at
Sieben Prozent der Polizisten haben Migrationshintergrund. In Zukunft soll es auf jeder Polizeidienststelle Beamten mit Migrationshintergrund geben. Adina Mircioane, 27, ist in Rumänien aufgewachsen und seit 2004 bei der Wiener Polizei. Im Interview erzählt die Inspektorin, wie sie zur Polizei gekommen ist, wie sich ihre Wahrnehmung verändert hat und warum sie heute selbstbewusster auftritt als früher.

Vienna Online: Wie sieht dein Dienst bei der Polizei aus?
Adina Mircioane: Ich bin Inspektorin im Streifendienst. Ich habe 12 Stunden Dienst. Wir bearbeiten Anzeigen, wir machen Einvernahmen und so weiter. Wir bearbeiten zumeist einen Fall (Akt) komplett – von Anfang bis zum Ende. Der Dienst auf der Inspektion gefällt mir: Wir sind ein junges Team, die Arbeit macht Spaß.

Vienna Online: Was war deine Motivation, zur Polizei zu gehen?
Adina Mircioane: Das waren mehrere Gründe. Einerseits ist es ein sicherer und vielseitiger Beruf, der immer spannend bleibt; andererseits gibt es gute Aufstiegschancen. Ich hatte immer einen latenten Wunsch, es zu machen – aber gezielt darauf hingearbeitet habe ich nicht.

Vienna Online: Wie und wann bist du zur Polizei gekommen?
Adina Mircioane: Im Oktober 2004 habe ich mit der Ausbildung begonnen. Ich wollte damals zur Polizei, aber ich hatte nicht genug Informationen, ob Menschen mit Migrationshintergrund aufgenommen werden. Meine Mutter hat dann zu mir gesagt: Probier’s einfach! Als sie gemerkt hat, dass ich ein bisschen zögerlich war, hat sie am Schottenring angerufen und sich erkundigt. (Info Aufnahme Tel. 01/3131076225 bzw. online)

Damals gab es kaum Information oder Werbung, wie man zur Polizei kommt. Jetzt ist sie überall vertreten, auf Messen, bei Veranstaltungen, in Schulen. Es ist ein enormer Unterschied gegenüber früher. Aber ich glaube, dass immer noch viele Migranten vor einer Bewerbung zurückschrecken, weil sie nicht genau wissen, ob sie die Voraussetzungen erfüllen.

Vienna Online: Wie lauten die Voraussetzungen?
Adina Mircioane: Man muss österreichischer Staatsbürger sein, der Geburtsort ist egal. Man macht den normalen Aufnahmetest, wie alle, die zur Polizei wollen. Dabei gibt es auch einen schriftlichen und mündlichen Deutsch-Test. Das ist klar, man muss sich ja auch verständigen können und es ist ein Beruf mit sehr viel Kontakt zur Außenwelt.

Vienna Online: Wie haben dich deine Kollegen aufgenommen?
Adina Mircioane: Manche Kollegen waren skeptisch, weil ich auch einen Teil der Medienarbeit mache, fast schon ein Medienprofi bin, weil ich hie und da Interviews gebe (schmunzelt). Sie haben vielleicht geglaubt, dass ich bevorzugt behandelt werde. Aber das hat sich schnell gegeben, als ich ihnen klarmachen konnte, dass dem nicht so ist. Jeder hat bei der Polizei die gleichen Chancen. Ob männlich, weiblich, Migrationshintergrund und Medienarbeit oder nicht – das spielt keine Rolle.

Vienna Online: Würdest du noch einmal zur Polizei gehen? Wie lautet deine Bilanz nach vier Jahren im Dienst?
Adina Mircioane: Insgesamt ist es so, wie ich es mir erwartet habe. Teilweise ist es natürlich anders, denn man hat ja von vornherein gewisse Rollenbilder im Kopf – aus Filmen, beispielsweise. Insgesamt bin ich zufrieden, auch wenn ich mir noch mehr Außendienst wünschen würde. Da hätte die Bevölkerung mehr von uns. Aber ich bin von Herzen gern Polizistin – meine jüngere Schwester ist ein Jahr nach mir zur Polizei gegangen, weil sie meine Begeisterung für den Beruf mitbekommen hat.

Vienna Online: Denkt man nach Dienstschluss viel nach? Wie kannst du abschalten?
Adina Mircioane: Kommt drauf an. Spektakuläre Einsätze wirken natürlich nach, da ist man ja auch sehr emotional dabei. Aber es gibt Tage, wo ich abschalte. Der Unterschied ist, dass man auch privat Dinge sieht, die einem früher nicht aufgefallen wären. Die Wahrnehmung ist eine andere. Wenn ich heimgehe, und ich sehe jemanden, der im Auto mit dem Handy telefoniert, zum Beispiel. Die Wahrnehmung nimmt man mit, die kann man nicht abdrehen.

Vienna Online: Du hast spektakuläre, emotionale Einsätze angesprochen…
Adina Mircioane: Ja, vor kurzem wurde über Funk eine Kollegin angefordert, die Rumänisch kann. Ich war gerade im Dienst, habe mich gemeldet. Dann haben sie mich gefragt, ob ich Höhenangst habe. Kurz darauf bin ich dann in einem Feuerwehr-Korb mit einem Kollegen von der Verhandlungsgruppe gestanden. Am Hauptbahnhof-Gelände war ein Rumäne auf einen Baukran geklettert und wollte sich in die Tiefe stürzen. Der Spezialist von der Verhandlungsgruppe konnte ihn überzeugen, es nicht zu tun. Ich habe das Gespräch gedolmetscht.

Vienna Online: Welche Sprachkenntnisse hast du, wobei helfen sie dir?
Adina Mircioane: Ich spreche Deutsch, Rumänisch und Englisch. Die Menschen reagieren positiv, sind teilweise überrascht, wenn sie von einer Polizistin in ihrer Landessprache angesprochen werden. Wenn man sie auf Deutsch anspricht, sind viele sehr zurückhaltend. Rumänisch macht die Leute offener.

Vienna Online: Als Polizistin stehst du – anders als in vielen „zivilen“ Berufen – auch unter besonderer Beobachtung. Jeder erkennt auf den ersten Blick, was dein Beruf ist. Ist das für dich persönlich eine Belastung oder eine Motivation?
Adina Mircioane: Man ist natürlich exponiert, muss auf sich schauen. Für mich ist es eine Motivation. Ich liebe die Uniform, denn die Leute wissen sofort, wer ihr Gegenüber ist. Der Beruf hat sich sehr positiv auf meine Persönlichkeit ausgewirkt: Heute agiere ich viel selbstbewusster als früher.

Adina Mircioane ist in Resita (Rumänien) aufgewachsen. Sie kam mit ihrer Schwester und ihrer Mutter 1990 nach Österreich. 2004 begann Adina mit der Polizeischule. Heute ist sie Inspektorin im Kommissariat in der Rainergasse in Wien-Wieden.

 

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