"Achtsam anziehen": Guide für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

Dominique Allen van de Pol hat einen sehr nützlichen Guide für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank geschrieben
Dominique Allen van de Pol hat einen sehr nützlichen Guide für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank geschrieben ©VIENNA.at
Nicht erst seit Marie Kondo ist das Ausmisten des eigenen Kleiderbestandes en vogue. Wie man in zehn Wochen zu einem Kleiderschrank kommt, der nur noch Sinnvolles enthält, verrät ein neues Buch - VIENNA.at stellt "Achtsam Anziehen" vor.
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Es ist ein Klischee, das aber wohl die meisten von uns in der westlichen Welt kennen werden: Der Kleiderschrank ist voll, aber man hat gefühlt "nichts zum Anziehen". Doch wie kommt es zu diesem Irrsinn?

Fast Fashion: Kleidung kaufen, die man nicht braucht und nicht trägt

Welchen Mechanismen wir im Alltag allzu leicht erliegen, weil uns die Fast Fashion-Industrie ständig verführen will, uns den nächsten "überflüssigen Fetzen" nach Hause zu holen, wie der Umstieg auf "Fair Fashion" gelingen kann und wie man in Sachen Kleidung endlich ideal nutzt, was man schon hat, diesen Themen hat sich Dominique Ellen van de Pol in ihrem Buch "Achtsam Anziehen. Nachhaltigkeit im Kleiderschrank" gewidmet.

In zehn Wochen zum bewussten Slow Fashion-Lifestyle

Der Untertitel verrät, dass wir in diesem Buch mit zahlreichen "Tipps, Anleitungen und Impulsen" rechnen dürfen, um den Ausstieg aus dem Fast Fashion-Karussell zu schaffen, unter dessen Auswirkungen Tag für Tag Mensch und Umwelt massiv zu leiden haben. Und van de Pol wird dabei erfreulich konkret: Ihr Buch ist ein "10-Wochen-Guide", der in diesem überschaubaren Zeitraum dazu verhelfen soll, in Sachen Kleidung "aus dem Mangelbewusstsein in die Fülle" zu kommen und planlosem Kleiderkauf ein für alle Mal den Kampf anzusagen.

"Achtsam Anziehen": Wie man die "zweitschmutzigste Industrie der Welt" boykottiert

So weit, so ambitioniert. Doch bei der näheren Beschäftigung mit "Achtsam Anziehen" zeigt sich rasch, dass Autorin van de Pol, selbst Mode- und Textildesignerin mit internationalem Portfolio, weiß, wovon sie redet und sehr "griffige" Anregungen gibt, wie man mit seinem eigenen Handeln dazu beitragen kann, die Machenschaften der Modebranche als "zweitschmutzigste Industrie der Welt" nicht länger zu unterstützen.

Gleichzeitig betont sie die Freuden der Achtsamkeit, die in ihrem persönlichen Leben viel Raum einnimmt: "Achtsam anziehen bedeutet für mich, mir immer wieder bewusst zu machen, wie viel Zeit, Geduld und harte Arbeit in jedes einzelne Stück, in jede einzelne Naht, in jede einzelne Faser meiner Kleiderschätze geflossen sind." Schnell wird klar: Slow Fashion ist gelebter Umweltschutz, bei dem der Spaß an Mode durch größere Wertschätzung für wenige ausgewählte Stücke eher zu- als abnimmt.

Ein Schrank voller Lieblingsstücke

Man muss es sich einmal bewusst machen: Eine minimalistische Einstellung zur eigenen Kleidung sorgt für einen Schrank voller Lieblingsstücke, bei dem man nie wieder mit Teilen hadern muss, die "ja so ein Schnäppchen" waren, man aber irgendwie nicht anziehen mag oder sich mit ehemaligen Lieblingsstücken belastet, die seit Jahren nicht mehr passen und vielleicht nie wieder richtig passen werden - was keinerlei Wohlgefühl hervorruft. Nicht umsonst lautet die ständig gestellte Frage bei Marie Kondo, wenn es darum geht, ob man sich von einem Kleidungsstück trennen soll: "Does it spark joy?"

Dominique Ellen van de Pol geht aber noch tiefer: Sie nimmt die "Neurologie des Shoppings" unter die Lupe und macht uns bewusst, welches "Feuerwerk der Gefühle" wir beim Shopping erleben, was dabei in unserem Gehirn abläuft, wie die Geschäfte uns mit Tricks zum Kaufen verführen und warum wir diesen "Kick" immer wieder erleben wollen.

Wie man Kaufentscheidungen gezielt verzögert

Sie zeigt "Habit Hacks", um keinen Impulskäufen zu unterliegen, etwa dass man länger recherchieren und darüber schlafen soll, um herauszufinden, ob man ein neues Kleidungsstück wirklich benötigt, oder dass man bei der Anprobe die Augen schließen und in sich hineinfühlen soll, ob das neue Teil tatsächlich so gut sitzt und sich anfühlt, wie man meint.

Sehr hilfreich auch ein von der Autorin propagiertes Mantra, das man sich zurechtlegen soll, um Kaufanreize abzublocken: "Auch ohne dich zu besitzen, erfreue ich mich an deiner Schönheit." Damit soll es gelingen, sich an verführerischen Dingen zu erfreuen, ohne sie automatisch kaufen zu müssen. Denn der wahre Impact unserer Kauflust sind schwere Umweltbelastungen, zu denen van de Pol auch alarmierende Zahlen vorstellt - etwa, dass eine einzige neue Jeans in der Herstellung im Durchschnitt unglaubliche 9.000 Liter Frischwasser verbraucht.

Minimalismus ausprobieren - und sich selbst akzeptieren

Natürlich wird auch der bereits vorhandene Kleidungsbestand im Zuge der Übungen und Challenges im Buch kritisch unter die Lupe genommen und Anleitung gegeben, wie man sich wovon am besten trennt. Eine Idee, die van de Pol hierzu vorstellt, ist das "Project 333" der US-Amerikanerin Courtney Carver: die Challenge, die eigene Garderobe drei Monate lang auf 33 Modeartikel zu reduzieren.

Generell lautet der Impuls, sich radikal von allen Stücken zu befreien, die einem ein schlechtes Gefühl geben und dem eigenen Selbstwert schaden - nach dem Motto: "Nicht du bist zu dick, sondern die Klamotten sind zu klein!" Wie man lernt, sich selbst und den eigenen Körper anzunehmen, wie er ist, verrät die Autorin in ihren "Hacks für mehr Selbstakzeptanz".

Kleider tauschen, verkaufen und spenden leicht gemacht

Doch was mit den ausgemusterten Kleidern tun? Dominique Ellen van de Pol gibt auch hier nützliche Ratschläge - zur Kunst des Loslassens im ersten Schritt, aber auch zu den Optionen des Tauschens und Verkaufens von Kleidung. "Hacks für deine Tauschparty" sind in "Achtsam Anziehen" ebenso enthalten wie "Die besten Verkaufs-Hacks" und Tipps zum sinnvollen Spenden oder - als allerletzte Konsequenz - zum Entsorgen.

Abschließend erfährt man alles darüber, wie man die verbliebenen Kleiderschätze liebevoll pflegen, in neuem Glanz erstrahlen und ansprechend zu neuen Outfits kombinieren kann. Das Motto für die Zukunft des Kleiderkaufs lautet künftig "Shop smarter" - alternative Konsumstrategien inklusive.

Der gute Weg in ein nachhaltiges Modeleben

Fazit: Einen umfassenderen, nützlicheren Guide zum Riesenthema Fast Fashion vs. Slow Fashion und zum Ändern des eigenen Konsumverhaltens in Sachen Kleider wird man kaum finden. Dominique Ellen van de Pol hat Ahnung von der Materie, kennt alle Stolperfallen und bietet in "Achtsam Anziehen" ein wahres Füllhorn an niederschwelligen Impulsen, die Schritt für Schritt in ein nachhaltigeres Modeleben führen.

Mit jeder Menge Herz, Verständnis und Kreativität wird man da abgeholt, wo man steht und erhält Wege aufgezeigt, sich - ohne Anspruch auf Perfektion - nach und nach hin zu mehr Minimalismus und sinnvollen Kaufentscheidungen zu entwickeln. Ein höchst nützliches Buch für alle, die sich selbst und ein Stück weit auch die Welt verändern wollen - Kleidungsstück für Kleidungsstück.

Dominique Ellen van de Pol: "Achtsam Anziehen: Nachhaltigkeit im Kleiderschrank. Tipps. Anleitungen. Impulse. Dein 10-Wochen-Guide." Christian Verlag, 2020. Broschur mit Fadenheftung, 160 Seiten mit 115 Abbildungen. 20,60 Euro. ISBN: 9783959613996

(dhe)

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