„Bei der Polizei ist für jeden etwas dabei“

Oberrat Mag. Manfred Reinthaler im Gespräch mit vienna.at über die polizeiliche Pressearbeit, den Aufgabenbereich, seinen Werdegang und die unzähligen Berufschancen bei der Polizei.

vienna.at: Wie sind zur Polizei gekommen?

Oberrat Mag. Manfred Reinthaler: „Ich bin im Februar 1991 zur Polizei. Damals habe ich meine zweijährige Grundausbildung begonnen. Dort bin ich im Rahmen der umfassenden Ausbildung auch mit den ganzen Gesetzestexten in Berührung gekommen und habe erfahren, wie vielfältig dieser Beruf ist. Ich faßte damals die Entscheidung, nach meiner Dienstprüfung Jus zu studieren. Im Februar 1993 bin ich ausgemustert und begann im März mit dem Studium. Das habe ich neben meinem Polizeidienst gemacht. Nach fünf Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen. 1998 war ich fertig. 1999 bin ich in als Polizeijurist übernommen worden.“

Wie sind Sie dazu gekommen?

„Ich war wie jeder zu Beginn Streifenpolizist und war in der Josefstadt tätig. Während meines Jusstudiums war ich dann bei der Polizeimusik, wo ich nebenbei  Trompete am Konservatorium studiert habe.  Nach  Beendigung meines Jusstudiums, habe ich ein Ansuchen um Übernahme in den  Akademischen Dienst gestellt. Seit April 1999 bin ich als Polizeijurist tätig.“

Wie sind Sie dann zur Pressestelle gekommen?

„Jeder Polizeijurist muss einen Einführungslehrgang absolvieren. Unter anderem muss hier auch die Kommunikationsbereitschaft unter Beweis gestellt werden.  Das dürfte mir gelungen sein, weshalb ich nach dem Kurs direkt in die Pressestelle der Polizeidirektion Wien zugeteilt wurde. Von 1999 bis 2007 war ich dort als Beschwerdereferent tätig. 2007 wechselte ich in das Kabinett des Innenministers. Dort habe ich mit ganz anderen Dingen zu tun gehabt. Zum Beispiel mit fremden- und verkehrspolizeilichen Agenden. Mit 1.1.2009 bin ich in die Polizeidirektion Wien mit dem Auftrag zurückgekehrt, eine neue Pressestelle aufzubauen. Österreichweit die einzige Polizeipressestelle zuständig für die gesamte Polizei eines Bundeslandes. Für die Funktion der Pressesprecher  hat man aus allen Verwendungszweigen der Polizei Personen genommen, die Öffentlichkeitsarbeit machen.“

Was gehört alles dazu? Wer schreibt zum Beispiel die Presseaussendungen?

„Wir haben insgesamt fünf PressesprecherInnen, die die Presseaussendungen schreiben. Bei spektakulären Fällen wird unverzüglich eine Vorausinfo an die Medien gemacht. In weiterer Folge erfolgt  die Pressearbeit direkt am Ort des Geschehens. Der zuständige Pressesprecher betreut einen Fall, bis dieser abgeschlossen ist. Die Pressesprecher arbeiten sehr intensiv mit den Ermittlern zusammen, sie stehen in ständiger Verbindung. Es wird da genau besprochen, was man an die Öffentlichkeit weitergeben darf und was nicht.

Weiters organisieren unsere SprecherInnen Pressekonferenzen, begleiten und betreuen verschiedene nationale und internationale Medien bei Besuchen diverser Polizeieinheiten und briefen alle Polizisten, die Interviews geben.  Ein großer Teil ist die PR-Arbeit. Dazu gehören Werbekampagnen,  Organisationen von Veranstaltungen oder Vorbereitung von Präsentationen.“

Sie haben Jus studiert. Ist das eine Voraussetzung, dass man zur Presseabteilung der Polizei kann?

„Nein nicht unbedingt. Der Polizeijurist hat einen sehr interessanten und vielfältigen Bereich.  So führt er zum Beispiel die heiklen Strafverfahren wie etwa bei Führerscheinentzügen oder Waffenverboten. Weiters ist er behördlicher Einsatzleiter bei Großveranstaltungen und Fußballspielen, er organisiert Staatsbesuche, ist Schnellrichter und vieles mehr.

Der höchste Polizist in Wien, der Polizeipräsident, muss auch ein Polizeijurist sein. Für die Presseabteilung selbst ist natürlich auch juristisches Wissen erforderlich. Einerseits geht es um rechtliche Qualifikation hinsichtlich Datenschutzes und Amtsverschwiegenheit bei den Aussendungen, anderseits gehört auch die Bürgerinformation zu meinem Büro, wo unter anderem verschiedene rechtliche Anfragen beantwortet werden. Deshalb arbeiten insgesamt 4 Juristen in der Dienststelle.“

Wie schaut ein Tagesablauf von Ihnen aus?

„Jeder Tag ist anders. Ich weiß oft nicht, was alles auf mich zukommt. Aber natürlich gibt es auch Fixpunkte. Ich komme meist so gegen sieben Uhr in das Büro. Wir haben in der Nacht einen juristischen Nachtdienst. Dieser berichtet, was alles passiert ist. Der diensthabende  Pressesprecher ist schon seit halb sechs da. Er schreibt  den Pressespiegel, gibt bereits Radiointerviews und berichtet über medienrelevante Artikel in den Zeitungen. Um 8.15 Uhr gehe ich zum Rapport beim Polizeipräsidenten. Ein Besprechungspunkt davon ist die gesamte Pressearbeit. Der Rapport dauert in etwa eine Stunde. Danach gibt es meistens verschiedene Besprechungen, Außentermine  – jedenfalls gleicht kein Tag dem anderen.“

Wie viele Pressesprecher gibt es?

„Wir haben ein Dienstrad entworfen, das aus fünf Pressesprechern besteht, die rund um die Uhr im Einsatz sind.  Darüber steht der Referatsleiter Oberstleutnant Golob. Im ganzen Büro  habe ich  insgesamt ca. 20 Mitarbeiter.“

Wie schaut das Dienstrad eines Pressesprechers aus?

„Der Einserdienst ist von 05.30 bis 14.30 Uhr. Der zweite von 8.00 bis 20.00 Uhr. Dieser macht dann auch die Rufbereitschaft bis um 5.30 Uhr und startet dann gleich in den Frühdienst. Einen oder maximal zwei haben wir dann noch, die zur besonderen Verwendung bereit stehen. Diese begleiten die verschiedenen Reportagen und sonstigen Projekte die im Laufen sind. Zurzeit drehen wir zum Beispiel einen neunminütigen Werbefilm für die Wiener Polizei gemeinsam mit einer professionellen Werbefirma.“

Um bei der Pressestelle anzufangen, muss man ganz normal die Grundausbildung machen?

„Die Strategie der Polizei ist nach wie vor, man muss Polizist sein. Gerade in dem sensiblen Bereich der Öffentlichkeitsarbeit sind erfahrene Polizisten gefragt. Der Grund ist ganz einfach: Sie wissen, was sie sagen dürfen und was nicht. Sie arbeiten sehr eng mit den Ermittlern zusammen und die Polizeireporter haben sehr viel Erfahrung in diesem Bereich. Da wäre es einfach nicht gut, einen „Nichtpolizisten“  als Pressesprecher zu verwenden. Bei der Auswahl haben wir darauf geachtet, Leute zu nehmen, die sich gut präsentieren  können, die auch telegen sind und in einem  Hearing ihr Können unter Beweis gestellt haben. Wir machen jedes Jahr ein mehrtägiges professionelles Medientraining.“

Was ist für Sie ein ganz besonderes Highlight, das ihnen während ihrer Tätigkeit bei der Polizei in Erinnerung geblieben ist?

„Da gibt es viele Dinge, die mir in guter Erinnerung sind. Das schönste war immer mit Menschen Kontakt zu haben und ihnen das Gefühl zu geben, die Polizei ist dein Freund und Helfer, wie ja der Slogan in den 90-er Jahren auch war.  Gerade als Polizist auf der Straße kommt man tagtäglich mit Menschen zusammen, die ein Anliegen haben. Wenn ich am Abend nach dem Dienst nach Hause gekommen bin und ein Problem zur Zufriedenheit eines Menschen gelöst habe, habe ich mich immer besser gefühlt.

Als Polizeimusiker waren  wir auch international unterwegs und haben viel Schönes erlebt.

Auch jetzt in der Öffentlichkeitsarbeit gibt es extrem viele Highlights. Die wichtige Arbeit die Leistungen unsere Polizistinnen und Polizisten in der Öffentlichkeit möglichst gut zu präsentieren ist extrem spannend.

Man kann bei der Polizei so viele Tätigkeiten ausprobieren und machen, dass sicher für jeden etwas dabei ist. Die Polizei ist einfach mehr als ein Beruf.“

 

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