Zielpunkt-Pleite: Folgeinsolvenzen befürchtet, Lösung für Lehrlinge

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Die Zielpunkt-Pleite könnte einen Domino-Effekt nach sich ziehen
Die Zielpunkt-Pleite könnte einen Domino-Effekt nach sich ziehen - © APA (Sujet)
Noch weitere Opfer dürfte die Pleite der Lebensmittelkette Zielpunkt fordern, die den Fleischlieferant Schirnhofer mit in den Abgrund riss. Gesichert sind indessen die Stellen der Lehrlinge – diese haben fix Jobs bei anderen Händlern erhalten.

“Wenn es so Riesenpleiten gibt, kommt es zu einem Dominoeffekt. Das ist leider immer wieder eine Folgekonsequenz”, sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer am Mittwoch. In der Größenordnung wie Schirnhofer dürfte aber niemand mehr sein, hofft der Minister.

Hundstorfer: “Geld wohl noch vor Weihnachten”

Hundstorfer bekräftigte, dass die rund 2.700 Beschäftigten ihr November-Gehalt und Weihnachtsgeld “mit hoher Wahrscheinlichkeit” vor Weihnachten bekommen. Beim Insolvenzentgeltfonds, der für die Zahlung zuständig ist, arbeite man mit Hochdruck. Die Mitarbeiter dort machten Überstunden, damit sich alles ausgehe.

Beendigungsansprüche wie Urlaubsentschädigungen, Zeitguthaben oder Abfertigungen würden erst gegen Ende Jänner bezahlt. Für etwaige weitere Gehälter ist dann schon der Masseverwalter zuständig. Der trifft heute mit dem Zielpunkt-Betriebsrat zusammen, um die Fragen der Mitarbeiter zu besprechen.

Zielpunkt-Filialen bleiben noch offen

Die 229 Zielpunkt-Filialen sollen noch bis Mitte Jänner offen haben, sagte Masseverwalter Georg Freimüller gestern zur APA. Bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) will man sich jedenfalls bemühen, dass so viele Filialen wie möglich einen neuen Betreiber finden, sagte BWB-Chef Theo Thanner am Mittwoch im Ö1-“Morgenjournal”.

Thanner hat dabei keineswegs nur Lebensmittelhändler im Visier, zumal der Markt ohnehin schon sehr stark konzentriert ist. “Wenn eine Schuhhandelskette die Filialen übernehmen würde, würde das nach unserem derzeitigen Wissensstand kein Problem darstellen”, so Thanner. Es gebe viele andere Branchen in Österreich, die Interesse haben könnten.

Lehrlinge haben Jobs bei anderen Händlern

Die 69 Zielpunkt-Lehrlinge können ihre Ausbildung fix bei einem der anderen Lebensmittelhändler fortsetzen. Die Geschäftsleitungen der Handelsunternehmen Rewe, Spar, Hofer und Lidl hätten bereits ihre Zusage für die Übernahme der Zielpunkt-Lehrlinge gegeben, gaben Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Mittwoch bekannt.

Lidl hat für den 17. Dezember einen “Recruiting Day” für Zielpunkt-Mitarbeiter organisiert, an dem sich Beschäftigte der Kette für alle möglichen Positionen bewerben können.

Möglichkeiten für Zielpunkt-Mitarbeiter

Wiener Beschäftigte, die sich neu orientieren wollen, können sich an den waff (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) wenden. Das Land Wien finanziere die Aus- und Weiterbildung, vom Lehrabschluss bis hin zu einer vollständig neuen Berufsausbildung, teilte waff-Vorstandsvorsitzende Tanja Wehsely mit. Allein in Wien beschäftigt Zielpunkt rund 1.400 Mitarbeiter.

Ein Teil von ihnen traf heute in Wien auf den Masseverwalter Georg Freimüller. Er habe den Beschäftigten mitgeteilt, die Filialen in den nächsten vier bis sechs Wochen offen halten zu wollen und habe die Mitarbeiter um Einsatz, Motivation und möglichst wenig Krankenstände gebeten, erzählte Freimüller im APA-Gespräch. “Mein Ziel ist, möglichst viele Standorte zu verkaufen, um Arbeitsplätze zu erhalten”, sagte Freimüller.

Zielpunkt-Pleite: Eventuell Teilbetriebsschließungen

Über Weihnachten und Silvester will der Masseverwalter die Filialen noch offen lassen, wenngleich er frühzeitige Teilbetriebsschließungen nicht ausschließt. Es werde davon abhängen, wie viele Interessenten es für die in Summe 229 Standorte gebe. Die Warenversorgung sei für die nächste Zeit jedenfalls gesichert, meinte Freimüller. Frischware werde gegen Barzahlung oder Vorauskasse geliefert, zudem seien die Läger noch recht gut gefüllt.

Nach derzeitigem Wissensstand habe die Pleite “überwiegend betriebswirtschaftliche Gründe”. Über die Ursache der Pleite wurde seit Bekanntwerden viel gerätselt. In der Branche wird bezweifelt, dass es im Oktober und November plötzlich zu massiven Umsatzeinbrüchen kam, wie Chef Georg Pfeiffer meinte. “Es spricht vieles dafür, dass es wirklich so war. Zielpunkt war ein Sorgenkind, das Liquiditätsproblem wurde unterschätzt”, so Freimüller.

(apa/red)

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