Folge der Zielpunkt-Pleite: Steirische Firma Schirnhofer zahlungsunfähig

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Zielpunkt-Folgepleite - Schirnhofer zahlungsunfähig
Zielpunkt-Folgepleite - Schirnhofer zahlungsunfähig - © Schirnhofer
Der Konkurs der Handelskette Zielpunkt hat Folgen für den Fleischverarbeiter Schirnhofer. Das Unternerhmen muss Insolvenz beantragen. Betroffen sind 269 Mitarbeiter und 276 Gläubiger. Die Überschuldung beträgt bis zu 21 Mio. Euro.

Das Unternehmen aus Kaindorf bei Hartberg in der Steiermark hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz beantragt.

Schirnhofer zahlungsunfähig

Dem Gläubigerschutzverband Creditreform zufolge wird das Verfahren noch im Laufe des heutigen Dienstags eröffnet werden. “Die Antragstellerin ist im insolvenzrechtlichen Sinne zahlungsunfähig und überschuldet. Zur Vermeidung einer Ungleichbehandlung der Gläubiger wurden die Zahlungen eingestellt”, heißt es im Antrag auf Eröffnung des Sanierungsverfahrens, der der APA vorliegt.

Schirnhofer-Insolvenzverfahren nun eröffnet

Das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über den infolge der Zielpunkt-Pleite in die Insolvenz geratenen Fleisch- und Wurstwarenhersteller Schirnhofer GmbH ist am späten Dienstagvormittag eröffnet worden. Das teilten die Kreditschützer AKV, Creditreform und KSV mit.

Die erste Gläubigerversammlung findet am 17. Dezember statt, die Berichts- und Prüfungstagsatzung wurde am 28. Jänner 2016 angesetzt.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Grazer Advokat Georg Muhri bestellt. Die Anmeldefrist wurde vom Grazer Handelsgericht mit 14. Jänner 2016 festgesetzt. Die Sanierungsplantagsatzung schließlich soll am 11. Februar nächsten Jahres stattfinden.

269 Mitarbeiter bei Schirnhofer betroffen

Von den 269 Beschäftigten – davon 56 Angestellte, 204 Arbeiter und 9 Lehrlinge – waren bereits in der Vorwoche 70 beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet worden. Die Passiva belaufen sich laut Kreditschützerangaben auf zwischen 24,8 und 29 Mio. Euro, die Aktiva auf zwischen 8 und 10,9 Mio. Euro, zum Teil Liegenschaften, die belastet sein sollen, so die Creditreform. Die Mitarbeiter haben das Oktobergehalt noch bekommen, das Novembergehalt und Weihnachtsgeld sind ausständig.

Nach den Worten von Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist noch abzuwarten, was das Gericht in Graz mit dem Insolvenzantrag des Fleischverarbeiters Schirnhofer mache. Beim oststeirischen Betrieb lebe aber noch das Prinzip der Hoffnung, dass eine Sanierung gelinge so, Hundstorfer am Rande des Ministerrats.

Die Firma Schirnhofer

Das Unternehmen wurde 1977 gegründet, der Ursprungsbetrieb war als kleine Fleischhauerei bereits 1926 ins Leben gerufen worden. Die in dritter Generation geführte Firma ist Österreichs größter in Familienbesitz befindlicher Fleisch- und Wursterzeuger. Durch den Wegfall von Zielpunkt wurden Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich, wozu wohl die Kündigung von 70 bereits beim AMS gemeldeten Mitarbeitern zählt. Alle weiteren Maßnahmen erschienen offenbar so kostenintensiv, dass sie nicht mehr ohne Insolvenzverfahren abgewickelt werden konnten.

Schirnhofer hatte seit 2008 laufend Betriebe übernommen, sodass im Konzern zu den besten Zeiten rund 1.500 Dienstnehmer beschäftigt waren. Im Zuge der bereits eingeleiteten Restrukturierung war der Betrieb der Schlachthof GmbH im oststeirischen Großsteinbach Anfang des Wirtschaftsjahres 2015/2016 – das mit dem zweiten Quartal beginnt – an die Firma Steirerfleisch verpachtet. Das von Schirnhofer verarbeitete Fleisch wurde daher seit kurzem von externen Schlachthöfen, insbesondere von Steirerfleisch, zugekauft. Im September 2015 hat man auch die Beteiligungen am Fleisch- und Wurstwarenproduzenten Aibler in Oberwaltersdorf (NÖ) und am Fertiggerichtehersteller Blasko Convenience in Bruck/Mur an die Marcher Fleischwerke veräußert. Allein daher hatte sich der Beschäftigtenstand im Konzern um mehrere hundert Dienstnehmer verringert.

Kooperation mit Zielpunkt

Überregional bekannt war Schirnhofer mit der Forcierung von Produkten aus dem Almochsen-Fleisch (“Almo”) sowie dem Shop-in-Shop-System ab 1997 in Kooperation mit Zielpunkt. Hier wurden in mehr als 250 Filialbetrieben mehr als 1.200 Dienstnehmer beschäftigt. Im Jahr 2014 wurde Zielpunkt zur Gänze von der Pfeiffer-Gruppe übernommen, welche wiederum eigene Feinkost-Abteilungen einführte, welche von Schirnhofer mit seinen Markenartikeln umfassend beliefert werden sollten. Im Zuge dieser neuen Kooperation wechselten die 788 Schirnhofer-Dienstnehmer in den Personalstand von Zielpunkt.

Zu den Kunden zählen unter anderem Groß- und Einzelhandelunternehmen, Gastronomiebetriebe, Kaufhäuser und Großküchen. Der deutsche Markt wird über die Schirnhofer Deutschland Vertriebs GmbH beliefert.

>> Zielpunkt-Konkurs ist offiziell

(APA)

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