Nach Zielpunkt-Pleite: Unimarkt-Chef schließt Expansion nach Wien aus

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Die Zielpunkt-Pleite bedroht zahlreiche Arbeitsplätze.
Die Zielpunkt-Pleite bedroht zahlreiche Arbeitsplätze. - © APA
Georg Pfeiffer nahm zur Insolvenz der Einzelhandelskette Zielpunkt Stellung, stritt eine absichtliche Einsparung beim Weihnachtsgeld ab und sah sich der Kritik von Gewerkschaftsboss Wolfgang Katzian ausgesetzt.

Georg Pfeiffer, Chef der Pfeiffer-Gruppe und der morgen in die Insolvenz gehenden Einzelhandelskette Zielpunkt, weist jeden Vorwurf, er wolle von der Zielpunkt-Insolvenz profitieren, etwa durch die Übernahme attraktiver Standorte, von sich. “Pfeiffer als nationaler Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel ist Geschichte”, so Pfeiffer in der ORF-Sendung “im Zentrum”. Dabei solle es bleiben.

Die Pfeiffer Handels GmbH habe schon im Mai den Kauf der Immobilien, in denen Zielpunkt eingemietet ist, von der Gruppe Tengelmann eingefädelt. Damit habe man die Mieten für Zielpunkt senken wollen. Die 68 im Paket enthaltenen Immobilien seien von unterdurchschnittlicher Qualität, bei 30 werde man keinen oder nur schwer Nachmieter finden, sagte Pfeiffer. Die wenigen guten Standorte seien in Wien und eine Expansion dorthin sei “für Unimarkt definitiv auszuschließen”.

Pfeiffer verwahrte sich auch gegen den Vorwurf, man habe absichtlich für die Insolvenz Ende November vor der Auszahlung von Weihnachtsgeld gewählt. “So etwas kann man nicht timen” sagte Pfeiffer und wiederholte wie schon früher, dass es unerwartet im November aufgrund schlechter Umsätze keine Fortführungsperspektive für Zielpunkt mehr gegeben habe. Auch dass Zielpunkt-Gutscheine nicht ausbezahlt werden bedauere er, aber “da gibt es juristisch null Spielraum”, beteuerte er.

Katzian kritisiert Pfeiffer

Der Chef der Gewerkschaft GPA-djp, Wolfgang Katzian, warf ihm hingegen vor, nicht einmal probiert zu haben, gemeinsam mit der Gewerkschaft nach einer Alternative zur Insolvenz zu suchen. Für Katzian ist es nun aber wichtiger, Arbeitsplätze zu erhalten, als eine weitere Konzentration im Wiener Einzelhandel zu verhindern. Wenn die zwei Großen (Spar und Billa, Anm.) künftig 67 statt 66 Prozent Marktanteil hätten, dann “ist mir das wurscht, wenn 1.000 Leute Arbeit kriegen”. Katzian glaubt Pfeiffer nicht, dass er erst vor zwei, drei Wochen draufgekommen ist, dass Zielpunkt nicht fortgeführt werden kann und behält sich rechtliche Schritte vor. Für eine solche Klage einen Beweis vorzulegen, wird aber nicht leicht, wie Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) in der morgigen Krone festhält: “Man muss nachweisen, ob hier eine bewusste Schädigung herbeigeführt worden ist, und das ist das Problem an der Sache.”

Katzian sieht auch die regelmäßig von der Arbeiterkammer angeprangerten Preisunterschiede zwischen Wien und Deutschland differenzierter. Wenn man Angebote und Rabatte berücksichtige, dann “relativiert sich einiges”, sagte er “im Zentrum”. Außerdem sei er froh, dass es in Österreichs Lebensmittelhandel viel Beschäftigung mit vollwertigen Arbeitsverhältnissen gebe und nicht Leiharbeit und prekäre Verhältnisse wie in Deutschland. Man könnte sicher ein paar Prozentpunkte herunterbringen, wenn man prekäre Verhältnisse hätte, so Katzian.

Auch Handelsexperte Peter Schnedlitz meinte, unter Berücksichtigung von Angeboten bleibe kaum ein Preisunterschied zwischen Deutschland und Österreich übrig. Zielpunkt habe seit 30 Jahren eine “Schlingerkurs” gefahren und seit dem Verkauf an Pfeiffer sei kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen gewesen, weil es kein klares, kommunizierbares Konzept gegeben habe. Ähnlich die Motivforscherin Helene Karmasin, die sagte: “Das Problem von Zielpunkt ist, dass es überhaupt kein Image hatte”. Man “konnte alles kaufen zu ungefähr guten Preisen”, es habe aber “kein Erlebnis, keine Idee” gegeben. Kunden seien nur zu Zielpunkt gegangen, wenn sie etwas brauchen und das sei zu wenig.

(APA, Red.)

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