Zielpunkt-Pleite: November-Löhne werden nicht mehr ausbezahlt

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2.500 Mitarbeiter sind von der Zielpunkt-Pleite betroffen.
2.500 Mitarbeiter sind von der Zielpunkt-Pleite betroffen. - © apa (Sujet)
2.500 Mitarbeiter müssen nach der Zielpunkt-Pleite um ihren Job bangen. Zusätzlich müssen sie auf ihr Geld warten, denn die November-Löhne und -Gehälter, die übermorgen überwiesen werden sollten, werden vom Unternehmen nicht mehr ausbezahlt.

Die Auszahlung der November-Entgelte übernehme der Insolvenzentgeltfonds. “Das dauert leider ein bisschen”, so Macho. Die betroffenen Mitarbeiter müssen nämlich selbst einen Antrag beim Fonds stellen. Für die Auszahlung der Dezember-Löhne und -gehälter wird dann der Masseverwalter zuständig sein.

Das Schicksal der Zielpunkt-Mitarbeiter

Die Mitarbeiter sind erst heute, Mittwoch, von ihrem Schicksal informiert worden. Erst seit gestern liege insolvenzrechtlich Überschuldung vor, erklärte Pfeiffer-Sprecherin Macho. Wie hoch diese sind und was an Aktiva vorhanden ist, sagte sie nicht. Wieviele Zielpunkt-Mitarbeiter letztendlich ihren Job verlieren oder allenfalls von einem neuen Eigentümer übernommen werden, steht noch in den Sternen. Dass eine der großen Konkurrenz-Handelsketten (etwa Billa oder Spar) die gesamten 229 Zielpunkt-Filialen übernimmt, wäre Branchenkennern zufolge kartellrechtlich nicht möglich.

Die Zielpunkt-Geschäfte bleiben vorerst geöffnet, wenngleich das Unternehmen keine Ware mehr bestellen kann. Lediglich mit den “wichtigsten Frischelieferanten” – Brot, Gebäck, Obst – gebe es eine “Zug-um-Zug-Regelung”. “Man zahlt im Vorfeld und bekommt dann die Ware”, erklärte Macho. Ob es dann zu einem großen Ausverkauf kommt oder weiter Ware bestellt wird, liegt in den Händen des Masseverwalters. Dieser muss erst bestellt werden, der Insolvenzantrag soll erst kommende Woche, am 1. Dezember, eingebracht werden.

Gewerkschaft über Vorgehen “entsetzt”

Die Insolvenzankündigung für die Supermarktkette Zielpunkt für 1. Dezember kam für Spitzengewerkschafter überraschend. Wolfgang Katzian, Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), ist über das Vorgehen des Eigentümers, die Handelsgruppe Pfeiffer mit Sitz in Traun, “entsetzt”. Belegschaft und Betriebsrat seien am Mittwochnachmittag vor vollendete Tatsachen gesetzt worden.

“Seitens der Geschäftsführung hat es keinerlei Bemühungen gegeben, eine sozialpartnerschaftliche Lösung zu finden”, kritisiert Katzian. Bis Mittwochabend habe von der Unternehmensleitung niemand Kontakt mit der Gewerkschaft aufgenommen. Derzeit recherchiere man noch die Hintergründe für die Pleite, erklärte der GPA-djp-Vorsitzende.

Katzian findet fehlende Finanzmittel “komisch”

Noch vor wenigen Wochen seien aus dem Unternehmen ganz andere Signale gekommen. Bis zum Frühherbst sei die Entwicklung der Zielpunkt-Sanierung auf Plan und sogar leicht darüber gewesen, heißt es sogar in der aktuellen Presseaussendung der Pfeiffer-Gruppe. “Und jetzt gibt es für die 2.500 Angestellten auf einmal kein Novembergehalt und kein Weihnachtsgeld mehr.”

Erst Anfang November hatte Pfeiffer seinen Großhandelsbetrieb C&C an den schweizer Handelsriesen Coop verkauft. Dass trotz des Erlöses keine weiteren Finanzmittel für Zielpunkt vorhanden sind, findet Katzian doch “komisch”. Die Gewerkschaft werde jetzt alles daran setzen, dass die Belegschaft ihr ausstehenden Gelder so schnell wie möglich bekommen. In Betriebsversammlungen sollen die Angestellten dann ab morgen informiert werden.

(apa/red)

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