Brief von Zielpunkt-Eigentümer sorgt für Unmut: “Waren alle komplett geschockt”

Zielpunkt- Pfeiffer-Brief wenige Wochen vor Insolvenz sorgt für Unmut
Zielpunkt- Pfeiffer-Brief wenige Wochen vor Insolvenz sorgt für Unmut - © APA
Über 210 Mio. Schulden, 2.700 Mitarbeiter betroffen und ein steirisches Unternehmen, das ebenfalls Mitarbeiter kündigen muss – Die Zielpunkt-Pleite hat weitreichende Folgen. Ein Brief des Eigentümers sorgt zusätzlich für Unmut.

Nur drei Wochen vor der Insolvenz-Ankündigung von Zielpunkt setzte Eigentümer Pfeiffer noch alle Hoffnungen in die Lebensmittelkette. “Wir werden mit voller Kraft die Entwicklung von Zielpunkt fortsetzen”, heißt es in einem der APA vorliegenden Schreiben, das Chef Georg Pfeiffer am 4. November an alle Mitarbeiter schickte.

Pfeiffer-Brief sorgt für Unmut

Anlass des Schreibens war der kurz davor abgewickelte Verkauf des Großhandelsbetriebs c+c Pfeiffer an Transgourmet, eine Tochter des Schweizer Handelskonzerns Coop. “Neben der strategischen Perspektive dieser Partnerschaft war die Sicherheit Ihrer Arbeitsplätze die wichtigste Grundlage für diese Entscheidungen. Ich bin überzeugt, dass wir mit den neuen Strukturen bestmögliche Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Weiterentwicklung in allen Geschäftseinheiten geschaffen haben”, heißt es in dem Brief weiters.

“Wir waren alle komplett geschockt. Das ist eine Sauerei jetzt vor Weihnachten“, sagte Zielpunkt-Betriebsratschefin Snjezana Brajinovic am Montag, den 30. November bei einer Betriebsversammlung in Wien.

Pfeiffer gab widersprüchliche Aussagen

Noch am 18. November sagte Zielpunkt-Geschäftsführer Erich Schönleitner dem “WirtschaftsBlatt”, dass Pfeiffer an Zielpunkt glaube und es bis 2017 aus den roten Zahlen schaffen wolle. Die Kette sollte mithilfe des Onlinegeschäfts, mehr Convenience-Produkten und Franchise-Partnern flottgemacht werden. In den nächsten drei Jahren hätten 20 bis 30 Standorte an Franchise-Partner gehen sollen. Doch nur eine Woche später kündigte das Unternehmen an, Insolvenz anmelden zu müssen. Der Konkursantrag erfolgte dann heute, Montag.

Brösel gab es aber schon länger, erzählte heute GPA-Chef Wolfgang Katzian vor Journalisten in Wien. Seit Juni habe der Betriebsrat intensive Gespräche mit dem Management geführt. Dabei sei der Wunsch klar gewesen, die Zentrale von Wien nach Linz zu verlagern, um Synergien zu erzielen und sich von einigen unrentablen Standorten im Osten zu trennen. In diesem Zusammenhang habe es Gespräche über einen Sozialplan gegeben, aber Pfeiffer wollte keinen Sozialplan, so Katzian. Es sei auch zu einer fristlosen Entlassung eines Betriebsrates bekommen, “die wir bekämpft haben und wo wir vorige Woche recht bekommen haben”. Für vergangenen Mittwoch sei die vorläufig letzte Runde zur Verhandlung des Sozialplans ausgemacht gewesen. Die sei aber eine Stunde vor Stattfinden vom Management abgesagt worden und der Betriebsrat wurde informiert, dass das Unternehmen in die Insolvenz geschickt wird.

Zielpunkt: Investoren sagten ab

“Das war überraschend, weil alle zugänglichen Informationen eine völlig andere Sprache gesprochen haben”, sagte Katzian. “Wenn die das am 4.11 als Linie vorgeben und dann 14 Tage später die Insolvenz kommt, dann wird es erlaubt sein, dass es einem komisch vorkommt”, verwies der Gewerkschafter auf den Brief von Georg Pfeiffer

Die Lebensmittelkette Zielpunkt hätte nach eigenen Angaben mindestens bis zum Geschäftsjahr 2020/21 noch Verluste geschrieben. Im ursprünglichen Sanierungskonzept wollte Zielpunkt im Jahr 2018/19 wieder einen Gewinn schreiben. Am 25. November hat es laut Insolvenzantrag “eine überarbeitete Planung der Geschäftsführung” gegeben, nachdem potenzielle Investoren abgesprungen sind.

Zwei Interessenten hätten nach einer eingehenden Prüfung (Due Diligence) “von einer Investition Abstand genommen”, zuvor aber bereits indikative Angebote gelegt, schreibt Zielpunkt in seinem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Zielpunkt ist pleite

Im Oktober ist der Umsatz und das Betriebsergebnis (EBIT) von Zielpunkt nach eigenen Angaben merklich eingebrochen. “Bis heute liegt das EBIT sogar noch leicht über der dem Sanierungskonzept zugrunde gelegten Planung. Allerdings ist im Oktober 2015 das erzielte EBIT erheblich von der Planung abgewichen, wodurch sich der bis dahin kumulierte EBlT-Vorsprung gegenüber der Planung nahezu halbiert hat”, heißt es im Insolvenzantrag. “Da aufgrund der überarbeiteten Planung nicht einmal in einem Planungshorizont von mehr als 5 Jahren der Eintritt eines Turnarounds dargestellt werden kann, fehlt ein wesentliches Element einer positiven Fortbestehensprognose”, schreibt die Lebensmittelkette.

Der Zielpunkt-Eigentümer – die oberösterreichische Handelsgruppe Pfeiffer – habe “im Sinne einer sorgfältigen Geschäftsführung von einer weiteren Mittelzufuhr Abstand nehmen” müssen. Die angestellten Überlegungen zur Beantragung eines Sanierungsverfahrens seien dann “mangels finanzieller Mittel zur weiteren Betriebsmittelfinanzierung nicht weiter verfolgt” worden.

Die Lebensmittelkette weist in ihrem Jahresabschluss 2014/15 (per Ende Februar) ein negatives Eigenkapital von 36,69 Mio. aus. In den vergangenen zwei Geschäftsjahren belief sich der Verlust auf jeweils rund 12 Mio. Euro. Insgesamt beschäftigt Zielpunkt 2.708 Dienstnehmer, davon 2.611 Angestellte, 27 Arbeiter und 70 Lehrlinge.

>> Zielpunkt-Pleite ist offiziell

(APA)

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