Fußball-EM: Garics bleibt nach Schicksalsschlag im ÖFB-Quartier

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ÖFB-Teamspieler György Garics hatte eine besonders starke Bindung zu seinem Vater.
ÖFB-Teamspieler György Garics hatte eine besonders starke Bindung zu seinem Vater. - © APA
Österreichs Nationalspieler György Garics bleibt trotz des Todes seines Vaters beim ÖFB-Team im Frankreich.

Für György Garics ist die Fußball-EM in Frankreich in den vergangenen Tagen in den Hintergrund gerückt. Am Donnerstag verstarb der Vater des österreichischen Teamspielers im Alter von 62 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Szombathely. Dennoch war es für den 32-Jährigen nie ein Thema, das ÖFB-Camp in Mallemort zu verlassen.

“Wenn ich das machen würde, wäre mein Vater der Erste, der sauer darüber wäre”, sagte Garics am Sonntag. Sein Vater habe sich in den vergangenen Monaten sehnlich gewünscht, dass Garics junior mit seinem Klub Darmstadt den Klassenerhalt in der deutschen Bundesliga schafft und für den EM-Kader nominiert wird.

Beide Ziele wurden erreicht, und dadurch fiel es seinem Vater laut dem Rechtsverteidiger leichter, Abschied zu nehmen. “Ich glaube, er wollte die Geschichte beenden, damit ich mich ganz auf das Turnier konzentrieren kann.”

Besonderes Verhältnis zwischen Vater und Sohn

Garics verband mit seinem Vater ein besonders inniges Verhältnis. Als Kind begleitete er den ehemaligen Profi von Haladás Szombathely zu vielen Spielen, auch in Österreich, wo György Garics senior gegen Ende seiner Karriere bei Amateurklubs tätig war. Danach spielte sein Vater als verlässlicher Ratgeber und Rückhalt eine wichtige Rolle in der Profikarriere des Deutschland-Legionärs.

Seit August des Vorjahres hatte Garics senior mit der schweren Krankheit zu kämpfen, gepflegt wurde er von der Frau seines Sohnes. Am Dienstag, einen Tag vor dem Abflug des ÖFB-Teams, nahm Garics Abschied von seinem Vater. “Seine letzten Worte an mich waren: ‘Geh’ bitte und mach, was du zu tun hast'”, erzählte der Abwehrspieler.

Nach der Ankunft in Mallemort telefonierte er noch einmal mit seinem Vater. “Dadurch konnte er sich vergewissern, dass ich wirklich bei der EM dabei bin.”

Garics: “Es war zu früh für ihn”

Garics verzichtete auch deswegen auf eine Heimreise, weil es kein normales Begräbnis gibt. Sein Vater wurde eingeäschert, die Überreste werden an einem Ort verstreut, den Vater und Sohn schon vor längerer Zeit miteinander vereinbart haben. “Das erleichtert die Geschichte für mich. Und wenn ich daheim die Hände von meiner Schwester und meiner Mutter halte, bringt ihn das auch nicht wieder zurück.”

Er mache im Moment eine schwierige Phase durch, gab Garics zu. “Es war zu früh für ihn, aber da muss ich durch. Bestimmte Dinge kann man nicht beeinflussen. Er hat alles versucht, leider hat er es nicht geschafft.”

Nun will der 41-fache Interntionale (zwei Tore) für seinen Vater bei der EM erfolgreich sein. “Mir bleibt nur, das zu vollstrecken, was er sich am meisten gewünscht hat – bei der EM dabei zu sein. Ich werde jetzt alles dafür tun, ihn noch stolzer zu machen.”

Österreich gegen Ungarn am Dienstag

Garics hat sich vorgenommen, den Schicksalsschlag so gut wie möglich zu verarbeiten. “Solche Dinge gehören zum Leben dazu, auch wenn ich diese Erfahrung lieber erst später gemacht hätte. Aber der Leitsatz meines Vaters war: ‘Nütze deine Energie für Dinge, die du ändern kannst.’ Er würde wollen, dass ich meinen Weg hier weitergehe, und genau das werde ich machen”, erklärte der Teamspieler.

Das EURO-Spiel zwischen Österreich und Ungarn am Dienstag in Bordeaux kam für Garics senior zu spät. “Er hätte es gerne erlebt, leider ist es sich nicht mehr ausgegangen”, sagte der Rechtsverteidiger, der in diesem Match wohl auf der Ersatzbank sitzen wird.

Unterstützung durch die Teamkollegen

Im Zusammenhang mit dem Tod seines Vaters habe er viel Zuspruch von seinen ÖFB-Teamkollegen bekommen. “Dafür möchte ich mich bedanken”, betonte Garics.

Der Tod seines Vaters hat innerhalb der Nationalmannschaft große Betroffenheit ausgelöst – so auch bei Zlatko Junuzović. “Das ist extrem traurig, da ist es schwierig, die richtigen Worte zu finden. Wir haben die ganze Geschichte schon seit längerem miterlebt und versuchen, ihn so gut wie möglich zu unterstützen”, erklärte der Legionär von Werder Bremen.

(APA, Red.)

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