Die Spitzenkandidaten der OÖ-Wahl 2015 im Porträt

Die Spitzenkandidaten zur OÖ-Wahl 2015.
Die Spitzenkandidaten zur OÖ-Wahl 2015. - © APA
Am 27. September wird gewählt. Das sollten Sie über die Spitzenkandidaten der OÖ-Wahl 2015 unbedingt wissen. Die Politiker der einzelnen Parteien im Proträt.

Josef Pühringer (ÖVP)

LANDTAGSWAHL OBER…STERREICH: WAHLKAMPFAUFTAKT DER …VP / P†HRINGER

Zum vierten Mal tritt Josef Pühringer als ÖVP-Spitzenkandidat zur Landtagswahl an. Dass nach dem 27. September der alte Landeshauptmann auch der neue sein wird, steht wohl außer Frage. So macht ihm auch kein anderer Spitzenkandidat den Führungsanspruch streitig.

Diese Akzeptanz als Landeshauptmann war Pühringer nicht von vornherein gegeben. Als er nach 16 Jahren Abgeordneter im Landtag und acht Jahren als Umweltlandesrat im März 1995 Josef Ratzenböck in dieser Funktion beerbte, hielten viele die Fußstapfen des Vorgängers für ihn zu groß. Doch Pühringer trat aus dem Schatten des Landesvaters heraus

Tatsächlich, so sagt er, würden sich seine Batterien sehr schnell wieder aufladen. Kuren in Bad Ischl, Urlaub am Mondsee mit seiner Frau und den drei Kindern, laufen oder saunieren sind seine Tankstellen. Dabei schöpft der ausgebildete Jurist, der während des Studiums auch mal als Religionslehrer gearbeitet hat, so viel Kraft, dass er vor zwei Jahren neben seinem Amt noch die Karenzvertretung von ÖVP-Bildungslandesrätin Doris Hummer übernahm und parallel dazu den Regierungskollegen Rudi Anschober (Grüne) in dessen Burn-out-Zeit vertrat.

Seinen Aktionsradius hat er in den 18 Jahren an der Landesspitze Richtung Bundesparteizentrale in Wien gehörig ausgeweitet. So führte der bekennende Großkoalitionär nach den Nationalratswahlen 2013 in den Koalitionsverhandlungen die entscheidende Arbeitsgruppe Finanzen.

Dass der Landeshauptmann mit seinen 65 Jahren die gesamte Legislaturperiode – in Oberösterreich dauert sie sechs Jahre – regieren wird, gilt ohnehin als unwahrscheinlich. Zumindest hat der gebürtige Trauner, der noch immer dort daheim ist, schon seinen potenziellen Nachfolger auserkoren: Klubobmann Thomas Stelzer.

Rudi Anschober (Grüne)

ABD0017-20150822

Rudi Anschober bewirbt sich bei der oö. Landtagswahl am 27. September für seine mittlerweile dritte Funktionsperiode als Landesrat. Die Umfragen legen nahe, dass er das schafft, eine “g’mahte Wies’n” ist es allerdings nicht. Zudem verdächtigt er seinen Koalitionspartner ÖVP offenbar, mit der FPÖ zu liebäugeln und malt eine Richtungsentscheidung zwischen Schwarz-Blau und Schwarz-Grün an die Wand.

Anschober ist seit den 1980ern in politischen Funktionen aktiv, war u.a. Nationalrat, Landtags-Klubobmann und Landessprecher. 2003 schmiedete er mit Josef Pühringer den österreichweit ersten schwarz-grünen Pakt auf Landesebene, seither ist er Umweltlandesrat. Als der Volksschullehrer vor zwölf Jahren in die Regierung einzog, war ein Grüner dort noch eine Rarität.

Bis 2009 war er bei je vier schwarzen und roten Kollegen in der Landesregierung das Zünglein an der Waage, in der zweiten Auflage von Schwarz-Grün hatte die ÖVP in der Regierung auch allein eine Mehrheit und im Landtag ein Patt. Dennoch hielt die Partnerschaft. Zwar gibt es in manchen Punkten Meinungsverschiedenheiten, etwa beim Linzer Westring, wirklich auf den Tisch haut Anschober aber selten – was ihm gelegentlich den Vorwurf des Steigbügelhalters eintrug.

In die Politik getrieben hat den heute 54-Jährigen der Protest gegen das AKW Temelin. Das Anti-Atom-Thema steht auch heute noch auf seiner Agenda, zuletzt trommelte er lautstark gegen die Subventionierung des britischen Meilers Hinkley Point, gegen die Österreich beim EuGH schließlich auch klagte. Wenn etwa die Parteijugend freies Cannabis fordert, scheint er sich zu fragen, ob es nicht wichtigere Probleme gibt. Anschober hat sich vielmehr klassischen Umweltthemen verschrieben.

Für seine Weggefährten war es lange Zeit schwierig, sich neben dem politischer Alleinunterhalter zu positionieren. Nach einer Burn-out-bedingten Auszeit 2012 trat aber er schließlich doch kürzer, übergab die Parteispitze an Maria Buchmayr und war in erster Linie Landesrat. Viel Zeit zur Erholung blieb ihm aber nicht, denn die Hochwasser-Katastrophe 2013 brachte viel Arbeit – allerdings auch Reputation als Sachpolitiker.

Manfred Haimbuchner (FPÖ)

O…-WAHL: TV-DISKUSSION DER SPITZENKANDIDATEN ZUR OBER…STERREICHISCHEN LANDTAGSWAHL: HAIMBUCHNER

Obwohl Manfred Haimbuchner die FPÖ bereits zum zweiten Mal in die oö. Landtagswahl führt, ist er mit 37 Jahren der Jüngste unter den Spitzenkandidaten. Er will sich offenbar als ernst zu nehmender Partner für die ÖVP ins Spiel bringen.

Haimbuchner kann wohl entspannter als die Konkurrenz dem Urnengang entgegenblicken. Er sitzt parteiintern derzeit fest im Sattel, den Freiheitlichen werden deutliche Zugewinne prognostiziert. Er selbst scheint den Erfolg nicht allzu laut verschreien zu wollen.

Als Kind wollte er Landwirt werden. Nach dem Jus-Studium zog es ihn aber doch in die Politik, wo er rasch die Karriereleiter in der FPÖ hinaufkletterte. 2003 wurde er Gemeinderat in Steinhaus bei Wels, 2006 zog er in den Nationalrat ein. Bei der Landtagswahl 2009 verdoppelte der damals erst 31-Jährige den durch innerparteiliche Turbulenzen 2003 auf 8,4 Prozent geschrumpften Stimmenanteil. Seither ist er als Landesrat für Wohnbau und Naturschutz zuständig.

2010 löste er seinen “väterlichen Freund” Lutz Weinziger als Landesparteichef ab. Während Weinzinger am rechten Rand der Partei beheimatet war und das auch immer offen zeigte, gibt sich Haimbuchner gemäßigt – im persönlichen Umgang stets freundlich, im Ton weit milder als sein Vorgänger.

In seiner Zeit als Parteichef hatte er immer wieder mit rechten Rülpsern aus den eigenen Reihen zu tun. Oft gab es Konsequenzen, aber nicht immer. “Jede Partei hat einen Narrensaum”, hat Haimbuchner das Problem einmal kommentiert. Aber: “Ich lasse mir meine Partei und die Leute aus der Mitte der Gesellschaft nicht madig machen.”

Obwohl in der Landesregierung für den Naturschutz zuständig, hat Haimbuchner mit dem Klimawandel so seine Probleme. Natürlich gebe es ihn, räumt er ein, aber, dass er vom Menschen verursacht wurde, sei eine “Ersatzreligion”. Man müsse alles kritisch hinterfragen dürfen, meint er – offenbar gilt das auch für den Stand der Wissenschaft.

Reinhold Entholzer (SPÖ)

LANDTAGSWAHL OBER…STERREICH: WAHLKAMPFAUFTAKT DER SP… / ENTHOLZER

Reinhold Entholzer wird die SPÖ Oberösterreich, nach dem Einbruch um 14 Prozentpunkte bei der vorigen Landtagswahl als Spitzenkandidat in die bevorstehende am 27. September führen.

Doch als Gewerkschafter scheue man, wie er immer wieder betont, die Auseinandersetzung mit schwierigen Situationen nicht. Bis zum Wechsel an die rote Landesparteispitze war er fast 15 Jahre in der Arbeitnehmervertretung. Nach dem Einstieg als Personalvertreter bei den ÖBB machte er in der Gewerkschaft Karriere. Der HTL- Absolvent und gelernte Hochbauingenieur war Landesvorsitzender der Eisenbahner-Gewerkschaftschaft und zum Schluss Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG).

Entholzer gilt als Pragmatiker mit Handschlagqualität, scheue nicht die Diskussion, suche jedoch stets einen Kompromiss. Daher fällt der 55-Jährige auch weniger durch markige Ansagen auf wie sein Vorgänger Josef Ackerl, der seinerzeit nicht umsonst den Spitznamen “Comandante Uno” trug. Vielmehr ist der jetzige SPÖ-Chef für alle Genossen nur der “Reini”, der für sie stets ein offenes Ohr habe.

So hat der Spitzenkandidat auch den Landtagswahlkampf angelegt. In direkten Kontakt mit den Wählern will er treten, hinausgehen zu den Menschen, mit ihnen diskutieren, wie er im Gespräch mit der APA erklärte.

So sieht sich Entholzer durchaus auch selber. Es gehe ihm bei den Landtagswahlen nicht um Machterhalt – immerhin sackte die SPÖ 2009 von 39 auf 25 Prozent ab und droht laut aktuellen Umfragen bei den kommenden Wahlen sogar noch hinter die FPÖ zurückzufallen. Mit “Arbeiten für die Menschen im Land” wolle er um die Wählergunst werben.

Doch auch der Arbeitseinsatz des roten Landeschefs kennt Grenzen. Etwa wenn es um seine Familie geht, die stehe bei ihm an erster Stelle. Die beiden erwachsenen Kinder sind bereits außer Haus, mit seiner Frau Renate lebt er im umgebauten Haus des Großvaters in Steegen (Bezirk Grieskirchen).

Judith Raab (NEOS)

Judith Raab (46) steht seit April 2014 an der Spitze der oö. NEOS und führt die Pinken in die Landtagswahl. Privat fährt sie gerne Wildwasser-Kajak. Die Befürchtung, dass die Zukunft der nächsten Generation den Bach runtergehen könnte, hat die Mutter einer 19-Jährigen motiviert, in die Politik zu gehen. Absolutes Lieblingsthema der Juristin, die in der Begabtenförderung arbeitet, ist die Bildung.

Raab wuchs auf einem Mühlviertler Bauernhof mit fünf Geschwistern auf, in bescheidenen Verhältnissen. “Ich habe von meinem Papa unheimlich viel Hausverstand und handwerkliches Geschick mitbekommen”, sie sei Traktor gefahren und habe in der Werkstatt herumgeschraubt. Sie war aber auch die Erste in der Familie, die studierte. Nebenher hat sie im Gastgewerbe gearbeitet und ihre Tochter aufgezogen. Gerade weil es ihr nicht in die Wiege gelegt wurde, schätzt sie die Bildung so hoch, sagt sie heute selbst. Wenn sie über das Thema spricht, geht ihr sichtbar das Herz auf.

Das Lernen hat auch das Berufsleben der Neo(s)-Politikerin geprägt. Nach Jus absolvierte sie den MBA für internationales strategisches Management und ein Masterstudium Begabungsforschung und -förderung. Sie arbeitete ehrenamtlich in der Bewährungshilfe, war Geschäftsführerin des Uni-Netzwerkes Kepler Society und später der Internationalen Akademie Traunkirchen. Den Job habe sie aus Zeitgründen nun aufgegeben, erklärt sie. Raab will künftig als selbstständige Beraterin in Sachen Talentförderung arbeiten – und “ganz sicher” noch einen weiteren Uni-Abschluss machen.

Ihr Bruder Martin ist ÖVP-Bürgermeister in Hofkirchen im Mühlkreis und Mitglied der rot dominierten Bürgermeister-Plattform, eines Zusammenschlusses aufmüpfiger Ortschefs. Sie selbst hat auch kurzzeitig eine politische Heimat in der Volkspartei gehabt. Heute meint sie rückblickend: “Wer nie in der ÖVP war, weiß nicht, was Stillstand ist.”

OÖ-Wahl 2015 auf einem Blick

– Wahltermin: 27. September 2015
– Wahlschluss: 16.00 Uhr
– Wahlberechtigt: 1,1 Millionen Oberösterreicher
. Aktiv wahlberechtigt: 16. Lebensjahr am Wahltag beendet
. Passiv wahlberechtigt: 18. Lebensjahr am Wahltag beendet
– Wahlwerbende Gruppierungen und Spitzenkandidaten:

ÖVP – Josef Pühringer
SPÖ – Reinhold Entholzer
FPÖ – Manfred Haimbuchner
GRÜNE – Rudi Anschober
NEOS – Judith Raab
CPÖ – Daniel Dragomir (Christliche Partei Österreichs)

 Alle Informationen rund um die OÖ-Wahl 2015 – am Wahltag auch mit Live-Ticker – finden Sie hier.

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen