Andreas Khol: Alle Fakten zum Obmann des ÖVP-Seniorenbunds

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ÖVP-Bundespräsidentschaftskandidat Andreas Kohl im Fokus
ÖVP-Bundespräsidentschaftskandidat Andreas Kohl im Fokus - © APA/GEORG HOCHMUTH
Als Präsident des Nationalrates hat Andreas Khol knapp vier Jahre lang als Nummer 2 im Staat fungiert, nun zieht es den Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes in Richtung des höchsten Amts der Republik. Weitere Infos zum ÖVP-Kandidaten finden Sie hier.

Andreas Khol – Sein beruflicher Werdegang

Andreas Khol wurde am 14. Juli 1941 in Bergen auf Rügen als Sohn Südtiroler Eltern geboren, wuchs anschließend in Sterzing, also im Norden Südtirols auf. Nach der Matura am Akademisches Gymnasium in Innsbruck studierte Khol an der Universität Innsbruck und Paris Rechtswissenschaften, 1963 erhielt er seinen Doktortitel. 1966 wurde Khol Sekretär beim Österreichischen Verfassungsgerichtshof, gleichzeitig war er als Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Außenpolitik tätig. Von 1969 bis 1973 war er als internationaler Beamter im Sekretariat des Europarates im Bereich Menschenrechtsschutz aktiv. Dieses Arbeitsgebiet sollte sich auch bei seiner Habilitation 1969 in den Bereichen Verfassungsrecht und Internationale Organisationen an der Universität Wien widerspiegeln, der Titel seiner Arbeit lautete “Zwischen Staat und Weltstaat. Die internationalen Sicherungsverfahren zum Schutz der Menschenrechte”.

Von 1974 bis 1992 war Andreas Khol Direktor der Politischen Akademie der ÖVP, zwischen 1983 und 2006 Abgeordneter des Nationalrates – hierbei außenpolitischer Sprecher sowie Verfassungssprecher –  sowie Klubobmann der ÖVP im Zeitraum von 1994 bis 2002. Im Anschluss daran folgten vier Jahre als Präsident des Nationalrates. Noch 2005 wurde er zudem Präsident des Österreichischen Seniorenrates und Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes.

Der Tiroler Verfassungsjurist und Seniorenvertreter

Von seiner Ausbildung her ist Khol Verfassungsjurist, war neben Beschäftigungen am VfGH und im Europarat auch an der Uni lehrend tätig, doch die vielleicht noch größere Leidenschaft ist die Politik. Und da konnte es für den begeisterten Wanderer nie hoch genug gehen. ÖVP-Obmann wollte er Mitte der 1990er-Jahre werden, scheiterte aber an Wolfgang Schüssel. Khol schluckte es und war als Klubobmann loyaler Weggefährte des neuen Chefs. Das wurde ihm gelohnt, als Schüssel die Volkspartei ins Schwarz-Blaue führte. Gar nicht so lange davor hatte der üblicherweise spitzzüngig formulierende Khol die FPÖ noch außerhalb des Verfassungsbogens gewähnt. Nun saß er plötzlich quasi Hand in Hand mit seinem blauen Pendant Peter Westenthaler als Klubchef an den Schalthebeln der Koalition mit den Freiheitlichen. Die Wahrheit sei eben eine “Tochter der Zeit”, meinte er später.

Zu Khols späteren Verdiensten als Nationalratspräsidenten gehört die Öffnung des Parlaments für die Bevölkerung und der Auftakt zum Umbau des Hohen Hauses. Zudem konnte der nicht uneitle Politprofi in dieser Funktion sein Talent fürs Repräsentative ausleben. Freilich war es nach vier Jahren mit dem schönen Posten schon wieder vorbei. “Mein Amt ist weg”, stellte der Präsident noch am Abend der Wahlniederlage der ÖVP im Jahr 2006 fest und nahm nach 23 Jahren auch gleich ganz Abschied vom Parlament. Dass er ab da politisch ruhig werden würde, hätte ohnehin keiner geglaubt und Khol verstand es tatsächlich auch in seiner neuen Rolle als Seniorenpolitiker (an der Seite des roten Pensionistenchefs Karl Blecha) seinen politischen Einfluss geltend zu machen.

Andreas Khols Chance als Bundespräsident

Fachlich wäre das Amt für ihn wohl problemlos machbar. Khol hat internationale Kontakte, bringt wie Amtsinhaber Heinz Fischer juristisches Rüstzeug mit, ist kulturell bewandert und lässt mit seiner geschliffenen Rhetorik auch die ein oder andere kernige Neujahrsrede erwarten. Die entscheidende Frage ist, ob ein deklariert christlich-konservativer Politiker, der den Gottesbezug in die Verfassung schreiben wollte, heute den Nerv des Wählers trifft.

Khol ist seit mehr als 50 Jahren mit seiner Frau Heidi verheiratet und Vater von sechs Kindern.


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(APA/Red)

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