Woran die hohen Inflationszahlen erinnern

Die Statistik Austria sagte für März eine Inflation von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat voraus.
Die Statistik Austria sagte für März eine Inflation von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat voraus. ©REUTERS/Leonhard Foeger (Symbolbild)
Die - momentan hohen - Inflationszahlen rufen bei manchen Erinnerungen hervor. Aber woran?

Die aktuell hohen Inflationszahlen lassen bei manchen wieder Erinnerungen an die 1970er- und 1980er-Jahre wach werden. Die Ölpreiskrisen 1973 und 1979/1980 ließen die Teuerung weltweit in die Höhe schießen. Die Notenbanken versuchten damals, die Inflation mit hohen Leitzinsen zu bekämpfen. Für die Börsenexpertin Monika Rosen ist die aktuelle Inflationslage aber nicht mit damals vergleichbar.

Börsenexpertin: Momentane Inflationslage nicht vergleichbar

"Wir leben in einer andere Welt. Der Anteil des Erdöls an der globalen Wirtschaftsleistung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken", sagte Rosen im APA-Gespräch. Auch der Aufstieg der Technologieunternehmen und die Globalisierung hätten die Teuerung seit den 1990er-Jahren gedämpft. Für Rosen ist die Coronapandemie inklusive Lieferkettenprobleme und der Ukraine-Krieg ein "Doppelschlag" für die Weltwirtschaft. Im Jahr 2021 lag die Inflationsrate in Österreich bei 2,8 Prozent, für März prognostizierte die Statistik Austria bereits eine Teuerung von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

1970er bachten hohe Inflationswerte in Österreich

Besonders hohe Inflationswerte gab es in Österreich in den 1970er-Jahren. Zwischen 1972 und 1977 belief sich die Inflationsrate auf 5,5 bis 9,5 Prozent. In diesem Zeitraum lag der von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) festgesetzte Leitzins bei 5,0 bis 6,2 Prozent. Seit 1999 legt der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) die Leitzinsen für die Eurozone fest.

Seit 2016 verharrt der Leitzins der EZB bei null Prozent. Mit Niedrigzinspolitik und Wertpapier-Ankaufprogrammen wollten die Notenbanker die Wirtschaft in Europa wieder in Schwung bringen. Angesichts der aktuell hohen Inflation steigt der Druck auf die Währungshüter in Frankfurt, die Zinswende aber bald einzuleiten. Wie erwartet bleibt der Leitzinssatz bei der EZB-Ratssitzung am Donnerstag trotz Rekordinflation aber unverändert bei null Prozent. Die Währungshüter bekräftigten zugleich aber, auf ein Ende ihrer ultralockeren Geldpolitik zuzusteuern.

Börsenexpertin rechnet nicht mit drastischen Leitzinsanhebungen

Börsenexpertin Rosen erwartet in der Eurozone keine drastischen Leitzinsanhebungen wie in den 1970er- und 1980er-Jahren. Die EZB werde wohl vorsichtig vorgehen, um "drastische Renditeanstiege" bei Staatsanleihen der Eurozonen-Peripherieländer zu verhindern. Rosen verwies auf Markterwartungen, die bis 2024 mit Euro-Leitzinsen von 0,7 Prozent rechnen. Die US-Notenbank Fed und die EZB würden in den kommenden Monaten versuchen, die Inflationserwartungen zu dämpfen, so Rosen.

Für den Raiffeisen-Chefanalysten Peter Brezinschek tut sich die EZB schwer den "Krisenmodus" zu verlassen, "weil die Eurozone ja sehr heterogene Interessen vertritt". Nach der Coronapandemie sei "jetzt noch der Krieg Russlands gegen die Ukraine dazukommen, der ein zusätzliches Unsicherheitsmoment" darstelle, sagte Brezinschek im Ö1-"Morgenjournal" des ORF-Radios. Angesichts der längerfristig hohen Inflationsraten müsse die EZB aber handeln. "Das Gesetz des Handelns ist notwendig, denn das Vertrauen, das die Notenbank genießt, wird sicherlich bei den Bürgern aufgebraucht bei Inflationsraten, die sehr stark ihre Kaufkraft beeinträchtigen."

(APA/Red)

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