Wirtschaft erholt sich: BIP wuchs spürbar

Das BIP in Österreich steigt wieder an.
Das BIP in Österreich steigt wieder an. ©AFP
Gemäß der aktuellen Schnellschätzung des WIFO expandierte die österreichische Wirtschaftsleistung im II. Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal um 4,3 Prozent.

Dank der weiteren Erholung der Industriekonjunktur und der Corona-Lockerungen ist Österreichs Wirtschaft im zweiten Quartal spürbar gewachsen. Gegenüber dem Vorquartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 4,3 Prozent zu und im Jahresabstand sogar um 11,4 Prozent, ergab die Schnellschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) von Freitag. Im ersten Vierteljahr lag das BIP noch 1,1 Prozent unter dem Vorquartal und 4,5 Prozent unter dem Vorjahresvergleich.

Lockerungen beflügelten Wirtschaft

Vor allem die in der Coronakrise am stärksten betroffenen Bereiche profitierten von der Aufhebung der behördlichen Covid-19-Einschränkungen Mitte Mai. Der Bereich Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie expandierte im Quartalsabstand um 20,5 Prozent, nach einem Minus von 9,5 Prozent im ersten Vierteljahr. Die sonstigen Dienstleistungen (u.a. mit Kunst, Unterhaltung und Erholung sowie körpernahen Dienstleistungen) legten um 7,1 Prozent zu, nach 6,3 Prozent Rückgang davor. Die Konsumnachfrage der privaten Haushalte (samt privaten Organisationen ohne Erwerbszweck) wuchs um 3,8 Prozent nach 3,5 Prozent Minus im Quartal davor.

Industrie nahm an Fahrt auf

Bei der Industrie, die schon im ersten Vierteljahr an Fahrt gewonnen hatte, setzte sich die positive Dynamik laut Wifo im Zeitraum April bis Juni fort. Die Wertschöpfung der Industrie stieg im zweiten Quartal um 2,3 Prozent, nach 2,7 Prozent Plus im Quartal davor. Auf hohem Niveau stagnierte die Bauwirtschaft (-0,6 Prozent nach +4,8 Prozent). Auch die Investitionsnachfrage der Unternehmen entwickelte sich den Fachleuten zufolge positiv. Die Bruttoanlageinvestitionen wurden um 2,1 Prozent ausgeweitet (nach +3,3 Prozent im ersten Quartal).

Die Reiseverkehrsexporte profitierten von der Lockerung der Reiseverkehrsbeschränkungen sowie den Öffnungsschritten in Beherbergung und Gastronomie. Auch die Warenexporte stiegen laut Wifo angesichts der internationalen Konjunkturerholung: Die Exporte lagen um 14,9 Prozent über dem Vorquartal. Die Importe trugen mit 9,8 Prozent Zuwachs zu einem positiven Außenwirtschafts-Beitrag zum BIP bei.

Erzeugerpreisindex im Juni 2021 um knapp 7 Prozent gestiegen

Im Juni 2021 hat der Erzeugerpreisindex für den Produzierenden Bereich den höchsten Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen im Jänner 2000 erreicht. Es gab im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Anstieg um 6,9 Prozent auf 107,2 Punkte, teilte die Statistik Austria am Freitag mit. Bereits im Mai und April waren Steigerungen um 6 und 4,7 Prozent im Vergleich zu 2020 festzustellen. Der positive Preistrend hält also weiter an. Gegenüber Mai 2021 stieg der Index um 1 Prozent.

Die Preisdynamik für Erzeugnisse des Produzierenden Bereichs zog im 1. Halbjahr 2021 aufgrund der Teuerungen in den Bereichen Energie und Vorleistungsgüter deutlich an. Im 1. und 2. Quartal 2021 lag die Teuerung zum Vorquartal jeweils über 2 Prozent (1. Quartal 2021: +2,2 Prozent, 2. Quartal 2021: +2,9 Prozent). Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 stiegen die Preise um 3,4 Prozent. Energiepreise stiegen stark um 14 Prozent, die Teuerung für Vorleistungsgüter stieg im Juni 2021 um 9,2 Prozent.

Der Indexanstieg im Juni 2021, +6,9 Prozent, wurde durch die starken Preiszuwächse in den Bereichen Energie (+14,0 Prozent) und Vorleistungsgüter (+9,2 Prozent) getrieben. Auch in den Monaten Mai 2021 (Energie: +13,3 Prozent, Vorleistungsgüter: +7,4 Prozent) und April 2021 (Energie: +9,5 Prozent, Vorleistungsgüter: +5,9 Prozent) wurden hier deutliche Preisanstiege beobachtet.

Im Bereich Energie wirkten sich insbesondere die Teuerungen für "Mineralölerzeugnisse" sowie für "elektrischen Strom und Dienstleistungen der Elektrizitätsversorgung" (+8,8 Prozent) auf den Index aus. Starke Preiserhöhungen im Bereich "Metallerzeugung und -bearbeitung" (+18,9 Prozent) ließen den Index für Vorleistungsgüter im Juni 2021 anwachsen. Am stärksten stiegen die Preise für "Nichteisen-Metalle und Halbzeug daraus" (+27,5 Prozent). "Sonstige Erzeugnisse der ersten Bearbeitung von Eisen und Stahl" legten gegenüber dem Vorjahresmonat um 21,9 Prozent zu. Im Bereich der chemischen Industrie befanden sich die Preise für die Produktgruppe "chemische Grundstoffe, Düngemittel und Stickstoffverbindungen, Kunststoffe in Primärform und synthetischer Kautschuk in Primärform" (Juni 2021: +44,1 Prozent, Mai 2021: +42,7 Prozent, April 2021: +34 Prozent) weiterhin auf hohem Niveau. Markante Preisanstiege gab es bei den Vorleistungsgütern ebenfalls für "Holz, gesägt und gehobelt" (+11,1 Prozent) sowie für "Kunststoffwaren" (+7,1 Prozent).

Inflationsrate im Juli voraussichtlich bei 2,7 Prozent

Die Inflationsrate dürfte im Juli weiter deutlich über 2 Prozent liegen. Laut einer Schnellschätzung der Statistik Austria stiegen die Preise gegenüber dem Juli des Vorjahres heuer um 2,7 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat Juni entspricht das einer Erhöhung von 0,1 Prozent. Die niedrigen Preise für Treibstoff und Haushaltsenergie im Vorjahr bleiben die wichtigsten Inflationstreiber, aber auch gestiegene Preise in der Gastronomie und bei Flugtickets zeichnen sich ab.

Den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) schätzt die Statistik Austria für Juli auf 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat und minus 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat Juni. Detaillierte Ergebnisse für Juli werden am 18. August veröffentlicht.

(APA/red)

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