Wiener Juwelier unter Geldwäsche-Verdacht: Prozess in Wien eröffnet

Ein Wiener Juwelier steht unter Geldwäsche-Verdacht vor Gericht
Ein Wiener Juwelier steht unter Geldwäsche-Verdacht vor Gericht ©BilderBox.com/APA (Sujet)
Am Mittwoch ist in Wien der Prozess gegen einen einst erfolgreichen Schmuckdesigner eröffnet worden. Es geht um 80-Millionen-Euro. Zum Auftakt erzählte der Angeklagte, wie er früher auf großem Fuß lebte und etwa Trinkgelder von 100 Euro für ihn ganz normal waren.
Prozess steht bevor
Juwelier wieder frei
Unter Geldwäsche-Verdacht

“Früher bin ich um 1.000 Euro zum Fabios essen gegangen und hab mit einem Hunderter als Trinkgeld gewachelt. Die haben sich gefreut, wenn sie mich gesehen haben. Und wenn ich dem Gery Keszler 240.000 Euro für den Life-Ball überwiesen habe, hab’ ich mich gut gefühlt”, erzählte er freimütig.

Prozess gegen Goldschmied in Wien

Diese Zeiten sind vorerst vorbei. Der gelernte Goldschmied, der auch als Chefdesigner eines Nobeljuweliers in der Wiener Innenstadt tätig war und als “Society-Löwe” galt, finanzierte sein Leben nämlich zu einem Gutteil mit Einkünften, die er recht geschickt an den Finanzbehörden vorbei jonglierte.

“Ich hab’ mein ganzes Leben und alle, die mich hochleben haben lassen, mit den Abgaben bezahlt, die jetzt nicht in Griechenland sind”, brachte es der 56-Jährige vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Claudia Moravec-Loidolt) auf den Punkt.

Riesige Abgabenhinterziehung

Staatsanwalt Marcus Schmitt sprach von “einer der größten Abgabenhinterziehungen, die es in der Republik je gegeben hat.” Er kreidete dem Angeklagten umfangreiche Steuerbetrügereien an. Dieser habe zwischen 2004 und 2012 Einkünfte aus einer seiner Firmen einfach der Finanz verschwiegen. Allein in diesem Anklagepunkt ist ein Schaden von nicht weniger als 80 Millionen Euro inkriminiert. Daneben wird dem 56-Jährigen Geldwäscherei und betrügerische Krida vorgeworfen. Der Schmuckdesigner bekannte sich teilweise schuldig.

“Bin der blöden Versuchung verfallen”

Die Idee, die den Schmuckdesigner reich machte, hört sich simpel an: Er begann ab dem Jahr 2006 damit, in großem Stil Bruchgold anzukaufen. Auf entsprechende Inserate hin lief ihm die Kundschaft alsbald die Türen seines Geschäftslokals ein. “Der kleine Mann hat mir seine Manschettenknöpfe gebracht, die er in der Lade hatte”, berichtete der 56-Jährige dem Schöffensenat.

Das gesammelte Bruchgold verkaufte er der ÖGUSSA (Österreichische Gold- und Silber-Scheideanstalt). Diese bezahlte nicht nur pünktlich die Ware, sondern überwies dem 56-Jährigen zusätzlich 20 Prozent an Umsatzsteuer. Statt diesen Aufschlag wie gesetzlich vorgesehen an die Finanz abzuführen, behielt der Geschäftsmann die gesamten Beträge ein: “Ich bin der blöden Versuchung verfallen. Man kommt da in so einen Strudel rein.”

Reichtum mit Geschäften mit Bruchgold

Mit dem zusätzlichen Geld kaufte er mit seiner Firma “Cash for Gold” immer mehr Gold an, wobei er sich verstärkt osteuropäischen Lieferanten mit einem – wie sich später herausstellen sollte – offenbar mafiösen Hintergrund zuwandte. Diese versorgten ihm nämlich bald mit Feingold, das sie plattenweise nach Wien schafften. Weil die ÖGUSSA diese Ware ablehnte und darauf verwies, man akzeptiere nur Bruchgold, legte sich der Schmuckdesigner zwei Schmelzöfen zu, in denen er die Goldplatten mit seinen Lagerbeständen an Silberbesteck und Silber- und Kupfermünzen vermengte und solcherart Legierungen herstellte, die von der ÖGUSSA wieder ohne weitere Beanstandungen übernommen wurden.

Mit einer zweiten Firma, die der 56-Jährige “Heavy Metal Company” (HMC) nannte – sie hätte ursprünglich dazu dienen sollen, die Werke seines Bruders, der als freischaffender Künstler tätig ist, zu vertreiben (“Ich wollte auch irgendwann etwas Seriöses machen”) -, trat der gewiefte Kaufmann dann sogar in eine Geschäftsbeziehung mit der “Cash for Gold”. Mit der HMC machte er der Finanz gegenüber Vorsteuer-Abzüge geltend, während er mit der “Cash for Gold” weiter keine Steuern bezahlte.

80 Millionen Euro-Prozess in Wien

Eng wurde es für den 56-Jährigen, als ihn seine osteuropäischen Lieferanten unter Druck setzten. Von seinen Gewinnen aus seinen Finanzvergehen musste er diesen die Hälfte abführen. Das ging sich nur mehr schwer aus, da er infolge seines Erfolgs mit seinem eigenen Betrieb expandiert hatte. Er beschäftigte acht Angestellte, allein deren Gehälter hätten monatlich 35.000 Euro ausgemacht, verriet er dem Senat.

Um seine Partner aus dem Osten zu beruhigen, verkaufte er schließlich sein Warenlager, das einen Wert von sechs Millionen Euro gehabt haben soll. Für Verteidigerin Katrin Ehrbar war diese Summe einerseits viel zu hoch angesetzt. Andererseits verwies sie darauf, es habe sich um einen “Notverkauf” gehandelt. Ihr Mandant habe deshalb nur 175.000 Euro für das Lager erhalten.

Juwelier setzte sich ab

Von der Anklage umfasst war auch noch eine Porzellan-Sammlung, die sich der 56-Jährige ab 2011 mit den Erlösen aus seinen Finanzvergehen angeschafft haben soll. Diese hatte laut Anklage einen Wert von 2,7 Millionen. Da damit die Erlöse aus strafrechtlichen Vergehen verschleiert wurden, soll der Angeklagte sich damit auch noch der Geldwäscherei schuldig gemacht haben.

Wegen gegen ihn gerichteter Drohungen aus dem Osten hatte sich der Schmuckhändler und -designer im Sommer 2012 ins Ausland abgesetzt. Nachdem er europaweit zur Fahndung ausgeschrieben wurde, stellte er sich im Oktober 2012 den Behörden. Nach achtmonatiger U-Haft wurde der 56-Jährige im Juli 2013 unter Auflagen – er musste unter anderem seinen Pass abgeben – wieder auf freien Fuß gesetzt. Nun droht ihm im Fall eines Schuldspruchs eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Der Prozess, in dem noch zahlreiche Zeugen gehört werden müssen, dürfte frühestens im März zu Ende gehen.

(apa/red)

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